12. Mai – verlängert bis 14. Januar 2018
Revolutionär und Ministerpräsident – Kurt Eisner (1867-1919)

„Die hundert Tage der Regierung Eisners haben mehr Ideen, mehr Freuden der Vernunft, mehr Belebung der Geister gebracht, als die fünfzig Jahre vorher. Sein Glaube an die Kraft des Gedankens, sich in Wirklichkeit zu verwandeln, ergriff selbst Ungläubige.“
(Heinrich Mann in seiner Gedächtnisrede anlässlich der Trauerfeier für Kurt Eisner im Münchner Odeon am 16. März 1919)

Die Persönlichkeit Kurt Eisners wird auch heute noch von unterschiedlichen Interessengruppen vereinnahmt. Wird er einerseits als Idealist und Utopist abgetan, so loben ihn andere als fortschrittlichen Mann der Tat.

Zum 150. Geburtstag von Kurt Eisner zeigt das Münchner Stadtmuseum eine Ausstellung, die den publizistischen und politischen Werdegang des ersten bayerischen Ministerpräsidenten herausstellt.

Journalist…

Geboren am 14. Mai 1867 in Berlin wuchs Eisner in einer bürgerlich-jüdischen Kaufmannsfamilie auf. An der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin nahm er ein Studium der Philosophie, Geschichts- und Literaturwissenschaft auf, das er jedoch aus finanziellen Gründen aufgeben musste. Daraufhin entschied er sich für eine journalistische Laufbahn. Über ein kurzes Engagement bei der „Frankfurter Zeitung“ gelangte er 1893 nach Marburg, wo er in die Redaktion der „Hessischen Landeszeitung“ eintrat. Daneben verfasste Eisner als freier Journalist zeitkritische Artikel für auch überregional erscheinende Magazine. Hier glossierte er das Ringen bürgerlicher, wirtschaftlicher und politischer Gruppierungen um ihren Anteil an gesicherten Positionen und Einflussmöglichkeiten innerhalb des von der Regierung Kaiser Wilhelm II. dominierten Machtstaates. Das brachte ihm 1898 einen Gefängnisaufenthalt im Berliner Zuchthaus Plötzensee ein.

Fritz Schaefler (1888-1954), Kurt Eisner I, Holzschnitt nach einer Fotografie von Germaine Krull, März 1919 © Münchner Stadtmuseum
Germaine Krull, Kurt Eisner, Fotografie, vor Februar 1918 © Münchner Stadtmuseum
Kurt Eisner, Unterdrücktes aus dem Weltkriege, Georg Müller Verlag, München 1919 © Münchner Stadtmuseum
„Wählt die Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokratie!“ Plakat der USPD zur Reichstagswahl im Januar 1919, © Münchner Stadtmuseum

In den Kreisen der Sozialdemokraten hatte sich Eisner als treffsicher argumentierender Journalist großes Renommee erworben und wurde deshalb von Wilhelm Liebknecht in die Redaktion des sozialdemokratischen Zentralorgans „Vorwärts“ nach Berlin geholt. Zum 1. Dezember 1898 trat Eisner dann selbst in die SPD ein. Allerdings unterschied sich Eisners an Kant geschulte Weltanschauung sowohl von der an Karl Marx orientierten materialistischen Geschichtsauffassung, wie sie von der links-orthodoxen Parteilinie vertreten wurde, als auch vom sogenannten Revisionismus innerhalb des rechten Parteiflügels der SPD.

Der Partei hielt er eine „Politik des demonstrativen Nichtstuns vor“ und verfolgte selbst eine offensivere Streitkultur. Vor dem Hintergrund der sonst in seiner Partei gepflegten Formen politischer Argumentation ließ ihn dies als Redakteur des „Vorwärts“ nicht mehr tragbar erscheinen. Nach seinem Ausscheiden (1905) nahm er einen Posten bei der „Fränkischen Tagespost“ in Nürnberg an.

Als Zielvorgabe seiner journalistischen und propagandistischen Arbeit sah er die Einleitung eines beständigen Prozesses zur „Revolutionierung der Köpfe“ an, ein Bildungskonzept zur Realisierung der sozialen und politischen Emanzipation des Proletariats, das auf die Aufklärung und Selbsterziehung der Massen abzielte und zur revolutionären Tat befähigen sollte.

… und Politiker

Mit dem Weggang aus Berlin trat Eisner verstärkt als Redner in der Öffentlichkeit auf und bewarb sich für ein Mandat für die Reichstagswahl 1912, was er nicht erlangte. Im Jahr 1910 zog Kurt Eisner schließlich nach München, wo er für die „Münchner Post“ tätig war, jedoch nicht als politischer Redakteur, sondern im Bereich des Feuilletons.

Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges befürwortete Eisner zunächst. Nach gründlichen Recherchen änderte er allerdings schnell seine Meinung und kritisierte die Kriegsführung des Deutschen Reiches bereits ab Herbst 1914. Dabei fand er in der SPD keinen Rückhalt, da diese sich dem sogenannten „Burgfrieden“ der Parteien als Stillhalteabkommen mit der Reichsregierung angeschlossen hatte.

Eisner suchte deshalb Kontakt zur Antikriegsopposition innerhalb und außerhalb der SPD. Im April 1917 wurde er Mitglied der neu gegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), die sich für den sofortigen Friedensschluss einsetzte. Es gelang ihm, eine wichtige Protestaktion auf dem Weg zur Revolution zu organisieren: den Januarstreik der Münchner Rüstungsbetriebe 1918. Eisner wurde als einer der Streikführer verhaftet und kam erst kurz vor Ausbruch der Revolution im Oktober 1918 als nominierter Spitzenkandidat der Münchner USPD aus der Untersuchungshaft.

In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 proklamierte Eisner schließlich die Absetzung des Hauses Wittelsbach und die Gründung der Bayerischen Republik. Damit wurde er der erste Ministerpräsident eines Volksstaates Bayern und regierte mit seinem Kabinett in Kooperation mit den in Selbstverwaltung tagenden Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräten.

Kurt Eisner war im Kabinett zur Zusammenarbeit mit der Mehrheitssozial-demokratischen Partei bereit, die dessen politische Ziele jedoch nur sehr bedingt akzeptierte und auf baldige Neuwahlen zum Bayerischen Landtag und zur Nationalversammlung drängte. Gleichzeitig brachte er mit seinen außen- und friedenspolitischen Vorstellungen und Aktivitäten bürgerlich-konservative und politisch stark rechts stehende Gruppierungen gegen sich auf.

Nach einer krachenden Wahlniederlage, bei der seine USPD nicht einmal drei Prozent der Stimmen erreichen konnte, war Eisner am 21. Februar 1919 auf dem Weg zum Bayerischen Landtag, um dort als Ministerpräsident zurückzutreten, als er auf offener Straße vom einem antisemitischen Nationalisten erschossen wurde.