16. Oktober 2013 – 1. Dezember 2013
FotoDoks: STRANGER WORLD

Eine Ausstellung im Rahmen des FotoDoks-Festivals für aktuelle Dokumentarfotografie in München

Bereits zum dritten Mal ist FotoDoks, eines der wichtigsten Festivals für aktuelle Dokumentarfotografie im deutschsprachigen Raum mit seiner Festival-Ausstellung zu Gast im Münchner Stadtmuseum. Die von dem 5-köpfigen FotoDoks-Team kuratierte Gruppenausstellung widmet sich in diesem Jahr dem Thema „STRANGER WORLD“ und vereint 16 herausragende fotografische Positionen aus dem Partnerland DER NORDEN (Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden) und dem deutschsprachigen Raum.

m Fokus steht der fotografische Blick auf das Andersartige, Fremde und Unbekannte – auf ungewöhnliche Geschichten und Ereignisse, auf mutige und besondere Menschen aber auch auf ästhetisch-stilistische Annäherungen an ein Thema, die von der gängigen Bildsprache abweichen. FotoDoks fragt nach den Darstellungsformen einer vermeintlich aus dem Lot geratenen und immer befremdlicher werdenden Welt und zeigt innovative Herangehensweisen und Blickwinkel, einen gefühlvollen und anteilnehmenden Umgang mit verstörenden Zeitereignissen, einen spielerischen Einsatz der Medien Fotografie und Film sowie die emotionale Kraft, die in einer fotografischen Arbeit oder einem Einzelbild liegen kann.

Während der Festivalwoche vom 15. bis 19. Oktober 2013 sind neben den ausstellenden Fotografinnen und Fotografen weitere internationale Gäste ins Münchner Stadtmuseum und das Festivalzentrum MaximiliansForum geladen, um in einem umfangreichen Festivalprogramm aus Vorträgen, Diskussionsrunden, Werkstattgesprächen, Filmen und Präsentationen zum Austausch über aktuelle Dokumentarfotografie anzuregen.

Die Fotografinnen und Fotografen der Ausstellung „STRANGER WORLD“ sind:

Nanna Debois Buhl, geboren 1975 in Aarhus / Dänemark, zeigt ihre Video-Installation „Looking for Donkeys“. Im 18. Jahrhundert brachten dänische Kolonisten Esel als Lastentiere auf das damals zu Dänemark gehörende St. John in den US Virgin Islands. Heute leben noch ca. 400 Tiere auf der Insel und erscheinen wie Geister aus der vergangenen Kolonialzeit.

Christoph Draeger, geboren 1968 in der Schweiz, ist mit seiner Projektion „Yacht Tragedy (Ship of Fools) vertreten. Darin stellt er das Video einer Versicherungsfirma nach, die mit einer Wasserpolo-Mannschaft ein reales Seeunglück re-inszenierte: eine Gruppe junger Urlauber in Griechenland verlässt für ein gemeinsames Bad im Ozean ihre Yacht – an eine Leiter hat keiner gedacht. Die Urlauber ertrinken.

JH Engstrom, geboren 1969 in Schweden, hat seine Arbeit u.a. im Rahmen des Deutsche Börse Photography Preises in der Photographer’s Gallery in London ausgestellt und ist bekannt für seine außergewöhnlichen, vielfach preisgekrönten Publikationen. In der Ausstellung wird ein Gesamtüberblick seiner größtenteils vergriffenen Bücher zu sehen sein.

Andrea Gjestvang, geboren 1982 in Norwegen ist mit ihren bedachten und eindringlichen Porträts der Überlebenden des Massakers von 2011 auf der norwegischen Insel Utøya vertreten. Für ihre Arbeit „One Day in History“ erhielt sie unzählige Auszeichnungen, u. a. den Sony World Photography Award.

Jan Grarup, geboren 1968 in Dänemark, begleitet mit „I just Want to Dunk“ die Frauenbasketball-Nationalmannschaft in Mogadischu. Im seit Jahrzehnten vom blutigen Bürgerkrieg gebeutelten Somalia ist Sport laut den Gesetzen der Scharia für Frauen verboten. Trotz Gefahren, Morddrohungen und Repressionen spielen die Frauen weiter. Die Reportage gewann 2013 den ersten Preis des World Press Photo Awards in der Kategorie „Sports Features“.

Pepa Hristova wurde 1977 in Sevlievo / Bulgarien geboren und lebt in Hamburg. Sie fotografierte im so genannten Verfluchten Gebirge im Norden Albaniens die „Sworn Virgins“, die letzten Mann-Frauen Europas. Familien ohne männliches Oberhaupt erlaubt der Kanun, eine mündlich überlieferte Gesetzessammlung aus dem Mittelalter, eine Frau als Stellvertreterin zu bestimmen.

Gerry Johansson, geboren 1945, ist einer der bekanntesten Fotografen Schwedens. Seine Serie „Deutschland“ ist der letzte Teil einer 18-jährigen Arbeit über Orte, die ihn neben Schweden auch nach Amerika und in die Mongolei führte. In einer alphabetisch geordneten, visuellen Enzyklopädie zeigt er die deutsche Landschaft aus einer ungewohnten und feinfühligen Perspektive.

Margaret M. de Lange wurde 1963 geboren und lebt in Oslo / Norwegen. In ihrer direkten und schonungslosen Arbeit „Surrounded by no One“ ergründet sie mit ihrer Kamera das Gefühl der Einsamkeit – eine Empfindung, die sie von sich selbst kennt und in Situationen mit Bekannten und Fremden gespiegelt sieht.

Sara-Lena Maierhofer, geboren 1981 und in Berlin / Deutschland lebend, ließ sich von der Geschichte eines Hochstaplers und Heiratsschwindlers inspirieren. Mit „Dear Clark“ präsentiert sie eine humorvolle, jedoch nur halbwahre Reportage aus eigenen und gefundenen Fotografien, Kopien und Indizien.

Henrik Malmström, 1983 in Bangkok geboren, in Finnland aufgewachsen und momentan in Deutschland lebend, hat mit der Kamera den Hamburger Stadtteil St. Georg erkundet. Unter dem Titel „St. Georg für alle“ zeigen seine Kurzfilme in zurückhaltenden Einstellungen die Persönlichkeiten und das Leben in Malmströms Nachbarschaft.

Hannah Modigh, geboren 1980 in Stockholm / Schweden, fotografierte ihre Serie „Hillbilly Heroin, Honey“ in St. Charles in den nordamerikanischen Appalachen. In der ehemaligen Bergwerksstadt fehlen die Arbeitsplätze und Hoffnungen, während der Gebrauch des „hillbilly heroin“ genannten Schmerzmittels zunimmt. Ihr Blick auf die Jugendlichen ist zart, zurückhaltend und nicht wertend.

Anne Morgenstern, geboren 1976 in Leipzig / Deutschland, setzt sich in ihrer konzeptuellen Arbeit mit den Verhaltensweisen junger Menschen in spezifischen Situationen auseinander. Ihre aus dem Moment gegriffenen Porträts der Serie „Straight Flush“ beziehen spontane Gesten und Mimiken mit ein.

Leifur Wilberg Orrason, geboren 1987 in Reykjavík / Island, ist Absolvent des renommierten Lette-Vereins in Berlin. In seiner Arbeit „Subterranea“ verbindet er Aufnahmen von düsteren Höhlen und kläffenden Hunden zu einem stimmungsvollen und hintergründigen Gesamtbild.

Linn Schröder, geboren 1977 in Hamburg / Deutschland, ist mit einem verstörenden und zugleich faszinierenden, intimen und gesellschaftlich bedeutenden Selbstportrait vertreten. Eine Madonna mit amputierter Brust und Zwillingen im Arm, gekleidet in eine zweite Haut in Schlangenoptik.

Helge Skodvin wurde 1968 geboren und lebt in Bergen / Norwegen. Mit seiner fotografischen Recherche „Volvo 240“ dokumentiert er neben dem Volvo als Symbol für Norwegen und nordische Werte auch die soziale Landschaft, die Häuser, Einfahrten und Straßen des Landes.

Bettina Camilla Vestergaard, geboren 1975 in Aarlborg / Dänemark, ergründet in ihrer Arbeit die Formation und Repräsentation von Orten durch Texte und Fotografien. Im Herbst vor dem Ausbruch der Revolution 2011 reiste Vestergaard nach Kairo und ließ sich von verschiedenen Menschen den schönsten Ort in der Stadt beschreiben. Ihre nachträglich dazu entstandenen Fotografien zeichnen ein poetisches Bild, welches auch die Gegenwart und mögliche Zukunft der Stadt beinhaltet.

FotoDoks-Festival: 15. – 19. Oktober 2013
ausführliche Programminformationen unter: www.FotoDoks.de