Das Hut- und Putzgeschäft Heinrich Rothschild

Das "Hut- und Putzgeschäft Heinrich Rothschild" wurde 1882 gegründet und befand sich in der Sendlinger Straße 86 in München. Es wurde seit 1936 von den Brüdern Otto und Joseph Rothschild geführt. Das Unternehmen war auf den Verkauf und die Herstellung von Damenhüten spezialisiert. Unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik beschlossen die Brüder Rothschild im Oktober 1938, das Geschäft an vier ihrer Angestellten zu verkaufen. Die Verhandlungen mussten jedoch nach der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 abrupt beendet werden. Die Nationalsozialisten ordneten die Liquidation der Firma durch das "Münchner Revisions- und Treuhandbüro" Arthur Marschner an.

In der Folge der Firmenauflösung sollte der gesamte Warenbestand zunächst zu Schleuderpreisen an den Großhandel verkauft werden. Im Februar 1939 stimmte die Industrie- und Handelskammer auch dem Verkauf an Endverbraucher zu. Von den Erlösen erhielt die Familie nichts. Neben Münchner Firmen und der Bevölkerung profitierte auch das Münchner Stadtmuseum von der erzwungenen Geschäftsauflösung. Der Direktor des Münchner Stadtmuseums Konrad Schießl kaufte aus dem Firmenarchiv 92 historische Hüte weit unter dem Marktwert an. Die Hüte stammten teilweise aus Paris und London. Sie waren auch als Modelle für künftige Fabrikationen gesammelt worden.

Am 3. April 1940 gelang Otto Rothschild und seiner Frau Dora die Flucht in die USA nach New York. Joseph Rothschild flüchtete über Zürich in die USA und erreichte im Oktober 1946 ebenfalls New York. Ihre Schwester Lilli Rosenthal, geborene Rothschild, die auch ein Damenhutgeschäft in München leitete, wurde 1941 nach Kaunas deportiert und dort am 25.11.1941 ermordet. Die zweite Schwester Adele Rothschild emigrierte nach England, wo sie 1940 verstarb.

Nach dem Krieg, im Februar 1948 beantragten Otto und Joseph Rothschild die Rückgabe ihres geraubten Firmenvermögens. Erst am 2. Dezember 1969 konnte vor der Wiedergutmachungskammer des Landgerichts München I ein Vergleich geschlossen werden. Den Brüdern wurde für ihr Geschäft ein Schadensersatz in Höhe von lediglich 32.500 Deutsche Mark zugesprochen. Otto Rothschild erlebte diese Entscheidung nicht mehr. Er war 1951 in New York gestorben.

Nachdem das Münchner Stadtmuseum die Herkunft der 92 Rothschild-Hüte erforscht hatte, konnten 2016 die Nachkommen von Otto Rothschild ausfindig gemacht werden, die heute in Großbritannien leben. Die Rothschild-Nachkommen besuchten das Museum, um sich die Hüte anzusehen und informierten Lilli's Familienmitglieder über die Existenz der Hüte und verstärkten ihre Bemühungen, Josephs Nachkommen zu finden. Seitdem sind die Familien von Otto, Lilli und Joseph wieder vereint. Siebzehn Mitglieder der Familie Rothschild aus aller Welt feierten im April 2018 ihre gemeinsame Herkunft, indem sie sich im April 2018 in München zur Ausstellungseröffnung "Ehem. jüdischer Besitz" – Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus trafen.

Das Münchner Stadtmuseum hat gemeinsam mit der Familie eine faire und gerechte Lösung im Umgang mit den 92 Hüten entwickelt. Die Hüte wurden geschätzt und zurückgekauft, sie dürfen im Museum verbleiben. Das Museum engagiert sich für die Dokumentation der Familiengeschichte und hat in der Dauerausstellung Nationalsozialismus in München eine Ergänzung zum Thema "Arisierung" eingefügt. Die Familie hat ihre Geschichte wiederentdeckt und empfindet die Arbeit des Museums als identitätsstiftend, wie man in diesem Filmausschnitt mit Katrina Recker, der Urenkelin von Heinrich Rothschild sehen und hören kann.


Ein Kommentar von Peter Conrad, Nachfahre der Rothschild-Familie zur Ausstellung "'Ehem. jüdischer Besitz' – Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus", die vom 27. April 2018 – 6. Januar 2019 im Münchner Stadtmuseum stattfand:


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