leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

Macht Geschichte!

Figurentheaterfestival: Macht Geschichte!

»Macht Geschichte!« – unter diesem Thema präsentiert das Internationale Figurentheaterfestival »Wunder.« im Herbst 2022 Inszenierungen, die nicht nur Geschichten erzählen, sondern tatsächlich Geschichte mit Figuren, Objekten und Bildern lebendig machen. Im Figurentheater werden Puppen, Objekte und Bilder in offener Spielweise animiert; die Gemachtheit von Figurentheater bleibt ständig sichtbar. Gleichzeitig verfehlen aber die angewandten Mittel ihre Wirkung nicht – und so bewegen sich die Zuschauer zwischen Nähe und Distanz, zwischen Illusion und kritischer Wahrnehmung.
Auch animierte Dokumentarfilme nutzen die Verfremdung, die bei diesen Szenen offensichtlich wird. Figuren zeigen jederzeit deutlich, dass es sich nicht um Realität, sondern – auch im Dokumentarfilm – nur um Fiktion handelt. Zugleich ermöglichen Puppen und Figuren, ob Zeichentrick, Stop-Motion oder klassisches Puppentheater, Dinge sichtbar zu machen, die anders nicht darstellbar wären. Dabei geht es nicht nur um das »Nachstellen« der Vergangenheit. Gräueltaten und Tabuthemen, die sonst unerträglich wären, finden hier eine filmische Umsetzung. Seit dem Erfolg von Ari Folmans dokumentarischem Animationsfilm WALTZ WITH BASHIR (2008), in dem er sich als Israeli mit dem Libanonkrieg auseinandersetzt, wurde diese Gattung populär.
Die Reihe zeigt sechs sehenswerte und sehr unterschiedliche Formate. In COLTAN-FIEBER: CONNECTING PEOPLE von Jan-Christoph Gockel, zur Zeit Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen, und dem Drehbuchautor Yves Ndagano, Choreograf, Regisseur und Schauspieler aus dem Kongo, schafft die Puppe eine Verbindung zur Kindheit von Ndagano und seiner Vergangenheit als Kindersoldat und Minenarbeiter. In THE UNSEEN von Behzad Nalbandi leihen die ausdrucksstarken Pappfiguren obdachlosen Frauen ein Gesicht. ANMASSUNG von Stefan Kolbe und Chris Wright erlaubt einer Puppe die Annäherung an einen Sexualstraftäter – und stellt zugleich immer wieder die Arbeit des Filmteams infrage. LA CASA LOBO von Cristóbal León und Joaquín Cociña basiert auf den Verbrechen, die in der Colonia Dignidad, einer deutschen christlichen Sekte in Chile, geschahen, erschafft aber darauf aufbauend ein Stop-Motion-Horror-Märchen mit einer ganz eigenen Bildsprache. Die Schweizer Filmemacherin Anja Kofmel verfolgt in CHRIS THE SWISS die Spuren ihres Cousins, eines Kriegsjournalisten und Kämpfers in Jugoslawien, und sucht nach Mechanismen des Krieges. Und in dem filmischen Essay EVERYTHING WILL BE OK des kambodschanischen Filmemachers Rithy Panh führen uns verblüffende Dioramen in eine dystopische Vision des 21. Jahrhunderts: ein Planet der Affen, Wildschweine und Löwen – die Revolution eines ganzen Bestiariums, das die Gräuel des 20. Jahrhunderts umkehrt und neu begeht.
Mascha Erbelding


Eine Kooperation mit dem Internationalen Figurentheaterfestival »Wunder.«, das vom 14. Oktober bis zum 8. November 2022 u.a. im Münchner Stadtmuseum und in der Schauburg stattfindet.

Zum pdf der Filmreihe mit allen Titeln und Terminen.

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Besuchsinformation

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Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr
Montags geschlossen

MittwochAbendGeöffnet!
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Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag - Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag - Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 17.00 Uhr

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U-Bahn Station Sendlinger Tor
Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz

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