»Pikanterien und Schamloses aus der Frühzeit des Kinos« | In weniger als 15 Jahren formte sich in rasanter Entwicklung aus einer Jahrmarktsattraktion das Leitmedium des 20. Jahrhunderts. Diese erste Periode, die mit den Gebrüdern Lumière 1895 ihren Anfang nahm und etwa um 1910 ihren Abschluss fand, ist auch als »Kino der Attraktionen« in die Filmgeschichte eingegangen. Sie war geprägt von einem opulenten Bilderhunger, der auch vor gesellschaftlichen Tabus nicht haltmachte, und wusste seinem oft ungebildeten und von bürgerlichen Sicherheiten ausgeschlossenen Publikum auch die brutalen Lebensrealitäten in burlesken Travestien zu präsentieren. Dabei traten die einzelnen Filme nicht als Monolithe mit künstlerischem Gestus auf, sondern waren in ein feines Gewebe geschickt gewählter Genrefolgen eingebunden. Durch die bewusste, auch kontrastierende Anlage konnte eine emotionale Verdichtung erzielt werden, die auch heute noch fasziniert und ob ihrer Freiheit oft erstaunt. Die übermütigen Ungezogenheiten der Wanderkinoperiode hatten in den ab etwa 1910 in den nun nobel werdenden stationären Kinoinstituten keinen Raum mehr, und es sollte mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen, bis sich das Kino wieder solche Freiräume ertrotzen konnte. Nikolaus Wostry (Filmarchiv Austria) zeigt und kommentiert ein ausgewähltes Programm mit frühen Raritäten aus Frankreich, Österreich, Deutschland und Großbritannien, die in analogen 35mm-Filmkopien vorgeführt werden.
Eintrittspreis 5 € (3 € bei MFZ-Mitgliedschaft), Aufschläge bei Überlänge, Live-Musik oder 3D. Die Kasse öffnet jeweils 60 Minuten vor und schließt 30 Minuten nach Beginn der Vorstellung. Bei allen öffentlichen Veranstaltungen verbleibt ein Kartenkontingent für den freien Verkauf an der Abendkasse.



