8. Dezember 2017 – 4. Februar 2018
FORUM 044: Jenny Schäfer – Liste: Neues Wasser

FORUM 044, das Ausstellungsformat für junge Fotografie des Münchner Stadtmuseums, präsentiert die Arbeit „Liste: Neues Wasser“ von Jenny Schäfer, eine künstlerische Recherche über die Ambivalenz des Elements Wasser. Wie wird Wasser wahr genommen? Wie wird Wasser vermarktet? Welche Träume suggeriert das Element? Über den Zeitraum von zwei Jahren hat sich Jenny Schäfer intensiv mit dem Phänomen Wasser beschäftigt. Entstanden sind dabei Fotografien, Zeichnungen und Objekte, die den Zusammenhang zwischen einer Ästhetik des Wassers im kapitalistischen System und der ihm inhärenten Romantik, Kraft und Faszination thematisieren.

Dabei löst die Künstlerin ihre fotografischen Motive aus ihrem ursprünglichen narrativen Kontext, um sie in einem von ihr definiertem Feld neu zu arrangieren. Diese Arbeitsweise entspringt unter anderem der Feststellung, dass Wasser in der Regel nicht frei „herumschweben“ kann, wie es etwa auf Etiketten von Flaschen oder in Werbeanzeigen oft dargestellt wird. Dort „schwebt“ das Wasser nicht selten als einzelner Tropfen, Welle oder sprudelnde Blasen im Bildhintergrund und mutiert zum Bedeutungsträger von Frische und Gesundheit. Die Bildmontagen von Jenny Schäfer übersteigern diese „Verlorenheit“.

Jenny Schäfer, aus „Liste: Neues Wasser“, 2017, Fotografie © Jenny Schäfer
Jenny Schäfer, aus „Liste: Neues Wasser“, 2017, Fotografie © Jenny Schäfer
Jenny Schäfer, aus „Liste: Neues Wasser“ im Schlafzimmer Sandrock, Hamburg, Installationsaufnahme © Tim Bruening
Jenny Schäfer, aus „Liste: Neues Wasser“, 2017, Zeichnung © Jenny Schäfer

Mit ihrer Vorgehensweise untersucht Jenny Schäfer eine Methode aus der industriellen Bildbearbeitung und -verwertung für ihre eigene künstlerische Auseinandersetzung. Besonders relevant findet sie dabei einen Gedanken der Hamburger Künstlerin Silke Grossmann, die 1993 in einem Interview sagte: “Die Wahrnehmung schließt natürlich den Raum hinter deinem Rücken mit ein und um deinen Körper herum. Deswegen ist es für mich spannend, den Bildraum nicht als einen hermetisch geschlossenen Guckkasten aufzufassen, sondern den Kameraausschnitt als einen Schnitt durch den dreidimensionalen Raum, der aber verbunden ist, durchflossen ist von dem, was um ihn herum ist.“

Biografie

Jenny Schäfer, geboren 1985, lebt in Hamburg. Sie studierte freie Kunst an der HfbK Hamburg, wo sie ihren Master 2015 absolvierte. Im Fokus ihrer künstlerischen Arbeit stehen Materialien und Darstellungsweisen unserer Alltagsästhetik. Jenny Schäfer publiziert Künstlerbücher, die national und international ausgestellt werden. Zuletzt erschienen die Bücher „Mystery Hystery“ im Textem Verlag (2016) sowie „I can’t relax“ mit dem Institut für moderne Kunst Nürnberg im SuKuLTuR Verlag.

Ausstellungen (Auswahl)

This is no Science Fiction, Einzelausstellung, Institut f. Moderne Kunst, zumikon, Nürnberg (2017)
Künstlerbücher für Alles, Gruppenausstellung, Zentrum f. Künstlerpublikationen, Bremen (2017)
The Photobook Exhibition, Gruppenausstellung, Benaki Museum, Athen (2017)
Die glückliche Lücke, Gruppenausstellung, FRISE, Hamburg (2017)
Über Bücher und Fotografie, Gruppenausstellung, Dortmunder U/UZWEI, Dortmund (2016)
Tretet ein, auch hier sind Götter, artist talk, Haus der Photographie, Hamburg (2016)
Pragmatische Steinforschung, Symposium 'Steinformen', Warburg-Haus, Hamburg (2016)
emerging artists, mit Natalia Sidor + Robert Vellekoop, AAF, Hamburg (2015)
DELTA 15, Gruppenausstellung, Wasserwerk am Falkensteiner Ufer, Hamburg (2015)
Survivors, Gruppenausstellung mit Nikita Kadan, Heiko Wommelsdorf und Michaela Schweighöfer, PLAN-Raum für Kunst, Hamburg (2015).

Künstlergespräch
Freitag, 8. Dezember, 15.00 Uhr
Jenny Schäfer spricht mit Erec Gellautz über ihre Arbeit