23. Oktober 2021 – 20. März 2022

FORUM 052: Fabian Hesse & Mitra Wakil: Crop. Algorithmic Rendering und offene Zukünfte

Das Münchner Stadtmuseum zeigt erstmals Arbeiten des Künstler*innen-Duos Mitra Wakil und Fabian Hesse. Gemeinsam arbeiten sie an den Schnittstellen von bildender Kunst und neuen Technologien. Ausgehend von Datenbanken erschaffen sie digitale Visualiserungen, die sie in einem nächsten Schritt mit einem 3D-Drucker in reale Objekte verwandeln. Die Ausstellung zeigt sowohl die silbernen anthropomorphen Skulpturen aus Biokunststoff als auch die farbigen Renderings des Entstehungsprozesses.

In den letzten Jahren hat sich der Begriff "Post-Photography" etabliert, der digitale, virtuelle und hybride Formen des fotografischen Bildes der Gegenwart versammelt. Jüngste Softwareentwicklungen erlauben es, aus fotografischen Daten dreidimensionale Modelle zu generieren und verändern das Verhältnis von Bild und Wirklichkeit. In diesem Spannungsfeld von Fotografie, Software, Skulptur und Big Data ist die künstlerische Praxis von Hesse & Wakil zu verorten. Die Ausstellung lädt dazu ein, in die künstlerischen Gestaltungsräume eines technologischen und datenbasierten Skulpturbegriffs einzutauchen.

Der Ausstellungstitel "Crop", was zu Deutsch "Ernte" oder auch "zuschneiden" bedeutet, bezieht sich sowohl auf die Thematik als auch den Herstellungsprozess der Objekte: Das Duo verwendet 3D-Scans von landwirtschaftlich genutzten Pflanzen wie Tabak oder Hirse, reorganisiert diese Daten und verbindet einzelne Elemente mithilfe von Algorithmen und digitaler Modellierung zu neuen virtuellen Gestalten. So entstehen phantastische Pflanzenwelten, die teils floral, teils menschenähnlich wirken. Ihre Blätter, Knollen und Früchte verschmelzen zu überraschenden Hybriden. Durch 3D-Druck überführen Hesse und Wakil diese abstrakten Daten in haptische Objekte. Sie zeigen in Crop, welche Möglichkeiten Datenbanken für künstlerische Verwertung bieten.

Das Duo arbeitet in seinem jüngsten Projekt für das Forum 052 mit Datenbanken aus der Biotechnologie. Diese Datensammlungen untersuchen das pflanzliche Wachstumsverhalten unter verschiedenen klimatischen Bedingungen. In Hinblick auf die Umweltkrise scheint es notwendig, Nutzpflanzen durch Biotechnologie an neue Umstände anpassen zu können. Hesse und Wakil machen mit ihren hybriden Gestalten jedoch auf eine schwerwiegende Problematik aufmerksam: So hilfreich Big Data und Gentechnik sein mögen, um der Klimakatastrophe zu begegnen – in den unzähligen Möglichkeiten verbergen sich auch ebenso viele Risiken. Denn die Auswirkungen auf die Natur sind nicht vorhersehbar. Die Arbeiten von Hesse und Wakil rufen Zweifel an einer menschengemachten und -optimierten Natur hervor. Gleichzeitig schöpfen sie aus den Potenzialen einer daten- und technologiebasierten Botanik. Die daraus entstandenen 3D-Objekte entziehen sich eindeutiger Zuordnungen wie natürlich und künstlich.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Modelle aus dem Entstehungsprozess der zweiteiligen Skulpturengruppe "Westpark Clouds" (2017). In der Auftragsarbeit wurden in einem partizipativen Prozess Bewohner*innen des Münchner Viertels Westpark eingeladen, Teil einer Gemeinschafts-Skulptur zu werden. Dafür wurden sie in selbst gewählten Posen per 3D-Scan digitalisiert und erhielten ein kleines 3D-Portrait in Form einer Büste. Ausgewählte Daten verwendeten die Künstler*innen anschließend, um eine lebensgroße zweiteilige Skulptur aus Aluminium herzustellen: Collageartig zusammengeführte Einzelporträts, im Modellierungsprozess überlagert, skaliert und verzerrt, verleihen ihr eine Anschauung, die realistische und abstrakte Elemente verknüpft.

Zum Auftaktbesuch am 22. Oktober werden die Künstler*innen und Kurator*innen zwischen 14 und 18 Uhr in der Ausstellung anwesend sein.

Kurator*innen der Kabinettausstellung
Rudolf Scheutle, Sammlung Fotografie und Nadine Isabelle Henrich, Stipendiatin Museumskuratoren für Fotografie, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Essen


Besuchsinformation

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Filmmuseum – Vorstellungen
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