Die Sammlerinnen

Zwei Leben für eine Sammlung

Hermine Viktoria von Parish (München 1881-1966 Haar)

Hermine sen. war in jeder Hinsicht prägend. Sie hat die zu großen Teilen verloren gegangene Kostümbildsammlung ihres Großvaters Rudolf Marggraff (Züllichau / Schlesien 1805-1880 Freiburg i.Br.) wieder aufgebaut. Durch ihre Heirat mit Edmund von Parish (Hamburg 1881-1916 München) im Jahr 1906 war sie finanziell in der Lage, auf ihren Reisen durch Europa Modezeitschriften, Bücher und Grafik zu erwerben. Sie legte die Modebildsammlung an, die sog. "Dokumentation". Hervorzuheben ist der enzyklopädische Ansatz ihrer Sammelleidenschaft, der dieses Archiv bis heute so besonders macht. Als Tochter des Malers Emanuel Spitzer (Pápa, Österreich-Ungarn 1844-1919 Waging am See) besaß sie künstlerisches Talent, das in ihren Zeichnungen und Collagen zum Ausdruck kommt. Seit den 1920er Jahren hat sie eine Manufaktur für Künstlerpuppen betrieben. Sie gründete 1946 die "von Parish Schule für freie und angewandte Kunst", die in der Villa betrieben wurde. Hermine sen. vermochte es, über alle Schwierigkeiten der Zeitläufte zwischen Erstem Weltkrieg und früher Nachkriegszeit hinweg, für den persönlichen Unterhalt der Familie zu sorgen und die große Sammlung ebenso wie das Haus in der Kemnatenstraße zu erhalten.

Hermine "Harriet" von Parish (Rom 1907-1998 München)

Sammelleidenschaft wurde Hermine jun. in die Wiege gelegt. Anstatt die Schule regulär zu besuchen, zog ihre Mutter sie seit ihrem 13. Lebensjahr zur Arbeit in der Dokumentation heran. Sie wuchs buchstäblich in die Sammlung hinein – einige Objekte zeigen noch ihre Kinderzeichnungen. Seit Mitte der 1930er Jahre hat sie selbst aktiv zu sammeln begonnen und auch das Familienarchiv angelegt. Ihr ursprünglicher Wunsch, Sängerin zu werden, erfüllte sich auch nach einigen Semestern an der Münchner Hochschule für Musik nicht. 

Als Leiterin der "von Parish Schule für freie und angewandte Kunst" hat sie von 1954 bis 1974 Generationen von Student*innen geprägt. Mit der 1970 erfolgten Übergabe der privaten Sammlung an das Münchner Stadtmuseum gelang es ihr, deren Fortbestand zu gewährleisten und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie baute nun die Sammlung in großem Maßstab weiter aus und bereicherte sie durch besonders kostbare Stücke.

Am Ende ihres Lebens war eine Institution entstanden, die für die Erforschung der Kostümgeschichte im internationalen Maßstab Bedeutung hat. In Anerkennung ihrer Verdienste für ihre Heimatstadt München wurde Hermine von Parish 1980 mit der Medaille "München leuchtet" in Gold ausgezeichnet. Am 7. November 2007 erhielt die Von Parish Kostümbibliothek von der Europäischen Kulturstiftung den "Preis zur Bewahrung des Europäischen Kulturerbes". Eine besondere Würdigung erfuhr die Stifterin 2018 mit der Benennung "Hermine-von-Parish-Straße" in einem neuen Pasinger Wohngebiet.

Besuchsinformation

Die Von Parish Kostümbibliothek ist eine magazinierte Präsenzbibliothek.

Aus- und Fernleihen sind nicht möglich, ausgenommen sind Leihanfragen für Ausstellungszwecke.

Die Bibliothek steht der Öffentlichkeit mit dem Angebot eines kostenpflichtigen Recherchedienstes zur Verfügung.

Der Besuch ist nur nach Voranmeldung und Terminvereinbarung möglich.

Kontakt

Von Parish Kostümbibliothek
Kemnatenstraße 50
80639 München, Nymphenburg

Dr. Esther Sophia Sünderhauf, Leitung

Tel. +49-(0)89-177717
E-Mail: kostuembibliothek.stadtmuseummuenchende

Anfahrt

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: S-Bahn Station Laim, anschließend Ausgang Wotanstraße mit Bus 51 / 151 bis Haltestelle Kemnatenstraße.


Besuchsinformation

Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr
Montags geschlossen

MittwochAbendGeöffnet!
Jeden 2. Mittwoch im Monat sind ausgewählte Ausstellungen des Münchner Stadtmuseums bis 20.00 Uhr geöffnet.

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag - Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag - Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 17.00 Uhr

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

S/U-Bahn Station Marienplatz
U-Bahn Station Sendlinger Tor
Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz

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St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
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