leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

Hong Sangsoo

Hong Sangsoo – Premiere & Preview

Im Jahr 2012 zeigte das Filmmuseum eine komplette Retrospektive der Filme von Hong Sangsoo – damals bestand das Werk aus 12 Langfilmen. In den 10 Jahren seither hat Hong mit einer erstaunlichen Produktivität weitergearbeitet – mittlerweile gibt es weitere 15 Langfilme, und zwei ganz neue Filme werden bei den Festivals in San Sebastian, Toronto und (vielleicht?) Wien oder Berlin Premiere haben. Es ist also Zeit für »Hong Sangsoo II« – ab Dezember 2022 wird das Filmmuseum (in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum Wien) die Hong-Retrospektive voraussichtlich fortsetzen. Dieses kompakte Wochenendprogramm nimmt den Deutschlandstart des 27. Films, DIE SCHRIFTSTELLERIN, zum Anlass einer aktuellen Bestandsaufnahme und einer Vorschau zum zweiten Teil der Retrospektive.

In DIE SCHRIFTSTELLERIN tritt, wie oft bei Hong Sangsoo, ein Filmregisseur auf. Rein zufällig begegnet er der Protagonistin, er und seine Frau sind auf einem Ausflug aus Seoul in die Vorstadt. Auch das, die zufällige Begegnung, ist mehr als normal. Bei Hong laufen sich ständig Leute, die sich von früher kennen, über den Weg. Oder sie kennen sich noch gar nicht, aber wir kennen sie schon, etwas in RIGHT NOW, WRONG THEN, weil der Film die Geschichte einer Zufallsbegegnung zweier Menschen zweimal erzählt. Und egal, ob sie sich bereits kennen oder noch nicht: Meistens gehen sie gemeinsam etwas essen, wichtiger: trinken. Sie schweigen und reden, werden in der Regel langsam aber heftig betrunken, sagen oder tun Dinge, die ihnen später vielleicht peinlich sein werden. Lange, oft sehr lange gehen diese Szenen, mal wird auf die eine Person, mal auf die andere gezoomt, mal geht man nach draußen, zum Beispiel zum Rauchen, oft ist es kalt, kann sein, dass es schneit.
Die Schriftstellerin spricht mit dem Regisseur, sein Name ist Park, auch über sein Werk. Die Sache ist, zeigt sich bald, etwas heikel, da sein Versuch, einen ihrer Romane zu verfilmen, einst gescheitert ist. Man spürt, sie gibt ihm daran die Schuld. Das Gespräch bewegt sich ins Allgemeinere, die Kritiker, berichtet Park, haben eine Veränderung in seinem Werk festgestellt, es sei nun, er sucht nach Worten, und findet dies: »klarer«. Anderer Film, andere Szene, IN FRONT OF YOUR FACE: hier sitzen ein Regisseur und eine Frau an einem Tisch, essen und trinken. Er will einen Film mit ihr drehen, die als junge Frau Schauspielerin war, es aber schon sehr lange nicht mehr ist. Bei seinen Filmen sagt nun dieser andere Regisseur, handle es sich, jedenfalls werde das oft so beschrieben, in literarischen Genres gesprochen, um so etwas wie »Kurzgeschichten«.
Ganz sicher sollte man beides nicht als Selbstaussagen Hong Sangsoos über sein eigenes Werk nehmen, so wenig, wie die vielen, vielen Regisseure in seinen Filmen einfach Selbstporträts sind. Er hat immer wieder betont, das sei ein Beruf und es seien Figuren, die er aus dem eigenen Leben nun einmal kennt, darum treten sie so häufig bei ihm auf. Hong ist keiner, der sich weit aus den eigenen Wirklichkeiten entfernt. Das Material seines Werks ist ihm nah, es ist, in gewisser Weise, sogar immer das gleiche: Immer wieder die Regisseure, immer wieder die zufälligen Begegnungen, immer wieder das Essen und Trinken, immer wieder das Peinliche und das Banale, immer wieder die trunkene Rede, immer wieder das ziellose Sprechen, immer wieder auch nicht ganz erklärliche Blindstellen, Rätsel. Unendlich vertraut sind all diese Dinge bei Hong, unendlich oft wiederholt, aber eben auch: in immer wieder neuen, im Detail überraschenden Variationen.

Weiter im Text von Ekkehard Knörer und zum pdf der Filmreihe mit allen Titeln und Terminen.

Zum aktuellen Spielplan


Besuchsinformation

Öffnungszeiten

Dienstag - Sonntag 10.00-18.00 Uhr
Montags geschlossen

MittwochAbendGeöffnet!
Jeden 2. Mittwoch im Monat sind ausgewählte Ausstellungen des Münchner Stadtmuseums bis 20.00 Uhr geöffnet.

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag - Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag - Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 17.00 Uhr

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

S/U-Bahn Station Marienplatz
U-Bahn Station Sendlinger Tor
Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz

Kontakt

St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Tel. +49-(0)89-233-22370
Fax +49-(0)89-233-25033
E-Mail stadtmuseummuenchende
E-Mail filmmuseummuenchende

Kinokasse Tel. +49-(0)89-233-24150

Stadtcafé Tel. +49-(0)89-26 69 49