13. Juni – 24. August 2014
FORUM 032: Jens Schwarz – Beirut Eight Thirteen

Den Auftakt der diesjährigen Kabinettausstellungen der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums bildet die Präsentation des Fotografen Jens Schwarz. Der Münchner Künstler zeigt eine Auswahl seines Langzeitprojekts „Beirut Eight Thirteen“ – eine umfangreiche fotografische Arbeit, die er im Jahr 2008 begann und seitdem kontinuierlich erweitert.

Drohender Bürgerkrieg, politische Morde, Dauerkonflikte mit den Nachbarländern. Das Leben in Beirut kennt nur eine Gewissheit: Alles kann im nächsten Moment schon wieder ganz anders sein. Jens Schwarz zeigt Bilder aus einer Stadt, für die Instabilität der Normalzustand ist. Diese kollektive Unsicherheit macht er zum Thema. Seine Bilder handeln von Sehnsucht und Leidenschaft, von Hoffnung und Verzweiflung, von Schönheit und Gewalt – und von der Suche nach Identität. Die Menschen, die er begleitete, verkörpern diese Gegensätzlichkeiten – jeder auf seine individuelle Art. Schwarz ist in den vergangenen Jahren immer wieder in den Libanon gereist. Er traf junge Libanesen, die den Bürgerkrieg selbst nicht mehr erlebt haben. Eben jene Generation, die 2005 nach dem Mord am damaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri auf die Straße ging und heute den Großteil der Protestbewegung „Anti-Sectarian-Movement“ ausmacht, die den festgeschriebenen konfessionellen Proporz bei der Regierungsbildung beseitigen will. Schwarz knüpfte Kontakte, lernte politische Aktivisten, Künstler und Theatermacher kennen und traf Bewohner der palästinensischen Flüchtlingslager. Manche Protagonisten begleitete er wochenlang. 2009 reiste er anlässlich der Wahlen in das Land – die zur Überraschung aller weitgehend friedlich und fair verliefen – und fotografierte Wahlbeobachter bei ihrer Arbeit. Mit jedem weiteren Besuch öffneten sich neue Türen. Einzelne Protagonisten suchte er über Jahre immer wieder auf, begleitete ihren Alltag und porträtierte sie. „Es war mir wichtig, den Menschen nahe zu kommen“, so Schwarz. „Durch das Teilen persönlicher Erlebnisse können die Bilder immer auch zu einem Spiegel subjektiver Erfahrung werden.“

Im Rahmen seiner Präsentation im Münchner Stadtmuseum werden sowohl ältere als auch gänzlich neue, bisher nicht ausgestellte Aufnahmen zu sehen sein. Eine erweiterte Auswahl von „Beirut Eight Thirteen“ zeigt Schwarz in der zur Ausstellung erscheinenden gleichnamigen Publikation, die an der Museumskasse erhältlich ist.

Das Langzeit-Projekt wurde 2009 durch eine Förderung der deutschen VG Bild-Kunst unterstützt und war im selben Jahr für den Förderpreis Fotografie der Landeshauptstadt München nominiert. 2012 war eine Portfolio-Präsentation des Projekts im Schweizer Kulturmagazin ›DU‹ für den Henri Nannen-Preis nominiert.

Biografie
1968 in der Nähe von Berlin geboren, studierte Jens Schwarz Kunstgeschichte zunächst, 1990-91, an der Université Paris IV Sorbonne und anschließend, 1991-94, an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. In den Jahren 1994-97 studierte Schwarz Fotografie an der Staatlichen Fachakademie für Fotodesign, München. Seit 1997 ist er als freischaffender Fotograf tätig. Mit seiner fotografischen Tätigkeit konzentriert sich Jens Schwarz vorwiegend auf Porträt- und Reportagefotografie, für die er weltweit unterwegs ist und die thematisch sowohl gesellschaftspoli­tische, soziale als auch kulturelle Inhalte umkreist.