13. November 2020 – 5. April 2021

MUC / Schmuck. Perspektiven auf eine Münchner Privatsammlung

    Ausstellung des Münchner Stadtmuseums in Kooperation mit der Klasse Prof. Karen Pontoppidan, Akademie der Bildenden Künste München

    Die Goldschmiedekunst spielt in München seit Ende des 19. Jahrhunderts eine zunehmend bedeutende Rolle. Bis heute leben und arbeiten hier überdurchschnittlich viele Goldschmied*innen und Schmuckkünstler*innen. Die international bekannte Klasse für Schmuck und Gerät der Akademie der Bildenden Künste leistet dazu einen entscheidenden Beitrag. Das Münchner Stadtmuseum nimmt den Erwerb einer Sammlung Münchner Schmuck, deren zeitlicher Schwerpunkt von den 1880er Jahren bis in die 1930er Jahre reicht, zum Anlass, gemeinsam mit den Student*innen der Akademie der Bildenden Künste und ihrer Professorin Karen Pontoppidan eine Ausstellung zu konzipieren, die sowohl über die historischen Arbeiten und ihren Hintergrund informiert, als auch Studium, Herangehensweisen und Werke angehender Schmuckkünstler*innen von heute vorstellt. Der Ankauf der Sammlung Münchner Schmuck, die über mehrere Jahrzehnte mit großer Kennerschaft von Frau Dr. Beate Dry-von Zezschwitz zusammengetragen worden ist und eine entscheidende Lücke im Bestand des Münchner Stadtmuseums füllt, wurde von der Kulturstiftung der Länder gefördert.

    Im Dialog zwischen dem Münchner Stadtmuseum und der Klasse Pontoppidan wurden sieben Themen festgelegt, die für die historische Sammlung relevant sind und von den Student*innen aus zeitgenössischer Perspektive beleuchtet werden. Ein Themenfeld befasst sich mit historischen Rückgriffen. Die Münchner Schmuckkunst des 19. Jahrhunderts war geprägt von der Rezeption und dem Wiederaufgreifen historischer Stile und Techniken. Theodor Schallmayer (geb. 1861) etwa entwarf Schmuckstücke im Stil der Renaissance und des Rokoko. Auch nach der Jahrhundertwende wurde die Beschäftigung mit historischen Stilen und Techniken fortgesetzt. Goldschmiede wie Adolf von Mayrhofer (1864 Miesbach – 1929 München) und Max Strobl (1861 München – 1946 ebenda) befassten sich in ihren ab 1907 entstandenen Arbeiten bevorzugt mit vor- und frühgeschichtlichen Formen und Ornamenten wie dem bronzezeitlichen Spiralmotiv. In der ersten Hälfte der 1920er Jahre griff Johann Michael Wilm (1885 Dorfen – 1963 München) erfolgreich die in etruskischer Zeit perfektionierte Technik der Granulation wieder auf. Künstler wie Martin Seitz (1895 Passau – 1988 Passau) und Friedrich Schmid-(Geiler) (geb. 1889 München) belebten – ebenfalls ab den 1920er Jahren – die historische Technik des Steinschnitts neu. In welcher Form setzen sich die Student*innen der Akademie der Bildenden Künste heute mit historischen Stilen und Techniken auseinander? In Arbeiten, die für die Ausstellung neu entstanden, reagieren die Student*innen auf die historischen Stücke und deren soziale und kulturelle Hintergründe.

    Ein anderes Ausstellungsmodul ist dem Thema Flora und Fauna gewidmet. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verwendeten Münchner Schmuckkünstler*innen verstärkt von der Natur inspirierte Motive. An den 1902 in München gegründeten Lehr- und Versuch-Ateliers für angewandte und freie Kunst („Debschitz-Schule“) erfolgte im Erkennen von in der Natur wirksamen, aber eigentlich unsichtbaren Kräften und deren künstlerischer Übertragung auf kunsthandwerkliche Gegenstände gar der Schritt in Richtung Abstraktion, wie es eine Gürtelschließe von Marie von Ortloff (1871 Themar – 1947 München) veranschaulicht. In den zeitgenössischen Arbeiten der Student*innen wird ein nochmal erweiterter Naturbegriff künstlerisch reflektiert. Durch die Verwendung von Naturmaterialien beleuchten die Student*innen deren Bedeutung innerhalb verschiedener Kulturen, sie thematisieren durch die Imitation von Naturmaterialien gesellschaftsrelevante Fragen und diskutieren durch das Einbeziehen künstlicher Materialien, wie etwa Ozeanplastik, unser heutiges Verhältnis zur Natur.

    Die weiteren Ausstellungsmodule befassen sich mit zeitgenössischen Strömungen, außereuropäischen Einflüssen, Anlässen/Ereignissen, München und dem Thema Gesichter/Porträts. Ein besonderer Stellenwert kommt in der historischen Sammlung den Arbeiten von Karl Rothmüller (1860 Teisbach – 1930 München) zu, der den Auftakt der Ausstellung bildet. Rothmüller wurde nicht nur als „Münchener Lalique“ bekannt, sondern bewog auch Therese Danner dazu, 1920 die deutschlandweit einzigartige Benno und Therese Danner‘sche Kunstgewerbestiftung (Danner-Stiftung) zu gründen, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt auch die Neue Sammlung in der Ausstellung „Danner-Preis 2020. 100 Jahre Danner-Stiftung“ in der Pinakothek der Moderne noch bis 17.01.2021 Werke von Karl Rothmüller neben den Arbeiten der diesjährigen Gewinner*innen des Danner-Preises und denen einiger Wettbewerbsteilnehmer*innen.

    In der Ausstellung werden insgesamt knapp 100 historische Schmuckstücke mit etwa 50 zeitgenössischen Arbeiten der Klasse Prof. Karen Pontoppidan in Dialog gesetzt.

    Schmuckkünstler*innen

    Sammlung Dry-von Zezschwitz (Auswahl)

    Karl Johann Bauer (1877 München – 1914 Wytschaete/Flandern)
    Ludwig Bub (1896 Nürnberg – 1954 Idar-Oberstein)
    Sofie Burger-Hartmann (1868 München – 1940 ebenda)
    Theodor Heiden (1853 München – 1928 ebenda)
    Charlotte Krause (1879 Pirna – 1968 Dresden)
    Adolf von Mayrhofer (1864 Miesbach – 1929 München)
    Max Olofs (1889 München – 1969 ebenda)
    Marie von Ortloff (1871 Themar – 1947 München)
    Hans Ottmann (1890 Augsburg – 1968 München)
    Karl Rothmüller (1860 Teisbach – 1930 München)
    Friedrich Schmid(-Geiler) (geb. 1889 München)
    Gertraud von Schnellenbühel (1878 Jena – 1959 ebenda)
    Alwin Schreiber (1876 Bautzen – 1959 Unterhaching)
    Martin Seitz (1895 Passau – 1988 ebenda)
    Max Strobl (1861 München – 1946 ebenda)
    Nikolaus Thallmayr (1875 Vilsbiburg – 1925 München)
    Franz (1897 Dorfen – 1961 ebenda) und Hermann Wandinger (1897 Dorfen – 1976 ebenda)
    Gold- und Silberschmiedewerkstätte Carl Weishaupt (gegr. 1692)
    Johann Michael Wilm (1885 Dorfen – 1963 München)

     

    Klasse Pontoppidan

    Paul Adie (1984 Glasgow, Schottland)
    Marion Blume (1983 München, Deutschland)
    Yi Cao (1991 Jiangsu, China)
    Danni Chen (1987 Jinan, China)
    Isu Choi (1987 Seoul, Südkorea)
    Kanako Ebisawa (1986 Akita, Japan)
    Patrik Graf (1986 Seoul, Südkorea)
    Jiangyue Guo (1989 Harbin, China)
    Joohee Han (1986 Ulsan, Südkorea)
    Arisa Inoue (1988 Ryogo, Japan)
    Mariko Kakinaga (1994 Chiba, Japan)
    Saika Matsuda (1986 Tokyo, Japan)
    Florian Meier (1991 München, Deutschland)

    Maria Eugenia Munoz (1975 Montevideo, Uruguay)
    Masayuki Nagata (1986 Chiba, Japan)
    Xianou Michelle Ni (1972 Wenzhou, China)
    Nora Reitelshöfer (1993 Fürth, Deutschland)
    Regina Rupp (1992 Isny, Deutschland)
    Daniella Saraya (1988 Tel Aviv, Israel)
    Juana Sierra (1979 Bogota, Kolumbien)
    Nelly Stein (1986 Weimar, Deutschland)
    Asako Takahashi (1986 Matsue, Japan)
    Suvi Tupola (1986 Kangasala, Finnland)
    Yan Ren (1977 Shanghai, China)
    Sarah Powell (1984 Dorset, England)
    Jiye Yun (1988 Chuncheon, Südkorea)


    Besucherinformation

    Öffnungszeiten

    Das Münchner Stadtmuseum und das Filmmuseum München sind voraussichtlich bis einschließlich Montag, den 21. Dezember 2020, vorübergehend geschlossen.

    Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr
    Montags geschlossen

    MittwochAbendGeöffnet!
    Jeden 2. Mittwoch im Monat sind ausgewählte Ausstellungen des Münchner Stadtmuseums bis 20.00 Uhr geöffnet.

    Filmmuseum – Vorstellungen
    Dienstag - Sonntag 20.00 Uhr
    Bei Überlänge andere Uhrzeiten

    Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

    S/U-Bahn Station Marienplatz
    U-Bahn Station Sendlinger Tor
    Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz

    Kontakt

    St.-Jakobs-Platz 1
    80331 München
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