leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

Jean Eustache

Jean Eustache

Eine Werkschau

In den Erinnerungsräumen von Jean Eustache

Auf dem Boulevard in Narbonne lässt sich Tag für Tag das gleiche Schauspiel beobachten. Mechanisch und ein wenig kraftlos promenieren die jüngeren Leute des Ortes in der von Bäumen gesäumten Allee auf und ab, um sich zu zeigen und »zufällige« Begegnungen herbeizuchoreografieren. »Das ist die Tradition. So treffen sich Mädchen und Jungen, das war schon immer so«, heißt es in Jean Eustaches filmischer Jugenderinnerung MES PETITES AMOUREUSES (MEINE KLEINEN GELIEBTEN, 1974). Nach einem zaghaften Versuch, der im Nichts versickert, findet sich Daniel – das Alter Ego des Filmemachers (gespielt von Martin Loeb) – bald auf den Zuschauerrängen wieder: auf einer der Parkbänke, in der Rolle des Voyeurs. Einmal sitzt ihm ein Typ gegenüber, der, allein wie er, den Umarmungen und Küssen junger Paare zusieht. Es ist Jean Eustache. Sein kurzer Besuch in der eigenen Autobiografie ist dabei nicht mit dem Cameo eines Auteurs zu verwechseln, der das eigene Werk mit seiner körperlichen Präsenz signiert. Vielmehr begegnen sich in diesem Moment Eustache und sein jugendliches Selbst wie in einem Spiegel. Zwischen ihnen liegt die Zeit, die den 13-jährigen Jungen von dem 35-jährigen Mann trennt, der er einmal sein wird – die Zeit auch zwischen Erleben und Erinnerung. Zugleich fallen die beiden Personen in eins, werden zu Bildern ein und derselben Figur. Die Rückschau des Erwachsenen auf sein früheres Ich, Substanz einer jeden Erinnerungserzählung, löst sich in einer schwer zu fassenden überzeitlichen Gegenwart auf. Dabei streicht Eustache die Prozesse der Reflexion, der Erkenntnis, der Reife, auch der Heilung, die das autobiografische Kino (und den Entwicklungsroman) in seinen vielfältigen Formen bestimmen, radikal aus. Was könnte der Ältere dem Jüngeren auch sagen? Nichts. Außer vielleicht: Es ist passiert.

Weiter im Text von Esther Buss und zum pdf der Reihe
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Besuchsinformation

Öffnungszeiten

Interimsausstellung “What the City. Perspektiven unserer Stadt” im historischen Zeughaus
Dienstag–Sonntag 11.00-19.00 Uhr
Eintritt frei

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag / Mittwoch 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag / Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 17.00 Uhr

Das restliche Museum ist aufgrund der Generalsanierung aktuell geschlossen.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

S/U-Bahn Station Marienplatz
U-Bahn Station Sendlinger Tor
Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz

Kontakt

St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Tel. +49-(0)89-233-722370
E-Mail stadtmuseum(at)muenchen.de
E-Mail filmmuseum(at)muenchen.de

Kinokasse Tel. +49-(0)89-233-724150

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