Rumänisches Filmfestival

Nachgeholt im Kinosaal und Online

Im Kino
Freitag, 11. Juni 2021, 19.00 Uhr

Și atunci … ce e libertatea? (Und was … ist Freiheit?)
Rumänien 2020 | R: Andrei Zincă | B: Andrei Zincă, Ana Blandiana, nach dem Roman „Proiecte de trecut” (Projekte der Vergangenheit) von Ana Blandiana | K: Tudor Vladimir Panduru | M: Daniel Szabo | D: Radu Iacoban, Iulia Lumânare, Olimpia Melinte, Cuzin Toma, Skovrán Tünde, Nicodim Ungureanu, Dorina Lazăr | 132 min | OmeU
Die Bărăgan-Steppe ist eine karge Landschaft im Südosten Rumäniens – das „rumänische Sibirien“. Im nationalen Gedächtnis ist sie vor allem mit der Deportation von rund 40.000 Menschen im Jahr 1951 verbunden, die im Zuge der gewaltsamen kommunistischen Kollektivierung der Landwirtschaft veranlasst wurde. Nach dem Roman von Ana Blandiana erzählt Andrei Zincă von einer kleine Gruppe, die sich unter schwierigsten Umständen in den dünn besiedelten Feldern der Steppe eine neue Existenz aufbaut. Eine „Insel“, wie der Lehrer Emil sagt, der gemeinsam mit seiner Frau zuerst nur durch unglückliche Umstände überhaupt unter die Deportierten gerät. Der Film erinnert an das nationale Trauma der Zerstörung traditioneller Ordnungen durch die kommunistische Zwangsherrschaft, und setzt dem eine Feier der offenen Landschaft und der agrarischen Autarkie entgegen. „Wenn man die Angst besiegt, findet man die Freiheit, sogar in der Gefangenschaft.“
Anschließend Zoom-Gespräch mit Andrei Zincă

 

Filmmuseum München Online   
Donnerstag, 17. Juni bis Sonntag, 20. Juni 2021

Cardinalul (Der Kardinal)
Rumänien 2020 | R: Nicolae Mărgineanu | B: Bogdan Adrian Toma | K: Gabriel Kosuth | M: Cornel Taranu | D: Radu Botar, Ioan Andrei Ionescu, Richard Bovnovczki, Cristian Iacob, Maria Ploae, Ovidiu Crișan | 98 min | OmeU
Zu den vielen Opfern in der Frühzeit des kommunistischen Regimes in Rumänien gehörten auch Mitglieder der Griechisch-Katholischen Kirche. Deren prominentester Vertreter, der Bischof Iuliu Hossu (1885–1970), ist die zentrale Figur des Films. Er wird 1948 verhaftet und 1950 mit einer Reihe von weiteren Geistlichen dieser Teilkirche in das berüchtigte Gefängnis von Sighet gebracht. Selbst unter den entsetzlichen Bedingungen der Haft, die Nicolae Mărgineanu in schwarzweißen Bildern beschwört, bleibt Hossu immer „Seine Heiligkeit“. Eine Rahmenhandlung (in Farbe), die in Alba Iulia im Jahr 1967 spielt, ein Jahr vor der Fünfzigjahrfeier der „Großen Einigung“ von 1918, die auch die Kommunisten für sich propagandistisch auszuschlachten versuchten, kontextualisiert die Rückblenden und Erinnerungen. Mit seiner hagiographischen Darstellung stellt der Film die damalige Kirchenpolitik der rumänischen KP bloß: Der atheistische Staat versuchte die Orthodoxie zu einer gefügigen Staatskirche umzuwandeln. Die Griechisch-Katholische Kirche wurde dabei zu einem Hort des Widerstands.

Cărturan 
Rumänien 2020 | R: Liviu Săndulescu | B: Liviu Săndulescu, Bogdan Adrian Toma | K: Oleg Mutu | M: Hasan Nasser | D: Teodor Corban, Adrian Titieni, Vlad Popescu, Dana Dogaru, Cristina Flutur, Iulia Lumânare | 88 min | OmeU 
Eine große Rolle für Teodor Corban. Er spielt die Titelfigur, einen Mann namens Cărturan, der mit seinem Enkelsohn in einem Dorf lebt. Als er den ärztlichen Befund bekommt, dass er nicht mehr lange zu leben hat, akzeptiert er das und beginnt sofort mit gelassener Entschlossenheit, das zu tun, was noch zu tun bleibt. Der wichtigste Punkt ist die Zukunft des Enkels – er soll nicht einfach in ein Waisenhaus gebracht werden, wo sich niemand wirklich um ihn kümmern würde. Darüber hinaus verfolgt der störrische und verschlossene Cărturan noch einen weiteren Plan: er will ein geläufiges Bestattungsritual „vorziehen“ und noch zu seinen Lebzeiten die „Almosen“ für sich einsammeln. Gegen den Willen des Dorfpriesters (Adrian Titieni) sorgt er damit für einen unerhörten Tabubruch. Liviu Săndulescu präsentiert in seinem ersten Langspielfilm einen denkwürdigen Einzelkämpfer in einer Welt zwischen Traditionen und zerbrechenden Gemeinschaften. In der fast „romantisch“ gezeichneten ländlichen Umgebung, in der – anders als in der Stadt – der Tod kein Tabu ist, sondern ein natürliches Element des Lebenszyklus, entfaltet sich die Geschichte auch mit komischen und absurden Momenten.

Dragă Moş Crăciun (Lieber Weihnachtsmann) 
Rumänien 2018 | R+B: Bogdan Ilieșiu | K: Ana Drăghici | D: Andi Vasluianu, Adrian Titieni, Tudor Oprişan, Rodica Lazăr, Sergiu Costache | 28 min | OmeU 
Heiligabend mit der Familie? Der Polizist Paul hat in dieser Nacht Dienst und erklärt seinem achtjährigen Sohn vorher, dass der Weihnachtsmann nicht real ist. Paul möchte nicht, dass die anderen Kinder, die die „Wahrheit“ bereits kennen, über ihn lachen. Am späten Abend erwischt ein Paar einen Weihnachtsmann, der offenbar versucht, in die Nachbarwohnung einzubrechen. Zwei Polizisten treffen am Tatort ein. Einer von ihnen ist Paul. Der Weihnachtsmann (eine Paraderolle für Adrian Titieni) versucht alles Mögliche und Unmögliche, den Polizisten von seiner Existenz und seinem Auftrag zu überzeugen.

Otto Barbarul (Otto der Barbar) 
Rumänien 2020 | R+B: Ruxandra Ghițescu | K: Ana Drăghici | M: Octavian Albu, Cardinal Band | D: Marc Titieni, Ioana Bugarin, Adrian Titieni, Ioana Flora, Iulian Postelnicu, Constantin Drăgănescu, Mihaela Sîrbu | 110 min | OmeU
Intimes Portrait eines Trotzkopfes außer Rand und Band. Octavian wird von seinem Vater Tavi genannt, er aber besteht auf Otto. Otto, der Barbar, so hat seine Freundin Laura einmal im Scherz zu ihm gesagt. Laura ist tot, sie hat sich das Leben genommen. Otto versucht die Leere zu füllen, die der Selbstmord seiner Freundin hinterließ. Freunden, Eltern und dem Sozialarbeiter Costin gelingt es nicht, zu ihm durchzudringen. Otto trauert auf seine Weise. Sein Verhalten ist tatsächlich das eines „Barbaren“. Niemand kommt an ihn heran, er lässt alle mit seiner verhaltenen Aggression ratlos zurück. Nur den dementen Großvater nimmt er aus seiner Ablehnung aus. Zuflucht findet Otto bei der Mutter seiner Freundin. Rauchend in der Küche trotzen die beiden gemeinsam dem Schmerz. Doch ist tatsächlich Trauer das Gefühl, von dem Otto bestimmt wird? Zuhause flüchtet er sich in Erinnerungsvideos, die die Frage aufwerfen, ob er etwas vom anstehenden Freitod seiner Freundin geahnt haben könnte. Ruxandra Ghițescu erzählt in ihrem ersten Langspielfilm von einer Jugend, die sich in ihren Familien wie gefangen fühlt, und auf den kleinen Balkonen in den Wohntürmen mit dem Sprung ins Nichts experimentiert.

Heidi – Fetița munților (Heidi – Das Mädchen aus den Bergen) 
Rumänien 2020 | R: Cătălin Mitulescu | B: Cătălin Mitulescu, Radu Aldulescu | K: Marius Panduru | D: Gheorghe Visu, Cătălina Mihai, Florin Zamfirescu, Maria Popistașu, Bogdan Dumitrache, Ada Condeescu | 96 min | OmeU 
Der Polizist Mihai Visoiu steht kurz vor der Pensionierung. Er bekommt aber noch einmal einen Fall mit potentiell großen Auswirkungen zugeteilt: die Suche nach einer jungen Frau mit Verbindungen zu einem mächtigen Kriminellen. Dass Mihai diesen Auftrag bekommt, könnte darauf hindeuten, dass er sich in den Grauzonen des Rechts gut auskennt. Er hat auch wenig Schwierigkeiten, Silvia, die sich – nach ihrem Lieblingsbuch – selbst Heidi nennt, zu finden: eine junge Prostituierte, die er durch seine Nachforschungen in große Gefahr bringt. Sein Beschützerinstinkt zeitigt fatale Folgen für beide. Cătălin Mitulescu, eine der Schlüsselfiguren des neuen rumänischen Kinos, bringt hier zwei klassische Charaktere zusammen: den männlichen Einzelgänger und die schutzbedürftige junge Frau. Auch die Schauplätze in einem durchweg dunklen, düsteren, bleichen Bukarest sind signifikant: Der Film zeigt die Rück- und Schattenseiten der bürgerlichen Gesellschaft. Macht und Verletzlichkeit, Gut und Böse sind zwei Seiten einer Münze, und die Protagonisten wissen, ungeachtet ihrer manchmal drastischen Entscheidungen und Handlungen, dass sie keine Chance haben.

Bilet de iertare (Der Freibrief)
Rumänien 2020 | R+B: Alina Șerban | K: Julia Kacalak | M: Vlaicu Golcea | D: Alina Șerban, Ionuţ Habet, Oana Ştefănescu, Emil Măndănac, Ioana Barbu | 16 min | OmeU 
Rumänien 1855. Am Rande eines festlichen Banketts in einem Prinzenpalast erbittet Maria, eine leibeigene Bedienstete, von ihrem Herrn die Freilassung für ihren Sohn Dinca, der in London schon von der „Milch der Zivilisation“ gekostet hat. Ein hoch verdichtetes period picture über eine Zeit, in der Bojaren über „Tsiganen“ verfügten wie über Sklaven; basierend auf der wahren Geschichte einer Roma-Mutter und ihres Sohnes, deren Kampf und Beharrlichkeit die Abschaffung der Sklaverei in Rumänien 1856 forcierte. Das furiose, durchaus schon meisterhafte Regiedebüt der Schauspielerin Alina Șerban, Teil eines geplanten Langfilm-Projektes.

Texte: Bert Rebhandl
Eine Kooperation mit der Gesellschaft zur Förderung der Rumänischen Kultur und Tradition e.V., München.
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