leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

Sensing Sites

Sensing Sites

Gedächtnissuche bedeutet, den Stadtraum nach Spuren zu erkunden, wo Erinnerung fehlt und Geschichten sichtbar zu machen, die verdrängt wurden. Ausgangspunkt des Projekts »Sensing Sites – Dekoloniale Gedächtnissuche « ist der Alte Südliche Friedhof, Münchens ehemaliger Zentralfriedhof bis zur Eröffnung des Alten Nördlichen Friedhofs in der Maxvorstadt im Jahre 1868. Heute steht das gesamte Areal unter Denkmalund Naturschutz und ist als Parkanlage auch Ort zum Spazieren und Verweilen.

Die auf Initiative zivilgesellschaftlicher Akteur*innen und der Stadt München entstehende künstlerische Intervention »Living Layers« von Nando Nkrumah soll nun an die kolonialen Verflechtungen dieses Ortes sowie an Menschen erinnern, die in kolonialen Kontexten entrechtet, verschleppt, zur Schau gestellt und am Alten Südlichen Friedhof begraben wurden. Zugleich regt die Intervention eine Auseinandersetzung mit Formen eines würdigen Gedenkens an. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Geschichten von Cula, Akafede sowie Juri und Miranha. Wer waren diese Menschen? Woher kamen sie? Was ist ihnen passiert? Warum sind sie in München begraben? Das Projekt richtet den Blick auf die bis heute wirksamen kolonialen Verflechtungen im Stadtraum und Formen widerständigen Erinnerns. Welche Geschichten bleiben im öffentlichen Gedächtnis und welche verschwinden?

In Kooperation mit den Kuratorinnen von »Sensing Sites« Sarah Bergh und Modupe Laja, dem Medienkollektiv Afrodiaspora Archiv MAAT und der Mubuka Initiative sowie der Sammlung Stadtkultur des Münchner Stadtmuseums lädt das Filmmuseum mit zwei Filmvorführungen und Diskussionen dazu ein, gemeinsam zu erinnern und zu fragen. Zu Gast sind Jasmin Eding, feministische grassroots-Aktivistin in der Schwarzen Bewegung und Mitbegründerin von ADEFRA e.V. – Schwarze Frauen in Deutschland, sowie Biancka Arruda Miranda, Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin und Gründerin der Mubuka Initiative.

Der 2024 neu digitalisiert und überarbeitete Dokumentarfilm FASIA, VON TRUTZIGEN FRAUEN UND EINER TROUBADORA (1987) zeichnet anhand der Freiheitskämpferin Fasia Jansen die Kontinuitäten von NS-Verfolgung, Rassismus und antifaschistischem Widerstand in Deutschland nach. Der Film erzählt anhand ihrer Lebensgeschichte von den Erfahrungen einer Schwarzen Deutschen im Nationalsozialismus und ihrem späteren Engagement gegen Rassismus, Faschismus und sozia- le Ungleichheit. »Darf man etwa nicht so egoistisch oder so träge sein und seine Erfahrungen nur für sich behalten? Sie höchstens als Gesprächsfetzen von sich geben? Nein, man sollte nicht so faul sein! Man sollte sie aufschreiben oder auf Band sprechen. Nicht um zu zeigen, das ist Fasia Jansen, das hab ich erlebt, hört mal alle zu. Ich meine, um die Zeit kennen zu lernen, in der man nicht gelebt hat! Irgendwie mache ich alles, um denen, die jünger sind, vielleicht ein kleines Bild zu geben, was man empfunden hat und – wie ein Sandkorn am Strand, das sich selber als Sandkorn am Strand betrachtet – erlebt hat« (Fasia Jansen). Der kolumbianische Film EL ABRAZO DE LA SERPIENTE (DER SCHAMANE UND DIE SCHLANGE) stellt die wissenschaftliche Forschungsreise und die brutale Kolonialgeschichte des südamerikanischen Kontinents gegenüber und streift damit auch die Geschichte der brasilianischen Kinder Juri und Miranha, die von deutschen Ethnografen nach München verschleppt wurden. DER SCHAMANE UND DIE SCHLANGE war 2015 einer der ersten Spielfilme Kolumbiens, der versuchte, in der Produktion wie auch in der fiktiven Erzählung die Perspektive der indigenen Bevölkerung in der Amazonasregion zuzulassen. »Die Exploratoren haben ihre Geschichte erzählt. Die Indigenen jedoch nicht. Dies ist ihre Geschichte. Ein Stück Land von der Größe eines Kontinents, dessen Geschichte nie erzählt wurde, das im Kino unseres Amerikas nicht existiert. Jener Amazonas ist inzwischen verloren. Doch im Kino kann er wieder lebendig werden.« (Regisseur Ciro Guerra)

Fasia, von trutzigen Frauen und einer Troubadora | BRD 1987 | R+B+K: Re Karen | M: Fasia Jansen, Iwan Harlan | 85 min | Mit: Fasia Jansen, Ellen Diederich, Elli Jansen | OF | Fasia Jansen war Liedermacherin, Frauenrechtlerin, Anti-Atomkraft-, Umwelt- und Friedensaktivistin. Sie wurde 1929 in Hamburg als Tochter des liberianischen Generalkonsuls Momulu Massaquoi und seiner Hausangestellten Elli Jansen geboren. Nach medizinischen Experimenten und Zwangsarbeit überlebt sie das faschistische Nazi-Regime nur knapp. Regisseurin Re Karen porträtierte die charismatische Freiheitskämpferin in den 1980er Jahren, als sie zu einem Vorbild der europäischen feministischen Friedensbewegung wurde. 
Donnerstag, 29. Oktober 2026, 19.00 Uhr | Gespräch: Modupe Laja, Jasmin Eding

El abrazo de la serpiente (Der Schamane und die Schlange) | Kolumbien 2015 | R: Ciro Guerra | B: Ciro Guerra, Jaques Toulemonde | K: David Gallego | M: Nascuy Linares | D: Jan Bijovet, Brionne Davis, Nilbio Torres, Antonio Bolívar, Yauenkü Miguee | 125 min | OmU | Anfang des 20. Jahrhunderts bereist der deutsche Naturforscher Theodor Koch-Grünberg, auf dessen Reiseberichte sich der Film lose bezieht, das Amazonasgebiet auf der Suche nach der heilenden Yakruna-Pflanze. 30 Jahre später folgt der US-amerikanische Botaniker Richard Evans seinen Tagebucheinträgen und will ebenfalls die sagenumwobene Yakruna finden. Beide spüren den Schamanen Karamakate auf, der sich als letzter Überlebender des Cohiuano-Stammes wähnt. Er soll ihnen den Weg zeigen. In epischen Cinema-Scope-Bildern führt der Film die zwei zeitversetzten Expeditionen parallel, über die labyrinthischen Verzweigungen des Amazonas und hinein in eine »Zeit ohne Zeit«, in einen »Raum ohne Raum«, in dem sich multiple Universen gleichzeitig abspielen. Darin offenbart sich der ganze Horror, den die Kolonisatoren in den Urwald gebracht haben.
Donnerstag, 19. November 2026, 19.00 Uhr | Gespräch: Sarah Bergh, Biancka Arruda Miranda

Weiter im Text und zum PDF der Veranstaltung
Termine und Filmtexte als ICS für Kalender-Apps

Zum aktuellen Spielplan


Besuchsinformation

Öffnungszeiten

Interimsausstellung “What the City. Perspektiven unserer Stadt” im historischen Zeughaus
Dienstag–Sonntag 11.00-19.00 Uhr
Eintritt frei

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag / Mittwoch 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag / Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 17.00 Uhr

Das restliche Museum ist aufgrund der Generalsanierung aktuell geschlossen.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

S/U-Bahn Station Marienplatz
U-Bahn Station Sendlinger Tor
Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz

Kontakt

St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Tel. +49-(0)89-233-722370
E-Mail stadtmuseum(at)muenchen.de
E-Mail filmmuseum(at)muenchen.de

Kinokasse Tel. +49-(0)89-233-724150

Informationen zur Von Parish Kostümbibliothek in Nymphenburg