Revolutionär und Ministerpräsident – Kurt Eisner (1867-1919)

Nach dem Abgang aus der Vorwärts-Redaktion entdeckt Kurt Eisner sein Talent für die öffentliche Rede


Er entwickelt es in Ergänzung zu seiner neuen journalistischen Betätigung an der „Fränkischen Tagespost“ in Nürnberg ab März 1907.

Breitenbildung statt Kaderschulung, pädagogisch gegliederte Erläuterung dessen, was ist (und was sein soll) an der Parteibasis, statt schematischer Agitation nach Lesart der Theorie durch Spezialisten, darauf setzt er in Wort und Schrift. So erschließt sich Eisner eine Spur für das kollektive Aufbegehren „im Kampf um die Selbstbefreiung des Proletariats aus den Fesseln politischer und wirtschaftlicher Knechtung“.

Als schärfste Klinge der sozialdemokratischen Taktik gegen die politische Reaktion erweist sich für ihn die „Revolutionierung der Köpfe“ all derer, die nichts besitzen als ihre körperliche und geistige Arbeitskraft. Eisner strebt daher ein Reichstagsmandat an, muss aber die Kandidatur und die Redaktion der Zeitung wieder aufgeben, weil sein Privatleben in die politischen Auseinandersetzungen hineingezogen wird.

Mitte 1910 findet er bei dem SPD-Organ „Münchener Post“ einen neuen Anfang im politischen Klima der Metropole des bayerischen Reformismus. Das berufliche Gleis, das die Genossen ihm einrichten, lautet auf Landtagsberichterstattung und Theaterkritik.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verändert für Kurt Eisner die Lage grundlegend.



Adolf Müller, Freund und Arbeitgeber von Kurt Eisner, stellte sich als Landtagsabgeordneter der bayerischen Sozialdemokraten und Chefredakteur der "Münchener Post" mit Kriegsausbruch 1914 auf die Seite von Staat und Regierung. Da Kurt Eisner nach einer kurzen Phase der Befürwortung des Krieges als notwendiger Maßnahme zur Eindämmung des russischen Zarismus eine kritische Haltung einnahm, verwehrte Müller ihm jede weitere Mitwirkung am politischen Teil der Zeitung. Bis zum Januarstreik 1918 bezog er als freier Mitarbeiter Honorar lediglich aus der Abfassung von Theaterkritiken.

In seinem Gefängnistagebuch von 1918 schrieb Kurt Eisner im Rückblick über Adolf Müller, er sei „durch eine systematische, lang vorbereitete Intrige eines alten Regierungssozialisten“ in seiner frühen Einschätzung der Kriegsursache irregeführt worden.