24.09.2021 – 30.01.2022
Grand Tour XXL. Der Reisekünstler Emel‘jan Korneev
Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein galt eine Grand Tour nach Italien für Künstler als geradezu unverzichtbare Bildungsreise. Emel‘jan Michailowitsch Korneev (1780-1843) ging jedoch noch viel weiter. Als Teil einer Expedition bereiste er zunächst ganz Russland, von St. Petersburg nach Sibirien und über die südöstlichen Provinzen bis auf die Krim. Von dort aus zog er weiter in das damals osmanisch besetzte Griechenland und nach Kleinasien. Von Korfu aus gelangte er schließlich nach Italien und bereiste das Land von Paestum, Neapel und Tivoli bis Venedig. Unentwegt dokumentierte Korneev dabei unterschiedlichste Landschaften und Bauten sowie folkloristische Szenen. Einige Jahre nach seiner Rückkehr nach Russland übertraf Korneev diese ohnehin schon gewaltige Tour mit seiner Teilnahme an einer Weltumsegelung.
Viele seiner Werke gelten als verloren, weshalb der Künstler heutzutage außerhalb Russlands kaum mehr bekannt ist. Umso bedeutender ist das umfangreiche Konvolut an Zeichnungen und Aquarellen im Bestand der Graphischen Sammlung des Münchner Stadtmuseums. Großformatige Federzeichnungen sowie Arbeiten in Sepiatusche und Aquarell lassen die Kunst und die Reisen von Korneev anschaulich werden. Hinzu kommen einige Kostümstudien aus der Von Parish Kostümbibliothek und weitere hauseigene Werke von deutschen Zeitgenossen, wie J.G. von Dillis und Franz von Kobell, die die Blätter von Korneev kontextualisieren und die Besonderheiten der Grand Tour nach Italien in der Goethezeit veranschaulichen sollen. Dieses Material von hervorragender künstlerischer Qualität wird erstmals wissenschaftlich erschlossen und der Öffentlichkeit in einer Ausstellung präsentiert.

24.09.2021 – 30.01.2022
FORUM 051: Jonathan Danko Kielkowski - Die Ästhetik des Scheiterns
Räumlich eingebunden in die Ausstellung „Grand Tour XXL“ findet das Forum 051 mit Fotografien von Jonathan Danko Kielkowski (geb. 1988) statt. Ähnlich reisefreudig wie Korneev, findet er seine Motive in von Menschenhand geschaffenen Architekturen, die, funktionslos geworden und verlassen, heute als unfreiwillige Denkmäler an die ungezügelte Aneignung von Naturräumen durch den industriellen Fortschritt erinnern. In „Pyramiden", einer entvölkerten sowjetischen Bergbaustadt auf Spitzbergen, steigt er hinab in die eisigen Höhlen ehemaliger Bergwerke, wo er bizarre und morbide Strukturverbindungen von Natur und Technik vorfindet. In Italien beschäftigt sich der Nürnberger Fotograf ebenfalls mit dem Ruinösen. Doch anstatt antike Relikte abzubilden, zieht es Kielkowski nach Genua, wo er sich Zugang zu dem 2012 havarierten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia verschafft. Konstruiert als moderner Tempel der immer mobiler werdenden Vergnügungsgesellschaft wurde sie zum Schauplatz einer Tragödie. Kurz vor dem Abwracken entstanden hier eindrucksvolle, gespenstische Aufnahmen.
Kielkowskis Arbeiten sind keine journalistisch-sachlichen Bilddokumente, sondern Aufnahmen einer Ästhetik des Scheiterns; sie leisten stille Zeugenschaft über die Fallstricke technologischer Errungenschaften und (über)ambitionierter Zukunftsvisionen.

22.10.2021 – 30.01.2022
FORUM 052: Fabian Hesse & Mitra Wakil – Algorithmic Prediction und offene Zukünfte
Das Künstler*innen-Duo Mitra Wakil und Fabian Hesse arbeitet an den Schnittstellen von bildender Kunst, neuen Technologien und demokratischer Selbstermächtigung. Ihr Interesse gilt dabei der kreativen und zugleich der kritischen Auseinandersetzung mit Computertechnik, insbesondere der 3D-Technologie.
Hesse & Wakil spüren Fehler oder Kommunikationsstörungen dieser neuen Technologien auf, um sie bewusst zu unterlaufen und künstlerisch nutzbar zu machen. Sie greifen dabei zum Beispiel auf Datenbanken aus der Biotechnologie zurück: Konkret auf 3D-Scans landwirtschaftlich genutzter Pflanzen wie Hirse, Tabak und Tomatenpflanzen sowie Beikräuter. Hesse & Wakil re-organisieren diese Pflanzenteile mit einem menschlich unterstützten Zufallsprinzip und verbinden einzelne Elemente mithilfe eines selbständig kalkulierenden Algorithmus zu neuen hybriden Gestalten. Diese wirken teils floral, teils körperhaft changierend und verschmelzen ineinander als Blätter, Knollen und Früchte in neue fantastische Hybride. Die entstandenen Datensätze lassen Hesse & Wakil wiederum mit dem 3D-Drucker als abstrakte Skulpturen in Aluminium wachsen und verleihen damit ihren fiktionalen Darstellungen eine neue Körperlichkeit.

19.11.2021 – 20.03.2022
Vertrauliche Distanz. Fotografien von Barbara Niggl Radloff 1958–2010
Nach einer Jugend zwischen den Trümmern des zweiten Weltkrieges entdeckte Barbara Niggl Radloff (1936-2010) Mensch und Geschehen der Nachkriegszeit in München und darüber hinaus mit dem Fotoapparat. Ihre aufstrebende Karriere als Bildjournalistin unterbrach sie bald zugunsten des Familienlebens – die Arbeit nahm sie erst Mitte der 1970er Jahre wieder auf. Hinterlassen hat sie ein beeindruckendes Werk, das bis heute weitestgehend unbekannt geblieben ist.
Schon während ihrer Ausbildung am Münchner „Institut für Bildjournalismus“ druckte die Süddeutsche Zeitung ihre Bilder, woraufhin die Münchner Illustrierte sie 1960 – als damals einzige Frau – als Verlagsfotografin anstellte. In ihrer zweiten Schaffensphase bis zu Ihrem Tod 2010 schuf sie ein Panorama der Künstler*innen und Literat*innen aus aller Welt, die im Künstlerhaus Villa Waldberta in Feldafing zu Gast waren. Ihr Gegenüber – darunter weltberühmte Akteure des Kulturlebens wie Erich Kästner, Hannah Arendt, Carl Zuckmayer, Max Horkheimer oder Emilio Vedova – hielt Barbara Niggl Radloff fest in lebhaften Porträts, welche die Neugier und einfühlsame Art der Fotografin erfahrbar machen.
Der Nachlass der Fotografin gelangte 2018 an das Münchner Stadtmuseum und umfasst über 2.500 Abzüge sowie das Negativ-Archiv der Fotografin mit insgesamt mehr als 50.000 Aufnahmen. Die Ausstellung schöpft aus dem Gesamtwerk der Fotografin und zeigt ihre Bilder im Zusammenhang der „humanistischen Fotografie“ sowie des zeitgenössischen Pressewesens.


Besuchsinformation

Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr
Montags geschlossen

MittwochAbendGeöffnet!
Jeden 2. Mittwoch im Monat sind ausgewählte Ausstellungen des Münchner Stadtmuseums bis 20.00 Uhr geöffnet.

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag - Sonntag 19.00 Uhr
Bei Überlänge andere Uhrzeiten

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U-Bahn Station Sendlinger Tor
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