13. März – 31. Mai 2015
FORUM 035: Göran Gnaudschun – Alexanderplatz

Der in Potsdam lebende Fotograf Göran Gnaudschun (*1971) fotografiert seit 2010 am Berliner Alexanderplatz die Szene von jungen Ausreißern, Gestrandeten, Wohnungslosen, Punks und Selbstdarstellern. Es gibt Erfahrungen mit längeren Gefängnisaufenthalten, Drogen und viel Alkohol. Diese Menschen passen in die Raster der normalen Gesellschaft nicht hinein: weder in die der Arbeitswelt und oft auch nicht in die der sozialen Fürsorge. Kaum einer ist in Berlin aufgewachsen, viele wollten aus der Provinz fliehen, möglichst weit weg: neu sein, anonym sein, die weite Welt ohne einen Cent in der Tasche erleben.

Einige treiben sich immer für mehrere Monate in anderen Großstädten Deutschlands herum, andere wollten noch weiter, aber sitzen schon seit Jahren auf dem „Alex“.

Kinder werden schnell erwachsen und Erwachsene werden schnell alt. Gnaudschun portraitiert die Menschen dort, immer darauf bedacht, eine Form von fast verschüttet geglaubter Würde und von Intensität ans Licht zu bringen. Er fotografiert Situationen, in denen sich Symbolhaftes zeigt, er führt Interviews über die Lebenswege der Protagonisten und schreibt selbst Texte über die Sicht des Fotografen auf das vielschichtige Phänomen „Alexanderplatz“.

Clara, aus der Serie „Alexanderplatz“,  © Göran Gnaudschun

„In meinen Portraits geht es um die Wiedererlangung von Würde. Ich möchte in den Bildern etwas freilegen, was man oft verschüttet glaubt: innere Integrität, Selbstbewusstheit und auch Schönheit. Schönheit dort, wo man sie kaum erwartet. Der Alexanderplatz ist nicht nur ein Ort, er ist ein Zustand, der sich dem Vorübergehenden nicht so leicht offenbart. Dass sich hinter den Gesichtern einzelne Schicksale verbergen, nehmen die Passanten oft nicht wahr, weil man dem, der einen um Kleingeld anschnorrt, nicht ins Gesicht sieht.“

Biografie

Göran Gnaudschun studierte 1994-2000 Künstlerische Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Timm Rautert. 2001-2003 absolvierte er bei Rautert auch ein Aufbaustudium. Seit 2004 ist Göran Gnaudschun an unterschiedlichen Hochschulen Deutschlands als Dozent für Fotografie tätig gewesen, seit 2014 lehrt er an der Fachhochschule Potsdam. Göran Gnaudschuns fotografische Arbeit „Alexanderplatz“ wurde unter anderem bereits in Dresden, Köln und Berlin gezeigt. Mit der Einzelausstellung im Münchner Stadtmuseum ist die Serie erstmals im süddeutschen Raum zu sehen.

2014 erschien im Verlag Fotohof edition, Salzburg, die Monografie „Alexanderplatz“, die während der Laufzeit der Ausstellung an der Museumskasse erhältlich ist.