leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

Film und Psychoanalyse: Verlangen

Film und Psychoanalyse: Verlangen

Verlangen – das reicht vom ambivalenten Sehnen und Begehren, weit über Sex hinaus, bis zum entschiedenen Fordern. Als irisierende Vorlust richtet das Verlangen sich auf den schönen Körper und dessen ökonomische wie narzisstische Aufladung (AMERICAN GIGOLO), kann sich aber ebenso als psychosexuelles Machtspiel entfalten, in dem Begehren und Kontrolle ununterscheidbar werden (BASIC INSTINCT). Es zeigt sich als bewusst begrenzte, anonymisierte Nähe, die Intimität gerade durch ihre formalisierten Regeln erzeugt (INTIMACY) und geht schließlich eine enge Verbindung mit Misstrauen, Paranoia und Gefahr ein (NOTORIOUS/Berüchtigt). In all diesen Varianten erweist sich Verlangen als ein Kippphänomen, bei dem Anziehung und Bedrohung eng verbunden sind und in einen bisweilen verhängnisvollen Sog münden.
Corinna Wernz

Intimacy | Großbritannien 2001 | R: Patrice Chéreau | B: Patrice Chéreau, Anne-Louise Trividic | K: Eric Gautier | M:Eric Neveu | D: Mark Rylance, Kerry Fox, Timothy Spall, Marianne Faithfull, Susannah Harker | 117 min | engl. OmU | INTIMACY, der den Wettbewerb der 51. Berlinale gewann, ist ein Film, der buchstäblich unter die Haut geht: Claire sucht jeden Mittwoch den etwas prekär lebenden Barkeeper Jay in seiner Wohnung auf, in der sich die beiden dann ohne viele Worte leidenschaftlich lieben. Sie wissen nichts voneinander, nicht einmal die Vornamen, sind ganz normale Leute mit normalen Körpern, die Bilder vom Sex ungeschönt und freizügig. Die unausgesprochene Verabredung, die der Mann schließlich bricht, und die die intensiven sexuellen Begegnungen möglich macht, lautet, nicht »mehr« zu wollen, nicht in das Leben des anderen einzudringen. An einem Mittwoch jedoch folgt Jay Claire durch London und zerstört mit seiner angeblich zufälligen Annäherung an Claires Ehemann Andy letztlich die Beziehung. Nicht zufällig ist dieser Andy wenig attraktiv, im Gegensatz zum äußerst männlichen Jay (Mark Rylance). Der Film lotet mit unruhigen, körnigen und realistischen Handkamera-Bildern Fragen von sexueller Anziehung und Liebe, Erotik und Begehren, Verlässlichkeit und Bindung, Vertrauen und Hingabe aus. Ist es nicht einfach normal, sich zu verlieben, wenn die körperliche Anziehung und die Befriedigung so stark sind?
Sonntag, 19. April 2026, 18.00 Uhr
Einführung: Eva Friedrich, Katharina Leube

Basic Instinct | USA 1992 | R: Paul Verhoeven | B: Joe Eszterhas | K: Jan de Bont | M: Jerry Goldsmith |D: Sharon Stone, Michael Douglas, George Dzundza, Jeanne Tripplehorn, Leilani Sarelle, Dorothy Malone | 128 min | OmU | Krimihandlung und Begehren verschränken sich in ein psychosexuelles Machtspiel, ein Spannungsfeld von sexueller Anziehung, Kontrollverlust und Todesangst. Im Zentrum steht Detective Nick (Michael Douglas), dessen Impulsivität in der Begegnung mit der verdächtigen Krimiautorin Catherine (Sharon Stone) angestachelt wird. Catherine wirkt wie eine Fantasiegestalt, vielfach begehrt und zugleich berechnend manipulativ. Sie inszeniert eine phallische Weiblichkeit, die sich der symbolischen Ordnung entzieht und damit Macht- und Geschlechterverhältnisse durcheinanderwirbelt. Die narrative Doppeldeutigkeit des Films zwingt das Publikum bis zuletzt in einen Zustand psychischer Unsicherheit. Nur eines ist klar: Lust und Begehren entstehen, wo Kontrolle und Identität zu zerfallen beginnen.
Sonntag, 3. Mai 2026, 18.00 Uhr
Einführung: Vivian Pramataroff-Hamburger, Andreas Hamburger

American Gigolo (Ein Mann für gewisse Stunden)| USA 1980 | R+B: Paul Schrader | K: John Bailey| M: Giorgio Moroder | D: Richard Gere, Lauren Hutton, Hector Elizondo, Nina van Pallandt, Bill Duke | 112 min| OmU | Callboy Julian Kaye (Richard Gere) weiß das Verlangen seiner reichen Kundinnen zu bedienen: Nicht nur seinen schönen Körper trainiert er gewissenhaft – auch geschmackssichere Eleganz, Sensibilität und humorvolle Kultiviertheit setzt er klug ein. Gleichzeitig umgibt ihn kühle, egozentrische Unberührbarkeit und er ist hart-professionell in seinen Preisverhandlungen mit Zuhälter Leon (Bill Duke) und Zuhälterin Anne (Nina van Pallandt). Als er jedoch in einen schlüpfrigen Mordfall verwickelt wird, zerfällt das Gleichgewicht seines Geschäftsmodells schnell: Frauen lassen ihn im Stich, Männer werden nun sichtbar zu Gegenspielern. Und die Zuschauer, die zunächst, unterlegt vom jubelnden Blondie-Moroder-Hit »Call me« an dieser faszinierend moralfreien Existenz voyeuristisch teilhatten, stellen sich nun mit Julian die Frage, ob ihn die ernsthafte Liebe zur schönen Senatorengattin Michelle Stratton (Lauren Hutton) retten kann. Wir werden also Zeugen einer Läuterung – hin zur Konvention.
Sonntag, 7. Juni 2026, 18.00 Uhr
Einführung: Matthias Baumgart

Notorious (Berüchtigt) | USA 1946 | R: Alfred Hitchcock| D: Ben Hecht, Alfred Hitchcock | K: Ted Tetzlaff | M: Roy Webb | Mit: Gary Grant, Ingrid Bergman, Claude Rains, Louis Calhern, Leopoldine Konstantin, Reinhold Schünzel | 98 min | OmU | Das Verlangen ist in diesem Hitchcock-Klassiker vielfältig und konflikthaft: Der amerikanische Geheimagent (Cary Grant) verliebt sich in die Agentin (Ingrid Bergman) und veranlasst sie, sich dem deutschen Nazi (Claude Rains) als Ehefrau anzubieten, zweifelt an ihrer Wahrhaftigkeit und trägt sie schließlich, als sie durch einen Giftanschlag der Untergrundnazis dem Tode nahe ist, in einer legendären Retter-Szene aus dem Haus des verliebten Täters. Die Verlangens-Motive aller Beteiligten sind vielfältig: Sie schwanken zwischen Pflichtgefühl und Leidenschaft, reichen von Misstrauen bis zu Paranoia und Begehren, gipfelnd in einer ekstatisch langen Kussszene, dann wieder Eifersucht und gespielter Kälte – und all das vor dem Hintergrund von Uranschmuggel und einer Verschwörung von Exilnazis in Lateinamerika. Das düstere Schwarz-Weiß des Films und die Unheimlichkeit beschwörenden Kameraeinstellungen und -fahrten intensivieren den Eindruck des bedrohten Verlangens.
Sonntag, 5. Juli 2026, 18.00 Uhr
Einführung und Moderation: Salek Kutschinski und Mathias Lohmer

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Besuchsinformation

Öffnungszeiten

Interimsausstellung “What the City. Perspektiven unserer Stadt” im historischen Zeughaus
Dienstag–Sonntag 11.00-19.00 Uhr
Eintritt frei

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag / Mittwoch 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag / Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 17.00 Uhr

Das restliche Museum ist aufgrund der Generalsanierung aktuell geschlossen.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

S/U-Bahn Station Marienplatz
U-Bahn Station Sendlinger Tor
Bus 52/62 Haltestelle St.-Jakobs-Platz

Kontakt

St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Tel. +49-(0)89-233-722370
E-Mail stadtmuseum(at)muenchen.de
E-Mail filmmuseum(at)muenchen.de

Kinokasse Tel. +49-(0)89-233-724150

Informationen zur Von Parish Kostümbibliothek in Nymphenburg