King Vidor

Sieben Dekaden Hollywood-Kino

Im November 1925 kam King Vidors THE BIG PARADE in die amerikanischen Kinos. Schon bei seinem ersten Einsatz spielte er mehr als das Zehnfache seiner Produktionskosten ein und machte die erst im Jahr zuvor gegründete MGM zu einer der mächtigsten Produktionsfirmen Hollywoods. Seit D. W. Griffiths HEARTS OF THE WORLD (1918) hatte es keinen bedeutenden amerikanischen Spielfilm über den Ersten Weltkrieg mehr gegeben, und THE BIG PARADE löste für die nächsten zehn Jahre eine ganze Welle ähnlich angelegter Filme aus. Der Maler Andrew Wyeth sah ihn schon als Kind und hat später immer wieder betont, wie dieser Film sein Werk beeinflusst habe; in Vidors METAPHOR. KING VIDOR MEETS WITH ANDREW WYETH (1980) erzählt er, dass er den Film 180mal gesehen habe. Die berühmte Szene, in der Melisande sich an den Lastwagen hängt, der ihren Geliebten zusammen mit anderen Soldaten an die Front bringt, findet ein direktes Echo in Roberto Rossellinis ROMA CITTÀ APERTA (1945), wenn Pina hinter dem Lastwagen herläuft, der neben weiteren Verhafteten auch ihren Verlobten Francesco abtransportiert.

Der enorme Erfolg von THE BIG PARADE ermöglichte es Vidor, auf dem Höhepunkt der Prosperität und des Zukunftsglaubens einen Film über einen kleinen Angestellten in New York zu drehen – einen Versager gemessen an den Erwartungen seines Vaters, seiner Umgebung und den eigenen. THE CROWD (1928) ist einer der ungewöhnlichsten Hollywoodfilme der 1920er Jahre, ein Film ganz ohne die üblichen Zutaten eines Hollywoodfilms: »Es gibt so gut wie keine Handlung; die Liebesgeschichte kommt ohne Sex aus; es gibt keinen physischen Höhepunkt, keinen Kampf, keinen planmäßigen Thrill. Die Figuren, allesamt Leute aus dem Alltag, verhalten sich nicht wie Figuren in einem Film, sondern wirklich wie Menschen; es gibt keinen Schurken, keine Schurkerei, keinen Erfolg«, schrieb Gilbert Seldes damals.

Weiter im Text von Winfried Günther und zum Programm-pdf der Reihe (10. September bis 1. November 2020)

 


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