leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

Hong Sangsoo

Hong Sangsoo - Retrospektive | Reprise

Hong Sangsoos Filme sind schon lange nicht mehr »schön«, egal ob in Farbe oder in Schwarz-Weiß. Am Anfang seines Werks, bei Filmen wie THE DAY A PIG FELL INTO THE WELL oder WOMAN IS THE FUTURE OF MAN, war das noch anders. Da legte ein Regisseur Wert auf Können, Handwerk, gut komponierte Bilder; das passte alles noch in den Rahmen des Arthouse- Kinos, das nicht in den Kinos, aber auf den wichtigen Festivals der Welt dominiert. In diesen Rahmen passt Hongs Kino, obwohl es auf den Festivals nach wie vor, wenn nicht stärker denn je, präsent ist, nicht mehr. Es hat sich radikalisiert, und zwar durch Vereinfachung der Spiel-Elemente, die Entwicklung hin zu einem immer forcierteren Minimalismus, der auf jeden rhetorischen Schmuck verzichtet.
Die Elemente des Kinos von Hong sind, wie es sich für einen Minimalisten gehört, denkbar einfach, auf den ersten Blick jedenfalls – und sie sind so stabil, dass jede Abweichung auffällig ist. Zum Beispiel die Vorspänne und, davon nicht zu trennen, die Musik. Die erste Setzung meist nur die Tafel: grauer, weißer, farbiger Grund, darauf die Schriftzeichen, nicht streng, sondern lässig, handschriftlich, mit Schwung. Darunter, dazu die Musik, oft bekannte, fast schon zu bekannte Passagen klassischer Musik, Beethoven, Schubert. Es sind aber hier die Motive, die Melodien, die zählen, nicht die Komposition und nicht die Struktur. Stets ist die Musik einstimmig, simpel gespielt, in den jüngeren Filmen stammt sie gar von Hong Sangsoo selbst, denkbar unvirtuos auf der Gitarre gespielt. Die Musik kehrt wieder, nicht als Leitmotiv im musikalischen Sinn, sondern als Signal, das eine Zäsur, Abbrüche, Unterbrechungen, Neuanfänge anzeigt, oder auch nur die nächste Runde im gleichen Spiel.
Dann die ersten Einstellungen. Manchmal beginnt es mit einem Naturbild, einem Blick zum Beispiel nach oben, der eine Stimmung setzt; das ist ein Bild, mit dem der Film seine Augen öffnet, mit dem er aber noch keine Geschichte in Gang bringt. (Diese Bilder kehren manchmal wieder wie die Signale der Musik, als Zäsuren, aber auch in der Nähe zu dem, was man in Ozu Yasujirôs Kino pillow shot genannt hat, Momente der Schwebe, die im Kontext herzzerreißend sein können, in denen sich die Erzählung aber an einer Art Stillstands- und Nullpunkt ausruhen kann.) In Gang kommen aber muss die Geschichte, so will es das Hong-Kino, und in Gang kommen wird sie, im nächsten Zug schon, der eine Figur zeigt, oft genug auf der Straße, eine Figur, die (meist) gehend, auch sitzend, auch stehend, eingeführt wird.
Sie hat, meist früher als später, eine Begegnung, die sich mit den ersten Dialogsätzen als Wiederbegegnung herausstellen kann; oder als Täuschung; oder es lässt sich, wie in YOURSELF AND YOURS, nicht entscheiden, ob sich hier jemand täuscht oder jemand den anderen täuscht. Die Begegnung, aus der sich etwas entwickelt (und manchmal auch nichts), ist das Basiselement, was auch heißt: Das Sich-Begegnen hat gegen alle Narration immer auch ein starkes Eigengewicht. Wer sich begegnet, kommt ins Gespräch, setzt sich ins Restaurant oder Café, redet, trinkt, begegnet sich wieder. Früher oder auch später.

Weiter im Text von Ekkehard Knörer und zum pdf der Filmreihe mit allen Titeln und Terminen.

Wiederaufnahme und Fortsetzung der Retrospektive Hong Sangsoo von 2012. Nach 12 Filmen damals nun 16 neue Filme. Mehrere davon sind mittlerweile im regulären deutschen Verleih, und es gibt das erste deutschsprachige Buch zu Hong. Eine gute Perspektive für die nächsten 10 Jahre … Dank für die Zusammenarbeit an das Österreichische Filmmuseum Wien, an Grandfilm, Nürnberg, und an Filmgarten, Wien.

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