leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

FilmWeltWirtschaft

"Nicht locker lassen": Filme und Diskussionen

Die Widerstandskraft der Protagonist*innen, ein „Nicht locker lassen“ bei ihrer Mission, ist das, was die fünf ausgewählten Filme am ehesten miteinander verbindet. Sei es die streitbare Richterin Ruth Bader Ginsburg, die Zeit ihres Lebens für die Gleichstellung der Frau gekämpft hat (RBG) oder die drei jungen Aktivistinnen, die in ihren Ländern für ihre Überzeugungen auf die Straße gehen und sich dabei durchaus auch in Lebensgefahr begeben, wie es DEAR FUTURE CHILDREN zeigt. Eine leisere Form von Widerstand ist es, unser Wirtschaftssystem grundsätzlich zu hinterfragen und sich nicht als lästige Fragestellerin abwimmeln zu lassen, wie es Carmen Losmann in ihrem investigativen Dokumentarfilm OECONOMIA gelungen ist. Ebenfalls hartnäckig und mit einem guten Sinn für Humor erlangte Darío aus Ecuador die deutsche Staatsbürgerschaft. Sein Film IM LAND MEINER KINDER zeigt den langen Weg dahin: Als Krönung wird ihm in Hamburg eine Urkunde vom jetzigen Bundeskanzler überreicht. Der einzige Spielfilm der Reihe, SORRY WE MISSED YOU von Ken Loach, zeigt die menschenverachtenden Folgen des modernen Kapitalismus am Beispiel eines Paketdienstleisters, der als Soloselbstständiger in die Fänge des Systems gerät. Alle ausgewählten Filme waren in Deutschland bereits im Kino zu sehen, aber fast immer nur punktuell und pandemiebedingt zum Teil mit langen Unterbrechungen kurz nach ihrem Starttermin. Das Kino ist immer noch der beste Ort, Filme gemeinsam zu sehen und zu diskutieren – dazu wurden Expert*innen zum Thema Arbeit, Migration und Wirtschaft zu den Vorführungen eingeladen. (Claudia Engelhardt)

 

RBG (RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit)
US 2018 | R:+B: Julie Cohen, Betsie West | K: Claudia Raschke | M: Miriam Cutler | 98 min | OmU | RBG -- Ruth Bader Ginsburg, diese unglaublich energische, kluge und auch humorvolle jüdische Frau, hat als Anwältin und Richterin in den USA mit unerschütterlicher Energie Meilensteine im Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter gesetzt. Als eine von nur neun Studentinnen an der Harvard Law School und eineder ersten Jura-Professorinnen der USA errang sie ihre größten Erfolge in den 1970er Jahren. Als Richterin am Supreme Court, die von einem demokratischen Präsidenten ernannt wurde, war sie für Donald Trumpdas personifizierte Böse. Für andere ist sie, die zierliche Frau mit der dominanten Brille, eine Pop-Ikone. Den Regisseurinnen gelingt mit RBG das beeindruckende Porträt einer schlagfertigen Frau, das sie sowohl als kämpferische Juristin zeigt, als auch als Privatperson im Gespräch mit Studentinnen, bei Übungen im Fitnesscenter und zu Hause mit ihrem Mann Martin Ginsburg. Der war zu ihrem Glück seiner Zeit weit voraus und hat sie entgegen aller gängigen Klischees immer in ihrem Beruf unterstützt.
Donnerstag, 20. Januar 2022, 19.00 Uhr
Diskussion: Charlotte Lerg (LMU)

 

Oeconomia | DE 2020 | R+B: Carmen Losmann | K: Dirk Lütter | M: Peter Rösner | 86 min | Am Anfang steht die einfache und – auch von Fachleuten – doch so schwierig zu beantwortende Frage „Wie kommt das Geld in die Welt?“ Carmen Losmann stellt sich als investigative Filmemacherin selbst die Aufgabe, unser Wirtschaftssystem zu verstehen und befragt diverse Fachleute zum (Tabu)Thema Geld. Das Ergebnis ist ernüchternd, denn „Profit ist eine zwingende Triebkraft für wirtschaftliche Aktivität.“ Wie bereits in ihrem Film WORK HARD – PLAY HARD (2011) gelingt es der Regisseurin auch hier, auf einzigartige Weise für ein sprödes Thema eine klare, faszinierende Bildsprache zu finden. Die transparente Glasarchitektur der Banken und Einkaufszentren täuscht dabei, denn die Filmemacherin steht oft genug vor geschlossenen Türen – daher werden Telefonprotokolle und Computergrafiken in den Film integriert. Heute, knapp fünfzehn Jahre nach der globalen Finanzkrise 2008, steht am Ende noch immer die Frage: „Was kollabiert zuerst - das Ökosystem der Erde oder der Kapitalismus?“
Freitag, 21. Januar 2022, 19.00 Uhr,
Diskussion: Martin Schmidt-Bredow (Ökonom)

 

Im Land meiner Kinder
DE 2018 | R+B: Darío Aguirre | K: Helena Wittmann, Darío Aguirre | M: Sven Kacirek | mit: Darío Aguirre, Stephanie Tonn, César Aguirre, Mariuxi Guevaraj Andreas Tonn, Christa Tonn | 88 min | OmU | Eigentlich war Darío nur wegen Stephanie aus Ecuador nach Deutschland gekommen, aber die Behörden gehörten vom ersten Tag zu ihrer Beziehung dazu. In den folgenden 15 Jahren sollten sie Darío insgesamt zehn Visa ausstellen – eine lange Spur aus Papieren, Stempeln, Genehmigungen und Einschränkungen verband Darío mit Deutschland und hielt ihn doch auch immer auf Abstand. Und dann das: Olaf Scholz, seinerzeit Erster Bürgermeister von Hamburg, lädt ihn ein, Deutscher zu werden. Eine Liebeserklärung? Der Künstler Darío beantwortet die Frage mit diesem liebevoll ironischen Dokumentarfilm, in dem er sich selbst, seinen Vater in Ecuador, die deutschen Eltern seiner Frau und andere befragt. Was macht die eigene Identität aus? Welchen Stellenwert haben Sprache und Kultur und wie verändern sie sich? Es ist ein verschlungener Weg vom Land seiner Väter in das Land seiner Kinder.
Samstag, 22 Januar 2022, 17.00 Uhr, Diskussion: Tunay Önder (Migrationsforscherin)

 

Sorry We Missed You
GB 2019 | R: Ken Loach | B: Paul Laverty | K: Robbie Ryan | M: George Fenton | D: Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone, Katie Proctor, Ross Brewster | 101 min | OmU | Ricky ist ein weiterer typischer Held in Ken Loachs filmischem Universum: ein stolzer Selfmademan aus der unteren Mittelschicht, der sich für nichts zu schade ist, um seine Familie ohne staatliche Hilfe durchzubringen. Das Angebot, als Franchisenehmer eines Paketlieferdienstes sein eigener Chef sein zu können, erscheint ihm nur allzu verlockend. Also kauft er einen eigenen Lieferwagen. Seine Frau Abbie erledigt ihre Altenpflegebesuche fortan mit dem Bus. Beiden fehlt dabei die Zeit für alles andere, besonders für ihren pubertierenden Sohn. Am Ende ist Ricky ein Gefangener in seinem eigenen Lastwagen. Dies sei, so Loach, keine extreme Geschichte, sondern bittere Realität für Millionen von Menschen, da die politischen Verhältnisse es erlauben. Gedreht wurde mit Laien und Schauspieler*innen in Newcastle im Norden Englands. „Die Geschichte könnte überall spielen, aber Newcastle ist gut, weil dort die alten Industrien wie Kohle, Stahl und Schiffbau verschwunden sind. Es gibt eine lange Tradition von Arbeitskämpfen, der Dialekt ist sehr stark, die Sprache ist komisch, sie haben eine Fußballmannschaft, Newcastle United, die jeder unterstützt.“ Der Filmtitel bezieht sich auf die Benachrichtigungskarte der Paketboten, wenn die Empfänger nicht zu Hause angetroffen wurden.
Samstag, 22. Januar 2022, 20.00 Uhr, mit anschließender Diskussion

 

Alien Cowboy – Report from Planet Earth | DE 2021 | Dr. O | 3 min | engl. OF
Ein Alien besucht die Erde und hat Schlimmes zu berichten. Bitterböses Bluegrass-Musikvideo vor idyllischer Kulisse vom “social singer” Dr. O’Yomio.
Zu Gast: Dr. O’Yomio

Dear Future Children
DE 2021 | R: Franz Böhm | S: Daniela Schramm Moura | K: Friedemann Leis | M: Hannes Bieber, Leonard Küßner | 92 min | Engl. OmU | Während immer mehr Menschen weltweit gegen bestehende Systeme und Normen protestieren, dokumentiert der Film das Aufbegehren dreier junger Aktivistinnen, die im Zentrum dieser politischen Wende stehen. Ihr Kampf findet oftmals an vorderster Front statt und ist mit einem hohen Risiko verbunden. Rayen protestiert in Chile für soziale Gerechtigkeit. Pepper setzt sich in Hongkong für den Fortbestand der Demokratie ein. Hilda engagiert sich in Uganda gegen die verheerenden Folgen des Klimawandels. Angesichts der schieren Aussichtslosigkeit und der fatalen Auswirkungen ihrer politischen Arbeit auf die persönlichen Leben der drei Frauen versucht der Film zu ergründen, warum sie trotz aller Widerstände weiterkämpfen. Der Debütfilm kam durch Crowdfunding zustande.
Sonntag, 23. Januar 2022, 17.00 Uhr

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