17. Oktober – 25. November 2012
FotoDoks: ACHTUNG?! – Respekt, Kontrolle, Veränderung

FotoDoks hat sich innerhalb von fünf Jahren als eines der wichtigsten Festivals für Dokumentarfotografie im deutschsprachigen Raum etabliert. Nach Stationen in Bad Aibling und im temporären Kulturort Puerto Giesing ist FotoDoks mit der Festival-Ausstellung bereits zum zweiten Mal zu Gast im Münchner Stadtmuseum.

Die Ausstellung „ACHTUNG ?! – Respekt, Kontrolle, Veränderung“ vereint 15 herausragende Fotografen aus dem diesjährigen FotoDoks-Partnerland Großbritannien sowie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zu sehen sind fotografische Positionen, die das thematische und ästhetische Spektrum der zeitgenössischen Dokumentarfotografie veranschaulichen und das diesjährige Festivalthema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.

Unabhängig von den Reglements der Printmedien und dem Kunstbetrieb versteht sich das Festival als Forum, um offen nach den Beweggründen der Fotografen, den Produktionsbedingungen und den Interessen von Auftraggebern oder Konsumenten zu fragen. Während der Festivalwoche vom 17. – 21. Oktober 2012 werden aktuelle Fragestellungen der Dokumentarfotografie rund um die Stichworte Respekt, Kontrolle und Veränderung thematisiert und diskutiert: Welche Verantwortung trägt der Fotograf gegenüber seinem Medium und seinen Protagonisten? Welche Themen verdienen Beachtung? Wer kontrolliert das Bild? Wie kontrolliert das Bild die Welt? Wer verschafft wem Aufmerksamkeit?

Neben den ausstellenden Fotografinnen und Fotografen sind weitere internationale Gäste geladen, um das umfangreiche Festivalprogramm aus Vorträgen, Diskussionsrunden, Werkstattgesprächen, Filmen und Präsentationen zu bereichern. Ausführliche Programminformationen unter: www.FotoDoks.de.

Die Fotografen der Ausstellung „ ACHTUNG ?! – Respekt, Kontrolle, Veränderung“ sind:

Jocelyn Bain Hogg, lebt und arbeitet in London/Großbritannien, widmet sich mit “A British Entertainment” der Essenz britischer Unterhaltung, sozialer Zusammenkünfte und Feierlichkeiten. Er ist Mitglied der Fotografenagentur VII und Gastdozent im MA Fotojournalismus am London College of Communication.

Polly Braden, geboren 1974 in Perthshire/Großbritannien, fotografiert das Leben und Arbeiten in Londons Square Mile. Dabei greift sie einzelne Personen heraus, hält ihre kleinen aber bedeutsamen Gesten, die Momente des „Dazwischen“, fest und zeigt ein achtsames Bild des Finanzdistricts von London, in dem das öffentliche Leben und die privatisierten Areale der Konzerne in einer irritierenden Co-Existenz erscheinen.

Marcus Brandt, geboren 1971 in Bad Oeynhausen/Deutschland, ist seit 2008 als Fotograf für die Deutsche-Presse-Agentur in Hamburg tätig. Während des EM-Halbfinales zwischen Deutschland und Italien fotografierte er den italienischen Fußballer Mario Balotelli in einer ungewöhnlichen Siegerpose, die inzwischen hundertfach im WorldWideWeb mit Bildkommentaren diskutiert und ironisiert wurde.

Edmund Clark, geboren 1963 in Großbritannien, der sich in seiner Arbeit mit den Konsequenzen von Kontrolle und Inhaftierung auseinandersetzt, verbindet in der Serie „Guantánamo: If The Light Goes Out“ Innenansichten des Gefängnisses mit Aufnahmen von Unterkünften der Bewacher und Fotografien vom neuen Zuhause der ehemaligen Häftlinge und hinterfragt damit unsere Einordnung bestimmter Räume und Architekturen.

Thomas Galler, geboren 1970 in Baden/Schweiz, verwendet für seine Serie „Bright Star“, die ägyptische und amerikanische Kampfjets und Helikopter in der Umgebung der Pyramiden von Gizeh zeigt, gefundene Fotografien aus dem Internet. Er brachte diese wenige Wochen vor Ausbruch der ägyptischen Revolutionen in Umlauf, um die militärische Propagandamaschinerie Ägyptens und der USA zu diskutieren.

Kai Löffelbein, geboren 1981 in Siegen/Deutschland, thematisiert in seiner Serie „Kids of Sodom“ die Auswirkungen des achtlosen Wegwerfens von elektronischen Geräten der Industriestaaten. In Ghanas Hauptstadt Accra türmt sich solcher Elektroschrott zu riesigen Müllhalden, in denen Kinder verwertbare Metallteile suchen und dabei ungeschützt hochgiftigen Dämpfen ausgesetzt sind.

Robin Maddock, geboren 1972 in Leicester/Großbritannien, begleitete für seine Arbeit „Our Kids Are Going To Hell“ drei Jahre lang eine Polizeistreife während ihrer Arbeit im Londoner Stadtteil Hackney. In seinen Fotografien hält er die scheinbar zufälligen Elemente am Rande der offiziellen Durchsuchungen der Polizei fest, die auch als Appell oder Warnung gesehen werden können.

Henrik Malmström, geboren 1983 in Espoo/Finnland, lebt und arbeitet in Hamburg/Deutschland. Er beschäftigt sich in der Arbeit „A Minor Wrongdoing“ mit illegaler Prostitution, die seit Anfang diesen Jahres von der Hamburger Polizei mit hohen Geldstrafen geahndet wird. Die Schwierigkeit der damit verbundenen staatlichen Kontrolle von Privatpersonen übersetzt er in seinen Bildern in eine schemenhaft düstere Darstellung der sich prostituierenden Frauen.

Dawin Meckel, geboren 1977 in Lich/Deutschland, fotografierte im Rahmen eines Projektes für das Goethe Institut Alltagsszenen in Lilongwe und Blantyre, den beiden größten Städten in Malawi, und aktualisiert damit die Vorstellung des afrikanischen Lebens. Er ist Fotojournalist der Berliner Agentur Ostkreuz.

Simon Norfork, geboren 1963 in Lagos/Nigeria, lebt und arbeitet in Brighton/Großbritannien. In seiner Arbeit „Burke + Norfolk“ setzt er sich mit dem britischen Fotografen John Burke auseinander, der im 19. Jahrhundert Kriegsszenerien aus Afghanistan festhielt. Diese Aufnahmen wurden zum Ausgangspunkt seiner eigenen Fotografien, welche die gegenwärtige Konfliktsituation vor Ort beleuchten und zugleich auf Burkes Blick antworten.

Dana Popa, geboren 1977 in Rumänien, lebt in Großbritannien, wo sie ihren MA in Documentary Photography and Photojournalism am London College of Communication absolviert hat. In ihrer Arbeit „Our Father Ceausescu“ blickt sie auf die rumänische Jugend und ihre veränderten Lebensumstände, zwanzig Jahre nach der rumänischen „Revolution“ im Dezember 1989.

Simon Roberts, geboren 1974, studierte an der University of Sheffield und erkundet mit seiner Arbeit “Let This Be a Sign” die sichtbaren Manifestationen gegenwärtiger ökonomischer Veränderungen in Großbritannien, wie z.B. die „Zu-Verkaufen“-Schilder in Geschäften oder Eindrücke von Demonstrationen. Roberts arbeitet interdisziplinär und verbindet seine Fotografien mit Texten, Videos und Objekten.

Gregor Schlatte, geboren 1979, lebt und arbeitet in Graz/Österreich. Er spiegelt in seinen Fotografien des Theaterstücks „Barbwire“ das Selbstbild der serbischen Minderheit im nördlichen Kosovo abseits des gängigen Klischees der serbischen Nationalisten, die gegen die Kosovo-Albaner marschieren. Das Schauspiel thematisiert statt dessen das Gefühl der Isoliertheit der Menschen in Mitrovica und verdoppelt dieses in der Aufführung vor den betroffenen Zuschauern.

Kai Wiedenhöfer, geboren 1966 in Schwenningen/Deutschland, beschäftigt sich mit der Bedeutung von Grenzanlagen als Mittel zur Kontrolle von politischen, ökonomischen und ethnischen Konflikten. Seine Panoramaaufnahmen der Grenzen der Vereinigten Staaten verweisen auf Mauern als Symbol für soziale Abgrenzung und für den Kontrollverlust einer Supermacht.

Mathias Ziegler, geboren 1965, lebt und arbeitet in München/Deutschland. Er porträtiert den Amerikaner Louis Sarno, der sich vor 25 Jahren für ein Leben bei Pygmäen im Kongo entschied. Neben Aufnahmen des Alltags im afrikanischen Regenwald zeigt Ziegler den Zivilisationsflüchtling auf einer Reise in seine alte Heimat nach New York. Es sind zwei Lebenswelten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.