Silberobjekte aus der sogenannten Silberzwangsabgabe aus dem Jahr 1939

Erwerbungen der Silberobjekte (1939–1940)

In den Jahren 1939 und 1940 erwarb das Münchner Stadtmuseum 212 Silbergegenstände beim Städtischen Leihamt in München. Es handelte sich dabei um Objekte, die jüdische Bürgerinnen und Bürger auf staatlichen Zwang hin an die Ankaufsstelle des Leihamtes abliefern mussten. Grundlage dafür war die am 21. Februar 1939 erlassene "Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden", die reichsweit durchgeführt wurde. In der Folge waren über 2.000 Münchner Jüdinnen und Juden verpflichtet, ihre Wertgegenstände beim Leihamt in der Augustenstraße zwangsweise abzuliefern – allein in München waren es annähernd 10 Tonnen an Wertgegenständen. Gold, Platin, Schmuck und Edelsteine mussten ausnahmslos nach Berlin abgegeben werden, nur das Silber wurde in München und in über 60 anderen Städten des Deutschen Reichs "verwertet".

Rückgabe nach 1945 und Bestand im Museum

Nach 1945 konnten im Rahmen der Wiedergutmachungsverfahren 69 Silberobjekte an ihre rechtmäßigen Eigentümer*innen zurückgegeben werden. Voraussetzung dafür war ein von den betroffenen Familien fristgerecht gestellter Entschädigungsantrag. Weitere drei Objekte gelten als Kriegsverluste. 140 Silbergegenstände verblieben im Bestand des Münchner Stadtmuseums in der Sammlung Angewandte Kunst. Es handelt sich überwiegend um Arbeiten von Münchner Silberschmieden aus dem 18. bis 20. Jahrhundert.

Provenienzforschung seit 2012

Trotz intensiver Recherchen seit 2012 blieb eine Zuordnung der Objekte zu den ehemaligen Eigentümer*innen zunächst nicht möglich. Zwar verfügten alle Objekte über eine Ankaufsverzeichnisnummer (AV-Nummer) des Leihamtes, jedoch ließ sich diese Nummer keiner konkreten Person zuordnen. Daher publizierte das Münchner Stadtmuseum 2012 alle Objekte auf Lost Art und machte 2014 eine kleine Ausstellung mit Katalog zu diesem Bestand.

Neue Quellenlage ab 2022

Durch den engen Austausch mit dem Bayerischen Nationalmuseum und durch neue Aktenfunde in Münchner Archiven veränderte sich die Situation im Sommer 2022 grundlegend. Heute liegen fast alle 2.306 Namen der betroffenen Münchner Familien vor, die im Leihamt ihre Wertgegenstände einliefern mussten. Das Münchner Stadtmuseum konnte daraufhin 137 der 140 Objekte aus der "Silberzwangsabgabe" eindeutig einer Person zuordnen. Insgesamt 46 Namen von jüdischen Eigentümer*innen sind für die Silbergegenstände ermittelt worden. Seitdem sucht das Münchner Stadtmuseum intensiv nach den Nachfahr*innen, um die Silberobjekte an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurückzugeben.

Zur Unterstützung bei der Erb*innensuche hat das Museum 2023 erfolgreich einen Antrag für ein Kurzprojekt beim Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste gestellt. Umfangreiche Unterstützung erhält das Museum vom Holocaust Claims Processing Office of the New York State of Department Financial Services (HCPO).

Aktueller Stand

Bis auf wenige Einzelfälle konnten inzwischen [Stand Januar 2026] nahezu alle 140 Silberobjekte restituiert werden. Dafür hat das Münchner Stadtmuseum mit mehreren hundert Nachfahr*innen Kontakt aufgenommen. Die Familien leben heute weltweit verteilt – zahlreiche in Israel und den USA, aber ebenso in England, Österreich, Italien sowie Kanada, verschiedenen Ländern Süd- und Mittelamerikas sowie Australien. Insgesamt wurden für die Restitutionen Vereinbarungen mit über 200 Erb*innen unterzeichnet.

Die Familien entschieden sich dabei für unterschiedliche Wege: Viele der Objekte gingen direkt zurück in den Familienbesitz, andere wurden auf deren Wunsch vom Museum erworben. Wiederum einige Familien überließen die Silberobjekte der Sammlung Angewandte Kunst des Münchner Stadtmuseums oder anderen Institutionen wie dem Jüdischen Museum München als Schenkung.

Im Rahmen der Erb*innensuche hat das Münchner Stadtmuseum biografische Informationen zu allen 46 Familien zusammengetragen. Die erarbeiteten Kurzbiografien erzählen von dem Schicksal als ehemalige Münchner Mitbürger*innen, von Verfolgung, Enteignung und Ermordung sowie von Emigration und Neuanfang. Die kurzen Biografien sind über das Album in der Sammlung Online abrufbar. Sie leisten einen Beitrag zur individuellen Erinnerungskultur und ermöglichen es, die historischen Ereignisse und die Enteignung durch die "Silberzwangsabgabe" anhand persönlicher Schicksale nachvollziehbar zu machen.

"Munich Roots" – Begegnungen mit Erb*innen

Aufbauend auf dem intensiven Kontakt mit den zahlreichen Erb*innen entwickelte das Münchner Stadtmuseum das Begegnungsformat "Munich Roots", das 2024 und 2025 stattfand. Daran haben jeweils acht Familien teilgenommen, an die Silberobjekte restituiert wurden. Im Rahmen der Veranstaltungen besuchten die Nachfahr*innen die Orte ihrer Familiengeschichte und erhielten Einblicke in die originalen Archivquellen zu ihren Vorfahr*innen sowie in die Zeit des Nationalsozialismus in München. 

Publikationen

Der Bestand an Objekten aus dem Städtischen Leihamt wurde 2016 zusammen mit der Ausstellung "M. T. Wetzlar, Silberschmiede in München, gegründet 1875 – arisiert 1938" der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Begleitpublikation zur Ausstellung in Deutsch und Englisch ist im Online-Shop für 39,80 € erhältlich.


Besuchsinformation

Öffnungszeiten

Interimsausstellung “What the City. Perspektiven unserer Stadt” im historischen Zeughaus
Dienstag–Sonntag 11.00-19.00 Uhr
Eintritt frei

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag / Mittwoch 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag / Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 18.00 Uhr

Das restliche Museum ist aufgrund der Generalsanierung aktuell geschlossen.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

S/U-Bahn Station Marienplatz
U-Bahn Station Sendlinger Tor
Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz

Kontakt

St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Tel. +49-(0)89-233-722370
E-Mail stadtmuseum(at)muenchen.de
E-Mail filmmuseum(at)muenchen.de

Kinokasse Tel. +49-(0)89-233-724150

Informationen zur Von Parish Kostümbibliothek in Nymphenburg