29. Juli 2022 bis 8. Januar 2023

München 72. Mode, Menschen und Musik

Das Münchner Stadtmuseum macht sich anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Olympischen Sommerspiele 1972 auf die Suche nach deren Spuren. Unter dem Titel "München 72" und der dazugehörigen Projekt-Website versammeln sich mehrere Ausstellungen und Projekte, zu denen auch die stadtweite Ausstellung "Olympische Spurensuche" gehört.

Für "Mode, Menschen und Musik" bilden persönliche Erinnerungsstücke – angereichert durch die individuellen Geschichten ihrer Leihgeber*innen – einen zentralen Bestandteil der partizipativ angelegten Ausstellung im Münchner Stadtmuseum. Objekte aus den verschiedenen Sammlungen veranschaulichen die Themen Mode und Musik, die das öffentliche Erscheinungsbild der Spiele mitgeprägt und bis weit darüber hinaus gewirkt haben. Durch interaktive und digitale Elemente werden die Olympischen Sommerspiele 1972 in die Gegenwart geholt. Die Erinnerung an den 5. September, als das Attentat auf die israelische Delegation die Welt erschütterte und „nichts mehr war wie zuvor“, scheint in den Beiträgen immer wieder auf. Ein Bereich der Ausstellung bietet den Besucher*innen die Möglichkeit, sich mit diesem dunklen Kapitel der als so heiter geplanten Spiele auseinanderzusetzen.

Um den persönlichen Erinnerungen der Menschen an die Olympischen Spiele Raum zu geben, wurde zu Beginn des Jahres das Erzählcafé "München 72" eingerichtet. Seit Februar fanden sich dort zahlreiche Zeitzeug*innen und Leihgeber*innen ein, um ihre Geschichten und Erinnerungen zu teilen, Erinnerungsstücke zu zeigen und dem Museum teils zu überlassen. Einige dieser Geschichten, Bilder, digitalisierten Super-8-Filme und vieles mehr werden in "Mode, Menschen und Musik" gezeigt. In der Sammlung Online werden sämtliche Erinnerungen auf Dauer präsentiert. Ab Spätsommer ist ein direkter Upload durch die User*innen möglich. Diese digitalen Beteiligungstools sind möglich dank der großzügigen Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von "dive in. Programm für digitale Interaktionen".

Als Schlüsselfigur für die modische Ausstattung des Olympiapersonals gilt der Pariser Modeschöpfer André Courrèges. Er kombinierte die Farbpalette von Otl Aicher mit seinem legeren Safari-Look. Auf diese Weise schuf er einen bewusst entmilitarisierten Bekleidungsstil, der das Personal in gut erkennbare Kategorien einteilte. Der lässige Overall aus der Autowerkstatt war Vorbild für einige Entwürfe der Olympiakleidung. Durch diesen provokanten Unisex-Anzug war erstmals in einem offiziellen Rahmen mit der strikten visuellen Geschlechterzuordnung gebrochen worden. Die Hostessen erschienen hingegen im hellblau-weißen Dirndl, das einen Kompromiss zwischen Tradition und Moderne darstellte und laut Otl Aicher die Farben der oberbayerischen Landschaft spiegelte. Ergänzend zur Olympia-Kollektion zeigt die Ausstellung auch Haute Couture-Modelle von Courrèges, der mit seinen avantgardistischen Kreationen und seinen strengen geometrischen Mustern unkonventionelle Mode fern vom Mainstream schuf.

Hinter dem Sammelbegriff Musik verbirgt sich das kaum zu überschätzende kulturelle Begleitprogramm der Sommerspiele inklusive der Eröffnungs- und Schlussfeierlichkeiten. Der innovative, demokratisch-partizipative Ansatz der Spiele wurde auch hier umgesetzt. Die vom Architekten Werner Ruhnau konzipierte "Spielstraße" am Olympiasee sprach mit ihrer radikaldemokratischen Idee von Kunst und Öffentlichkeit ein riesiges Publikum an und spielt ebenso wie die Neue Musik eine große Rolle. So schuf der argentinisch-deutsche Komponist Mauricio Kagel im Auftrag der Kulturkommission der Olympischen Spiele das Stück "Exotica zehn außereuropäische Instrumente". Für die Uraufführung im Haus der Kunst wurden – aus heutiger Sicht äußerst ungewöhnlich – Instrumente aus dem Bestand des Münchner Stadtmuseums entliehen. Beteiligt waren rund sechzig Schlag-, Blas- und Saiteninstrumente. Für die Spielstraße entwarf der schwedisch-deutsche Puppentheatermacher Michael Meschke (Marionetteatern Stockholm) ein Kasperstück zum Thema „Olympia Stockholm 1912“. Meschke thematisierte offen Antisemitismus und Kolonialismus, die Kasperfigur nahm die Könige und Kaiser in gewohnt anarchistischer Manier aufs Korn.

Die Ausstellung zeigt neben den breit gefächerten Leihgaben aus dem Erzählcafé "München 72" zahlreiche Objekte aus der Sammlung Mode, 30 Instrumente und teils unveröffentlichtes Bildmaterial aus dem Musik- und Kulturprogramm der olympischen Spiele. Hörstationen u.a. mit dem längsten Medley der Musikgeschichte lassen die Musik wieder lebendig werden.


Besuchsinformation

Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr
Montags geschlossen

MittwochAbendGeöffnet!
Jeden 2. Mittwoch im Monat sind ausgewählte Ausstellungen des Münchner Stadtmuseums bis 20.00 Uhr geöffnet.

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag - Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag - Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 17.00 Uhr

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

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U-Bahn Station Sendlinger Tor
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