Revolutionär und Ministerpräsident – Kurt Eisner (1867-1919)

Wer ist Kurt Eisner, dieser vermeintliche Hochverräter?


Kurt Eisner wird am 14. Mai 1867 geboren, „im Centrum asphaltierter Cultur in der Großen Friedrichstraße“ zu Berlin. Im Jahr der Entstehung des Norddeutschen Bundes unter Preußens Führung, zehn Jahre vor dem Bankrott des väterlichen Geschäftes.



Das auf soliden Säulen des bürgerlichen Fleißes und Wirtschaftens ruhende Hoflieferantengeschäft des Vaters von Kurt Eisner geriet nach 1866 in finanzielle Schwierigkeiten. Gegen Ende der 1870er Jahre musste es verkauft werden. Der Vater ließ sich beim Aufkäufer seines eigenen Unternehmens anstellen.


Seine Familie hat keinen Anteil am wirtschaftlichen „Gründungsfieber“, das den durch Reichskanzler Otto von Bismarck über drei Kriege verfolgten Weg zu einem geeinten deutschen Nationalstaat in der Mitte Europas begleitet und im großen Börsenkrach des Jahres 1873 endet.

Aber noch lebt Kurt Eisner als „junger Bourgeois“ in gesicherten Verhältnissen, orientiert sich am bürgerlichen Wertekodex, besucht das Gymnasium und hält – wie seine Verwandten und die meisten Bekannten auch – die von der Regierung politisch unterdrückte, organisierte Arbeiterschaft „für eine Horde wilder Verbrecher“.

Nach einem Attentat auf Kaiser Wilhelm I. stellt er dem Monarchen zu Ehren Kerzenleuchter an die Fenster der elterlichen Wohnung. Es sind vermutlich die gleichen Leuchter, die an jedem Freitagabend zur Feier des Sabbats entzündet werden. Auch hierbei geht es nicht um geprüfte subjektive Überzeugungen, sondern um die Pflege bewährter Traditionen, die Sicherheit vermitteln.

Doch schon zu Zeiten des Gymnasiasten Eisner macht sich der wirtschaftliche Sinkflug seiner Familie bemerkbar. Ein 1886 aufgenommenes Studium der Literaturgeschichte und Philosophie „zwischen Kastanienwäldchen und Opernplatz“ – zwischen Königlicher Bibliothek, Friedrich-Wilhelms-Universität und Akademischer Lesehalle – muss er nach acht Semestern abbrechen.

Die erhoffte Perspektive auf eine Gelehrten-Laufbahn wird ihm damit genommen, ein profaner Kampf ums Dasein aufgezwungen. Doch Kurt Eisner weiß, dass der Ertrag dieser Jahre für seine geistige Entwicklung unumkehrbar ist. Mit einem geweckten Interesse für politische und soziale Fragestellungen öffnet sich sein Blick für Themen, die er bislang nicht zu den seinen gezählt hat.






Die Karikatur auf Otto von Bismarck erschien zu einem Zeitpunkt, als Kaiser Wilhelm II. die von ihm bis 1894 signalisierte Bereitschaft zu innenpolitischen Reformen gegenüber der Arbeiterklasse zurücknahm. Die Darstellung weist auf Mittel und Ziele der vom Reichskanzler zwischen 1866 und 1890 betriebenen Innen- und Außenpolitik hin.




Während der Zeit der politischen Unterdrückung erzielte die sozialdemokratische Partei stetig anwachsende Wahlerfolge für die Reichstagsfraktion. Durch ihre radikale Opposition gegen die Politik der anderen Parteien und den Kanzler Bismarck im Reichstag wurde sie auch attraktiv für Mitglieder bürgerlicher Schichten und Intellektuelle.