25. Oktober 2019 – 26. Januar 2020
Bin NICHT im Orkus ‒ Das Buch

Comic-Collagen von Francesca Bettini und Gyula Molnár

Gyula Molnár und Francesca Bettini gehören zu den bekanntesten Vertreter*innen des europäischen Objekttheaters. 2009 erschufen sie für das Münchner Stadtmuseum die Ausstellungsinstallation „Bin im Orkus. Ein Tagebuch aus Matsch“ als Inszenierungstagebuch zum Stück „Kasperls Wurzeln“. Nach der Dernière des Theaterstücks erwarb die Sammlung Puppentheater / Schaustellerei Figuren und Bühne.

Den Übergang aus der theatralen in die museale Welt haben Molnár und Bettini nun in einem Comic in Szene gesetzt, der im Oktober 2019 im Verlag Theater der Zeit erscheint: Eine Reflexion über die Vergänglichkeit, über die Augenblickskunst Theater, über das, was dem Vergessen anheimfällt und über das, was bleibt. Die Kabinettausstellung präsentiert die farbenprächtigen Collagen, die dem Buch zugrunde liegen und zeigt die Bühnenvorhänge und Figuren aus „Kasperls Wurzeln“.

Ausschnitt aus dem Comic „Bin nicht im Orkus“, 2019 © Münchner Stadtmuseum
(02) Ausschnitt aus dem Comic „Bin nicht im Orkus“, 2019 © Münchner Stadtmuseum
Figuren aus dem Theaterstück „Kasperls Wurzeln“ von Molnár & Bettini und Kaufmann & Co, 2009 © Münchner Stadtmuseum

Gyula Molnár (geb. 1950 in Budapest) ist Theater-Autor, Schau­spieler, Regisseur, Bühnenbildner und Zeichner. Sein Objekt­theaterklassiker „Drei kleine Selbstmorde“ (1984) mach­te ihn in ganz Europa bekannt. In Deutschland prägte er mit zahlreichen Workshops und Regiearbeiten die Figuren­theaterszene.

Francesca Bettini (geb. 1954 in Venedig) arbeitet als Autorin, Regisseu­rin, Schauspielerin und bildende Künstlerin mit vielen europä­ischen Ensembles. 

Vorgeschichte

Kasperls Wurzeln, (2009)
Theaterstück von Molnár & Bettini und Kaufmann & Co. Zum Inhalt des Stückes: Bei der Auflösung der Wohnung seiner verstorbenen Tante entdeckte Gyula Molnár in altes Zeitungspapier eingewickelte Kasperlpuppen. Sie waren verschimmelt und von Motten und Holzwürmern zerfressen, zerfielen in seinen Händen zu Staub. Nur wenige von ihnen konnten gerettet werden. Kasperl war nicht darunter, weder unter den Geretteten noch unter den Zerfallenen. In der Inszenierung „Kasperls Wurzeln“ steigt Molnár hinab in die Unterwelt, wo Kasperl auf der Suche nach der Großmutter verschwunden ist.

Zum Bühnenbild: Eine gestalterische Besonderheit des Stückes ist, dass das kleine Kaspertheater, das "Theaterchen", komplett drehbar war, sogar tanzen konnte. Jede Seite des kleinen Theaterkastens zeigte ein Bühnenbild. Drei der collagierten Bühnenvorhänge werden nun ausgestellt: "Eingang zum Orkus", "Fluß Lethe" und "der tiefste Orkus".

Bin im Orkus. Ein Tagebuch aus Matsch
Im Jahr 2009 gestalteten Künstler aus Italien, Frankreich, Österreich und Deutschland unter Leitung von Gyula Molnár und Francesca Bettini die Ausstellungsinstallation „Bin im Orkus. Ein Tagebuch aus Matsch“ für die Sammlung Puppentheater / Schaustellerei des Münchner Stadtmuseums.

Zum Raumkonzept: „Der Raum ist eine Werkstatt, in der einige Kreaturen das Licht der Welt erblicken und mit ihren ersten Schritten einer möglichen Geschichte entgegen gehen. Die Wände sind die Seiten eines Tagebuches, aus denen man die Entwicklung eines Theaterstückes lesen kann.“

Bin im Orkus ‒ Der Film, (2011)
Nach Ablauf der Ausstellung brachte es die Sammlungsleitung nicht über das Herz, das Tagebuch aus Matsch kaltblütig im Orkus der Münchner Abfallwirtschaft verschwinden zu lassen und bat Gyula Molnár und Francesca Bettini, die Installation als Material und Kulisse für eine zweite, filmische Spur ihrer theatralen Denkweise zu nutzen.

Kuratorin der Kabinettausstellung: Mascha Erbelding