Theodoros Boulgarides, 1964-2005
Theodoros Boulgarides, 1964-2005

Gedenken an einen ermordeten Münchner

16. Juni – Oktober 2015

Seit 16. Juni 2015 ist im Foyer des Münchner Stadtmuseums eine Installation zum Gedenken an Theodoros Boulgarides zu sehen. Die beiden Münchner Habil Kılıç (ermordet am 29. August 2001) und Theodoros Boulgarides (ermordet am 15. Juni 2005) zählen zu den ermordeten Personen des „Nationalsozialistischer Untergrunds“ (NSU), der für eine bundesweite Mord- und Anschlagsserie zwischen 2000 und 2006 verantwortlich ist. Seit 2013 findet am Oberlandesgericht München das juristische Verfahren gegen ein Mitglied und Verbündete des NSU statt. München ist daher ein Ort der vielschichtigen Erinnerungen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem NSU-Komplex.

Zum 10. Todestag von Theodoros Boulgarides haben seine Angehörigen dem Münchner Stadtmuseum eine Leihgabe übergeben: eine pontische Lyra (dreisaitiges Streichinstrument). Theodoros Boulgarides nutzte sie zur Dekoration in seinem Schlüsselladen im Münchner Westend, in dem er zwei Wochen nach der Geschäftseröffnung ermordet wurde. Das Instrument ist eines der wenigen verbliebenen familiären Erinnerungsstücke an ihn. Auf den erschütternden Mord folgten rassistisch diskriminierende Ermittlungen, Berichterstattungen und Anschuldigungen, deren Folgen gravierende Auswirkungen für seine Angehörigen, Freundinnen und Freunde bis heute haben.

Pontische Lyra (dreisaitiges Streichinstrument) von Theodoros Boulgarides (1964-2005), © Münchner Stadtmuseum, 2015
Gedenkstation zur Erinnerung an Theodoros Boulgarides, Foyer des Münchner Stadtmuseums. © Münchner Stadtmuseum, 2015
Pontische Lyra (dreisaitiges Streichinstrument) von Theodoros Boulgarides (1964-2005), © Münchner Stadtmuseum, 2015

 

In der Installation des Münchner Stadtmuseums wird die Lyra zum Ausgangspunkt, um ein Zeichen der vielschichtigen Erinnerung zu setzen, die Teil der Münchner Stadtgeschichte ist. Im Foyer ist in Abstimmung mit den Angehörigen des Ermordeten ein öffentlicher Ort der Reflexion und des Gedenkens entstanden. Das Münchner Stadtmuseum lädt ein, sich mit diesem Aspekt der Stadtgeschichte zu beschäftigen.

Ab November 2015 wird die pontische Lyra von Theodoros Boulgarides in der Dauerausstellung „Typisch München!“ des Münchner Stadtmuseums in einem neuen Ausstellungsmodul zur Migrationsgeschichte ausgestellt, das gemeinsam vom Münchner Stadtmuseum und Stadtarchiv München im Rahmen des Projekts „Migration bewegt die Stadt“ gestaltet wird. Im Mittelpunkt wird eine Auseinandersetzung mit der Einwanderungsstadt München und ihren vielschichtigen Erinnerungen stehen. Migration ist Stadt und damit ein eng verwobener Bestandteil der Gesellschaft.