
Frank Capra
Frank Capras Traum von Amerika

Eine breit angelegte Retrospektive der Werke Frank Capras ist mehr als ein Blick in die Filmgeschichte. Sie ist eine Rückschau auf ein Amerika, das es vielleicht nie gab und das zur Zeit seiner Filme nicht weniger ein idealisierter Wunschort war als heute. »Vielleicht glaubten wir all die Jahre gar nicht an Amerika, sondern an Frank Capra«, meinte John Cassavetes, Regisseur in der Generation des New Hollywood. Capra, gerne missverstanden als sentimentaler Erzähler von Aufstiegsgeschichten und »kleinen Leuten«, besaß in Wahrheit politischen Instinkt, stilistisches Feingefühl und ein Bewusstsein für ideologische Spannung. Seine Filme bauen auf die Dialektik von Pathos und Paranoia, von menschlicher Wärme und Machtkritik, von Glaube und Manipulation.
Francesco Rosario Capra wird am 18. Mai 1897 im sizilianischen Bisacquino geboren. Als Sechsjähriger emigriert er mit seiner Familie in die USA – in einem Schiffsbauch der Dritten Klasse, im Gedränge zwischen Hoffnung und Krankheit. Die Familie lässt sich in Los Angeles nieder, wo der Vater als Obstverkäufer arbeitet. Capras autobiografische Skizzen dieser Zeit sind geprägt von Entbehrung und Beschämung, gar von Hass auf die neue Heimat und ihre Ungerechtigkeiten, aber auch von einer brennenden Bewunderung für das neue Land und seine Möglichkeiten. Er studiert Chemie am heutigen California Institute of Technology, finanziert durch Gelegenheitsjobs, Stipendien und die Opfer seiner Familie. Er kämpft sich durch – nicht unbedingt wie ein Held seiner späteren Filme, sondern mit zweifelhaften Jobs und sogar Betrügereien. Zum Film findet er über Umwege: Nach dem Ersten Weltkrieg bekommt er mit Regieassistenzen, Kurzfilmen und vor allem als Schreiber von Gags einen Fuß in die Tür, seine Filme mit dem Komiker Harry Langdon haben entscheidenden Anteil an der Ausgestaltung von Langdons unschuldig-naiver Leinwand- Persona, und Capra entwickelt sein Gespür für Tempo, Rhythmus, Körpersprache und Pointierung. Ab 1928 inszeniert er mehrere Stumm- und Tonfilme für die damals noch unbedeutenden Columbia Pictures. Anders als viele seiner Kollegen meistert er den Übergang zum Tonfilm scheinbar mühelos: Capra versteht Dialog sofort als dramaturgisches Werkzeug, seine Figuren sprechen schnell, scharf und rhythmisch – der Tonfilm wird bei ihm zum Beschleuniger von Charakterentwicklung und Konflikt, nicht zum Hemmschuh.
Seine Stumm- und Tonfilmerfolge wenden nicht nur den Bankrott der Columbia Pictures ab, sondern lassen inszesie in die Riege der Major Studios aufsteigen. Der autoritäre, gefürchtete, wirtschaftlich brillante Studiochef Harry Cohn weiß, was er an Capra hat, und bietet ihm eine künstlerische Plattform, auf der er seinen Stil entwickelt. Mit Jack Holt und Ralph Graves dreht er mitreißende Actionfilme, mit Barbara Stanwyck entsteht ein ganzer Zyklus von Filmen, die offen Doppelmoral und Sexismus attackieren. Die Screwball-Komödie IT HAPPENED ONE NIGHT (1934) wird ein Sensationserfolg: fünf Oscars, darunter Beste Regie und Bester Film. Es ist der Beginn einer Reihe von Filmen, die Capra zum beliebtesten und zugleich einflussreichsten Regisseur Hollywoods machen.
Zum gesamten Text von Christoph Michel und zum pdf der Filmreihe mit allen Titeln und Terminen.
Besuchsinformation
Öffnungszeiten
Interimsausstellung “What the City. Perspektiven unserer Stadt” im historischen Zeughaus
Dienstag–Sonntag 11.00-19.00 Uhr
Eintritt frei
Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag / Mittwoch 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag / Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 17.00 Uhr
Das restliche Museum ist aufgrund der Generalsanierung aktuell geschlossen.
Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln
S/U-Bahn Station Marienplatz
U-Bahn Station Sendlinger Tor
Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz
Kontakt
St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
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