Restitution einer Nymphenburger Porzellandose an die Nachfahren des Wiener Textilhändlers Heinrich Rothberger

Das Münchner Stadtmuseum hat 2021 eine Nymphenburger Porzellandose an die Nachfahren der Familie des Wiener Textilhändler Heinrich Rothberger restituiert. Proaktive Recherchen der Provenienzforschung waren zu dem Ergebnis gekommen, dass das Objekt Heinrich Rothberger 1938 NS-verfolgungsbedingt entzogen worden war.

Das Münchner Stadtmuseum hatte die Porzellandose am 18. November 1938 auf einer Auktion des Auktionshauses Hans W. Lange in Berlin erworben. Es handelt sich um eine Porzellandose für Tabak mit dem Reliefkopf des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph. Sie wurde von Dominikus Auliczek d.Ä. für die Nymphenburger Porzellanmanufaktur hergestellt und stammte zum Zeitpunkt der Erwerbung des Museums aus der bedeutenden Porzellansammlung von Heinrich Rothberger, einem jüdischen Textilfabrikanten aus Wien. Heinrich Rothberger besaß eine bedeutende Kunstsammlung, darunter über 300 Stücke aus Porzellan.

Heinrich Rothberger war 1868 in Wien geboren worden und übernahm 1899 zusammen mit seinen Brüdern Moritz und Alfred die Leitung des väterlichen Textilunternehmens Jacob Rothberger. Gemeinsam führten sie ein Warenhaus direkt gegenüber des Stephansdoms im Zentrum von Wien. Mit dem sogenannten „Anschluss“ an das Deutsche Reich im März 1938 begann auch in Österreich die Verfolgung jüdischer Mitbürger*innen. Im Frühjahr 1938 wurde der älteste Sohn von Heinrich und Ella, Johann Rothberger, ins Konzentrationslager Dachau verschleppt, um die Familie zur Abgabe ihres Geschäftes zu zwingen. Im November 1938 kam es zur sogenannten Arisierung der Firma, also zur Übernahme der Firma Jacob Rothberger durch einen nicht-jüdischen Besitzer. In der Folge wurden die Anteile der Familie direkt an die Finanzbehörden ausgezahlt, gleichzeitig mussten sie hohe Schulden übernehmen. Um diese Zwangsabgaben begleichen zu können, war Heinrich Rothberger gezwungen, einen Teil seiner Porzellansammlung zu verkaufen.

Am 18. und 19. November 1938 wurden insgesamt 80 Lose im Auktionshaus Hans W. Lange versteigert. Über die dort erzielte Summe konnte Heinrich Rothberger jedoch nicht frei verfügen. Auf alle noch folgenden Verkäufe von Kunstgegenständen und Liegenschaften wurden Schulden, Reichsfluchtsteuer und fingierte Abgaben auferlegt. Im Februar 1939 wurde der Sohn Johann Rothberger aus dem Konzentrationslager entlassen und bereitete sofort seine Emigration vor. Am 2. November 1941 verließen Heinrich und seine Frau Ella Rothberger Wien und gelangten über Barcelona nach Kuba.

Mit der Unterstützung von Kolleg*innen aus der Provenienzforschung in Wien konnte der verfolgungsbedingte Entzug der Porzellandose zweifelsfrei nachgewiesen werden. Das Münchner Stadtmuseum hat das Objekt an die Nachfahren der Familie Rothberger, die heute in Amerika leben, zurückgegeben.


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