leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

Ildikó Enyedi

Retrospektive Ildikó Enyedi

Da der Spielfilm MEIN 20. JAHRHUNDERTvon Ildikó Enyedi am Samstag, 24.9. um 18.00 wegen technischer Probleme leider ausfallen musste, wird er am Dienstag, 4.10. um 19.00 Uhr wiederholt. Nach dem Kurzfilmprogramm mit Filmen von Ildikó Enyedi (Dauer: 69 Minuten) und einer kurzen Pause zeigen wir anschließend MEIN 20. JAHRHUNDERT. Es gibt keinen Aufpreis. Bereits gekaufte und nicht stornierte Karten vom 24.9. behalten für die Vorstellung am 4.10. ihre Gültigkeit. Der Einlass ist auch nur für den Spielfilm möglich, der um etwa 20.00 Uhr beginnt. Karten für MEIN 20. JAHRHUNDERT können an der Abendkasse oder online erworben werden.

Fast zwei Dekaden liegen zwischen KÖRPER UND SEELE (2017), Ildikó Enyedis mit dem Goldenen Bären ausgezeichneten Comeback, und ihrem letzten Werk vor einer langen ungewollten Pause, SIMON DER ZAUBERER (1999). Bemerkt hat man diese Abwesenheit jedoch nie, was viel mit der sehr speziellen Poesie ihres Schaffens zu tun hat – es sind Filme des Konjunktivs, und so wie in ihnen scheinbar alles in jedem Augenblick passieren kann, so hatte man auch das Gefühl, dass ihr nächstes Werk bestimmt bald zu sehen sein wird.
War es aber nicht. Enyedi hatte dabei keine kreative Pause eingelegt, im Gegenteil: Neben ihrer Arbeit als Dozentin an der Filmakademie wurden mindestens fünf internationale Projekte drehfertig entwickelt, nur um am Ende nicht in Produktion zu gehen, da immer wieder Gelder wegfielen oder Förderer es sich anders überlegten. Die Lehre aus dem Finanzierungswahnsinn war, dass KÖRPER UND SEELE allein mit ungarischen Geldern gedreht wurde. Statt Langfilme für die große Leinwand machte Enyedi in jenen Jahren viel Fernsehen, wie etwa die HBO-Psychoanalytiker-Serie TERÁPIA (2012-2017), oder GESCHICHTEN IN GESICHTERN (ORSZÁG ÉS IRODALOM), 1999, ein mittellanger Versuch zur ungarischen Literatur, zu deren Platz in der Welt wie daheim, gedreht anlässlich der Frankfurter Buchmesse 1999, wo ihre Heimat als Gastland geehrt wurde. An Kinostücken entstanden u.a. das kurze, schwärmerisch-schelmische Science-Fiction-Melodram ERSTE LIEBE (2008) sowie ein Beitrag zu dem Gruppenprojekt FROM EUROPE INTO EUROPE (2004), mit dem die Spitzen der ungarischen Filmkultur sich vorsichtig optimistisch zur EU-Erweiterung äußerten. Das ist, in Wirklichkeit, eine ganze Menge an Kreativarbeit – die allerdings für Orte und Medien realisiert wurde, die weniger grenzüberschreitend sichtbar sind oder minder prestigeträchtig. Und da vergehen denn auch zwanzig Jahre wie im Flug.
Enyedi fand dabei eher durch Zufall zum Kino: Film erwies sich für die studierte Betriebswirtin (und abschlusslose Regiestudentin) als die einzig mögliche Kunstform, wollte sie all die unterschiedlichen Ausdrucksformen, mit denen sie in ihrer Zeit als Mitglied der Künstlergruppe INDIGÓ experimentiert hatte, in irgendeine geschlossene Gestalt gießen. Denn Enyedi kommt von der bildenden Kunst, das Kino als Medium ergab sich für sie aus dem Versuch, Performance, die Dorota Segda in MEIN 20. JAHRUNDERT Ildikó Enyedi 9 Erkundung von Raum und eine Liebe zur Theatralik miteinander zu verschmelzen. Was dann wiederum perfekt dem Geiste des staatlich unabhängigen Béla-Balázs- Film-Studios entsprach, einer weiteren Stätte ihres Werdensweges.
Kurios an Enyedis Karriere ist, dass sie ihre Projekte relativ problemlos realisiert bekam in einer Zeit, da es ambitionierte Filmschaffende in Mittel- und Osteuropa ob der Umstellung auf kapitalistische Produktionsbedingungen oft schwer hatten: Die 1990er waren ihre Dekade. Mag sein, dass sie als Ungarin einen gewissen Standortvorteil hatte, war das Land doch schon in seiner staatssozialistischen Zeit stark interessiert an Koproduktionen, sodass der Übergang zwischen den Systemen für die Filmkultur kaum eine Rolle zu spielen schien; mag ebenfalls sein, dass ihr Kino der (Alp-) Träume mit seinen lyrischen Ausschweifungen und Spiegelungen durchaus einem Zeitgeist entsprach.

Weiter im Text von Olaf Möller und zum pdf der Filmreihe mit allen Titeln und Terminen.

Der Text ist erstmals – ohne die aktuelle Ergänzung – 2019 im Programmheft des Stadtkinos Basel erschienen.

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