leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

The Godfather Redux

The Godfather Redux

Die drei Teile von THE GODFATHER von Francis Ford Coppola wären heute wohl eine Miniserie auf Netflix, zumal die Romanvorlage von Mario Puzo, der auch am Drehbuch beteiligt war, bis heute neun Millionen Mal verkauft wurde und so erheblich zum Erfolg der Filme beitrug. Doch diese 534 Minuten sind trotz aller Ausführlichkeit ein dichtes, ebenso großformatiges wie detailgenaues Familien- und Mafiaepos, das freilich im Film nie so genannt werden durfte, denn die reale Cosa Nostra stemmte sich dagegen und war am Ende doch sehr einverstanden mit der Darstellung ihrer selbst.
THE GODFATHER umspannt fast ein ganzes Jahrhundert, beginnend 1945, als Don Vito Corleone (Marlon Brando), einer der mächtigsten Mafia-Bosse New Yorks, ein opulentes Fest mit Hunderten von Gästen für seine Tochter Connie ausrichtet. Sein Sohn Michael (Al Pacino) muss bald gegen seinen Willen in die Fußstapfen des Vaters treten, da der älteste Sohn bei einem Attentat ums Leben kommt. Der zweite Teil erzählt die Geschichte nach dem Tod Don Vitos weiter und zeigt in raffinierten Rückblenden ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts auch dessen Kindheit und Jugend (charismatisch gespielt vom 30-jährigen Robert de Niro, der damals seine Weltkarriere startete).
Leitmotivische Musik so unterschiedlicher Komponisten wie Nino Rota und Carmine Coppola, dem Vater des Regisseurs, hält diese drei Teile nicht nur zusammen, sondern trägt sie regelrecht, auch wenn sie manchmal fast unhörbar nur im Hintergrund raunt. Sie ist ein Gegengewicht zu den zahlreichen, brutal gezeigten Morden. Zunehmend wichtiger wird sie im Verlauf der drei Teile nicht zuletzt als Musik, zu der man tanzt, als Begleitung einer Taufe, Hochzeit oder Beerdigung oder großer Prozessionen in Sizilien, wenn Christus- oder Marienstatuen durch die Straßen getragen werden.
Mehrere große musikalische Themen Nino Rotas durchziehen immer wieder anders instrumentiert und kombiniert die neun Stunden Gesamtfilmzeit. Die berühmte Titelmelodie, gespielt von einer Solotrompete, wird zum »Walzer des Paten«. Eine intensiv aus einem Motiv entwickelte Melodie ist Michael gewidmet und wurde schon als Fischiettos Trauermarsch in Fellinis DIE CLOWNS (1970) verwendet, ein Hinweis vielleicht darauf, dass auch Michael als neuer Pate Maske und Kostüm trägt wie ein Clown. Eine fließendere, regelmäßigere Tonfolge ist für seine Frau Kay bestimmt (gespielt von Diane Keaton). Das große, lange »Einwanderer-Thema« beginnt ebenfalls als eine Art sehnsuchtsvoller Trauermarsch in e-Moll und wechselt plötzlich im Forte nach C-Dur. Es prägt vor allem den zweiten Teil mit seinen vielen Rückblenden und der wiederholten Thematisierung der Reise von Sizilien nach New York. Ein »Liebesthema « charakterisiert Appollonia, die erste Frau Michaels, und wurde von Nino Rota schon 1958 als kleiner Marsch für Eduardo De Filippos Film FORTUNELLA komponiert, was ihn 1972 den möglichen Oscar kostete, anderen Auszeichnungen aber nicht im Wege stand. Viele dieser Themen sind formal und im Ausdruck ähnlich, oft melancholisch getragen in Moll und melodiös in sich kreisend, was ihre Kombination und das teilweise gleichzeitige Erklingen möglich macht.
Im dritten Teil dominiert mehrfach sizilianische Volksmusik, komponiert, arrangiert und dirigiert von Carmine Coppola, manchmal von ihm auch vor Ort aufgenommen; und in der letzten halben Stunde die ganz große Oper! Dieser dritte Teil, der 1990 gedreht wurde und erst nach einer definitiven Schnittfassung Coppolas von 2020 THE GODFATHER, CODA: THE DEATH OF MICHAEL CORLEONE heißen durfte, flicht aktuelle Geschehnisse in die Handlung, die ab 1979 spielt; so eine Unregelmäßigkeit der Vatikan-Bank und die Umstände des rätselhaften Todes von Papst Johannes Paul I. Der Showdown am Ende von Teil III im Teatro Massimo in Palermo verschränkt schließlich virtuos Intermezzo, Gebet und Finale aus Pietro Mascagnis berühmtem Verismo- Opern-Einakter »Cavalleria Rusticana«. Michaels Sohn Anthony gibt darin sein Debüt als Turridu und thematisiert damit tödliche Eifersucht und sizilianischen Ehrenkodex sowie die brutalen, blutigen Abrechnungen des Corleone-Clans mit seinen Gegnern. Filmisches finale grande verschmolzen mit der ganz großen italienischen Oper!
Klaus Kalchschmid

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