Migration bewegt die Stadt

München ist eine Migrationsstadt, denn: Migration beeinflusst alle gesellschaftlichen Bereiche und urbane Entwicklungen. Migration – der dauerhafte Wechsel des Lebensumfeldes einer Person über Staatsgrenzen hinaus – ist mit ihren unterschiedlichen Formen, Anforderungen und Debatten der Normalfall und ein untrennbarer Bestandteil der Gesellschaft in ihrer Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Mit dem Projekt „Migration bewegt die Stadt“ möchte das Münchner Stadtmuseum in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv München Migration dauerhaft als Bestandteil der Stadtentwicklung sichtbar machen und dabei diskriminierenden und rassistischen Bildern und Debatten entgegenwirken.

Zwischen Februar 2015 bis Dezember 2018 erforschen die beiden Häuser arbeitsteilig, wie Migration München in ihren Entwicklungen beeinflusst und nachhaltig prägt. Thematisch konzentriert sich das Projekt auf die Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart. Forschungsschwerpunkte bilden Aspekte zur Einwanderung in Zusammenhang mit Anwerbeabkommen, Flucht und Asyl, sogenannten Displaced Persons sowie Erinnerungen an die Münchner NSU-Mordopfer. Dazu werden Akteure, Orte, Politiken und Bilder untersucht, die den urbanen Alltag der Migrationsstadt München, aber auch verschiedene Facetten von Rassismus und Diskriminierung verdeutlichen.

Das Projekt wird von Prof. Dr. Sabine Hess (Georg-August-Universität Göttingen) und Prof. Dr. Johannes Moser (Ludwig-Maximilians-Universität München) wissenschaftlich beraten. Zudem begleitet ein Fachbeirat den Projektverlauf, der sich aus Akteuren mit biografischen, beruflichen und weiteren Bezügen zur Münchner Migration zusammensetzt. Die beiden Gremien sind in Entscheidungsprozesse einbezogen und beraten das Projekt.

Schwimmbrille, Essenskonserven, Münzen und Geldscheine unterschiedlicher Währungen – Fundstücke vom Münchner Hauptbahnhof im November 2015. Provenienz: Flüchtlingshilfe München e.V. © Münchner Stadtmuseum
Pontische Lyra (dreisaitiges Streichinstrument) von Theodoros Boulgarides (1964-2005) © Münchner Stadtmuseum
Modul in der Dauerausstellung "Typisch München!" seit Dezember 2016: „Gesellschaftliche Folgen des NSU in München“ © Münchner Stadtmuseum

In den Sammlungen des Münchner Stadtmuseums und des Stadtarchivs München werden die vorhandenen Bestände untersucht, denn dort liegen bereits einige Objekte und Quellen zur Migrationsgeschichte vor. Darin finden sich jedoch nur fragmentarische Geschichtsausschnitte wieder, die meist unbeabsichtigt archiviert wurden und sehr einseitig von einer Verwaltungssicht auf Migration geprägt sind. Eine neue Sammlung von Objekten und Quellen migrantischer Vereine, Organisationen und Einzelpersonen soll diese Geschichte ergänzen und neue Stimmen und Positionen in die Sammlungsbestände bringen. Mit neuen Ausstellungsthemen, Medien und Programmen werden erste Ein- und Übersichten zu den Forschungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dafür entstehen neue Formate mit kollaborativen Methoden, um neue Themen, Inhalte, Sprecherschaften und aktuelle Relevanzbezüge aus der Perspektive der Migration zur Darstellung Münchens zu ermöglichen.

Seit dem 23. Juni 2017 bis zum Projektabschluss Ende 2018 gibt das Projektteam den Museumsbesuchern im 1. Stock immer wieder neue Einblicke in Forschungsergebnisse über die Münchner Migration und präsentiert dort im Wechsel neue Objekte und Inhalte.

Mit dem Projekt nähern sich das Münchner Stadtmuseum und Stadtarchiv München einer neuen Betrachtungsweise, die die Migration als Antriebsfaktor der Münchner Stadtentwicklung ins Zentrum setzt.