Film und Psychoanalyse

DurchBruch

»Als meinen einzig sicheren Besitz empfinde ich das Gefühl der inneren Freiheit« (Stefan Zweig).

Durchbruch wird in der Alltagssprache meist mit Erfolg assoziiert – jemand erlebt seinen Durchbruch als Künstler oder Wissenschaftler oder aber auch mit Bedrohung und Krankheit, z.B. bei einem »Blinddarmdurchbruch«. Meist weckt der Begriff gewaltsame Bildassoziationen wie das Durchbrechen von Wänden und Felsen, aber auch Vorstellungen von Grenzen und Tabus, die überwunden werden sollen. Psychisch wird ein Durchbruch als äußerst konflikthaft erlebt, oft verbunden mit zwischenmenschlichen, sichtbaren Auseinandersetzungen, etwa bei einem Coming-out. Dabei geht es sowohl um die Befreiung von äußeren Zwängen, seien diese gesellschaftlicher oder politischer Natur, als auch um das Erkennen innerer Fesseln, deren Durchtrennen das Gefühl von Freiheit, aber auch von Verlusten bedeutet. Diese Thematik wollen wir in den vorgestellten Filmen veranschaulichen. In COLD WAR sind wir Zuschauer einer leidenschaftlichen Liebe und verfolgen deren (Nicht-)Erfüllung vor dem Hintergrund der Nachkriegszeit. JULES ET JIM versetzt uns in die Belle Époque, in eine ménage à trois, die zunächst luftig-leicht, gesellschaftliche Normen ignorierend beginnt, letzt-lich aber scheitert und in eine Tragödie mündet. Mit THELMA & LOUISE erweitert Ridley Scott die bis dato den Männern geltende Domäne des Roadmovies und Western: Es geht um das Erleben einer Frauenfreundschaft, um Selbstfindung und radikale Befreiung von äußeren und inneren Zwängen. In MR. MORGANS LETZTE LIEBE bezeichnet der gealterte Matt (Michael Caine) Pauline als »Riss in meiner Welt«. Auch hier nehmen wir Zuschauer teil an der Auflösung eines bisher unhinterfragten Selbstbilds als zukunftslosem Menschen. Bernhard Sinkels MÄDCHENKRIEG zeigt uns in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs sich stark unterscheidende Biografien im Schatten eines Zivilisationsbruchs.

Irmgard Nagel

Zum Programm der Filmreihe (20. Oktober 2019 - 23. Februar 2020)

 

Nächster Termin:

Thelma & Louise
USA 1991 | R: Ridley Scott | B: Callie Khouri | M: Hans Zimmer | D: Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt | 129 min | OmU | Zwei Freundinnen fahren im Thunderbird zum Angeln. Als ein Mann versucht, Thelma zu vergewaltigen, erschießt Louise ihn, und beide fliehen Richtung Mexiko. Auf der Flucht werden sie ausgeraubt, überfallen einen Laden, nach ihnen wird gefahndet. Der Schluss ist bekannt: Zwei glorreiche Halunkinnen fliegen über den Grand Canyon. Ein Durchbruch war THELMA & LOUISE allemal. Zum ersten Mal waren zwei Frauen auf einem Roadtrip, ohne sich gleich wieder an Männer zu binden; zum ersten Mal waren sie die lustvollen Outlaws, während die Männer, auf Nebenrollen verwiesen, das statische Element vertreten; und zum ersten Mal hinterfragte ein Publikumsfilm mit seinen kräftig gezeichneten Buddy-Charakteren die von der feministischen Filmkritik schon längst kritisierten Rollenstereotypen. Auch im Elfenbeinturm der Psychoanalyse war der Film ein Durchbruch: Plötzlich waren Filme zur weiblichen Entwicklung Mainstream-Thema. Auf Publikum wie Kritik wirkte der Film deutlich polarisierend. Er inszeniert Wunsch- und Angstphantasien, Mütterlichkeit und Adoleszenz, Sexualität und Freundschaft.

Sonntag, 19. Januar 2020, 17.30 Uhr
Einführung: Andreas Hamburger, Vivian Pramataroff-Hamburger


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