Kunst- und Antiquitätenhaus L. Bernheimer

Im Jahr 1864 gründete Lehmann Bernheimer das Kunst- und Antiquitätenhaus, das sich bald auf die Ausstattung exklusiver Wohnungen mit Möbeln, Teppichen, Kunst und Antiquitäten spezialisierte. Zu den Kunden gehörten das bayerische Königshaus, Vertreter des europäischen Hochadels sowie Museen, Unternehmer, Künstler und Sammler. Nach dem Tod des Firmengründers übernahmen dessen Söhne Max, Ernst und Otto im Jahr 1918 die Leitung der international bekannten Firma.

Die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten hatte für die Firma Bernheimer verheerende Folgen. Bereits am 31. März 1933 kam es in München zu Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte. Einheiten der „Sturmabteilung“ (SA) beschmierten die Schaufenster mit antisemitischen Parolen und schikanierten Kunden.

In der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde das Kunst- und Antiquitätenhaus L. Bernheimer stark beschädigt. Kurz darauf schlossen die Nationalsozialisten die Firma und verboten den jüdischen Eigentümern ihr Geschäftshaus zu betreten. Auf Betreiben von Gauleiter Adolf Wagner übernahm der Verein „Kameradschaft der Künstler e.V.“ am 16. November 1939 das Unternehmen. Die „arisierte“ Kunsthandlung L. Bernheimer wurde als „Münchner Kunsthandels-Gesellschaft/ Kameradschaft der Künstler e.V. (vormals L. Bernheimer KG)" bis 1945 weitergeführt.

Max Bernheimer war im März 1933 verstorben, seiner Ehefrau Karoline gelang im April 1939 die Flucht in die USA nach New York. Ernst und seine Frau Berta Bernheimer bemühten sich seit Ende 1938 vergeblich um eine Ausreisegenehmigung. Erst im April 1941 gelang der gesamten Familie die Flucht in die Emigration nach Kuba.

Otto Bernheimer und seine Söhne wurden in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 in das „Konzentrationslager“ Dachau verschleppt. Zusammen mit seiner Frau Charlotte und seinen Söhnen Ludwig und Kurt gelang ihm im April 1939 die Flucht nach Venezuela.

Von der „arisierten“ Kunst- und Antiquitätenhandlung kaufte 1940 die Städtische Musikinstrumentensammlung unter der Leitung von Georg Neuner Musikinstrumente an. Es handelte sich um verschiedene Glocken, Trommeln und Saiteninstrumente aus Persien, China und Zentralasien sowie afrikanische Quertrompeten. Als die Musikinstrumentensammlung 1958 Teil des Münchner Stadtmuseums wurde, gingen die Instrumente in den Sammlungsbestand des Museums über. Die 17 Musikinstrumente sind 2019 an die Nachkommen der Familie Bernheimer zurückgegeben worden.


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