Peter Lilienthal

Der Kino-Zauberer

Peter Lilienthal ist ein Kino-Zauberer: Er beherrscht das Kunststück, aus den Banalitäten des Alltags wie den politischen Katastrophen des Jahrhunderts poetische Funken zu schlagen. »Eine Figur halb Gaucho, halb Ahasver«, hat Fritz Rudolf Fries ihn porträtiert. Aufgewachsen in Montevideo, wohin die Mutter mit dem neunjährigen Jungen 1939 emigrierte, kehrte er Mitte der 1950er Jahre nach Berlin zurück, ohne wirklich heimisch zu werden: In Deutschland blieb er ein Fremder.

Wie kaum ein anderer deutscher Filmemacher ist Lilienthal Weltbürger: Er hat in Lateinamerika, in Israel, in den USA gedreht, kennt das bundesdeutsche Fernsehen aus dessen Kindertagen und den internationalen Festival-Zirkus in Cannes und Venedig, arbeitete mit Eddie Constantine und Hanna Schygulla, spielte selbst kleine Rollen bei Samuel Fuller, Wim Wenders und Edgar Reitz, war als Dozent der Berliner Filmhochschule bereits in die Studentenunruhen 1968 verwickelt und hat noch immer den Kopf voller Träume und Utopien. »Lilienthal is a key figure in the growth of New German Cinema«, weiß das US-amerikanische Fachblatt Variety. In Deutschland ist dies kaum bekannt. Gewiss, an Anerkennung seitens der Kollegen und Kritiker hat es nicht gefehlt. 1981, auf eine Umfrage von Joe Hembus, zählte Rainer Werner Fassbinder MALATESTA zu den zehn besten Werken des Neuen deutschen Films, Wim Wenders nannte LA VICTORIA. Obwohl er unzählige Auszeichnungen erhalten hat, darunter allein siebenmal den Deutschen Filmpreis und den Goldenen Bären der Berlinale, blieb er immer am Rande des deutschen Filmbetriebs, eine Position, von der sich das geschäftige Treiben mit unbestechlichem Blick und heiterer Gelassenheit betrachten lässt. Lilienthals Filme, hat Fritz Rudolf Fries bemerkt, leben vom Trauma des Exils und den Erinnerungen an das kleine Hotel seiner Mutter in Montevideo: »In seinen besten Filmen gibt es diese Magie der Pubertät und die Mythologie der Herberge.« In seinen Filmen versammelt er eine Familie, Menschen aus aller Herren Länder, Schiffbrüchige und Grenzgänger, Träumer und Schnorrer. Es sind Menschen ohne Reichtümer, ohne eine sichere Position oder Macht; sie sind Unterdrückung und Verfolgung ausgesetzt und haben doch Hoffnung und Lebenslust nicht aufgegeben. Georges Perechat das semantische Feld abgesteckt, das für ihn mit dem Wort »Jude« verbunden ist: »die Reise, die Erwartung, die Hoffnung, die Unsicherheit, der Unterschied, die Erinnerung und diese beiden schwer zu fassenden, unsteten und flüchtigen Begriffe, die sich unaufhörlich gegenseitig in ihrem flackernden Licht spiegeln, und die heißen Land der Geburt und Gelobtes Land.« Große Worte, die Lilienthals Figuren nie aussprechen würden: Die kleinen Gesten sind in diesen Filmen wichtiger als verbale Bekenntnisse.

Weiter im Text von Michael Töteberg und zum Programm-pdf der Filmreihe (28. November - 19. Februar 2020)


Besucherinformation

Kontakt

St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Tel. +49-(0)89-233-22370
Fax +49-(0)89-233-25033
E-Mail stadtmuseummuenchende

Kinokasse
Tel. +49-(0)89-233-96450

Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr
Montags geschlossen

MittwochAbendGeöffnet!
Jeden 2. Mittwoch im Monat sind ausgewählte Ausstellungen des Münchner Stadtmuseums bis 20.00 Uhr geöffnet.

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag - Sonntag 18.30 + 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Bei Überlänge andere Uhrzeiten

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

S/U-Bahn Station Marienplatz
U-Bahn Station Sendlinger Tor
Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz