Dagmar Knöpfel

Online-Retrospektive

Dagmar Knöpfel (geboren 1956 in Heilbronn) studierte an der LMU München Kunstgeschichte, Geschichte, Archäologie und Soziologie, bevor sie 1988 ihr Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) begann. Seit 1989 arbeitet sie als Autorin, Regisseurin und Produzentin.

„Filme machen heißt für mich kommunizieren mit fremden Menschen, die in einem Kino zusammenkommen. Menschen die die Bilder des auf die Leinwand projizierten Films auf sich wirken lassen und darauf emotional oder intellektuell reagieren. Das Filmmuseum in München und seine Filme waren meine ‚Kinderstube‘, während der Jahre meines Studiums quasi mein zweites Wohnzimmer. DVDs gab es in den 1980er Jahren ja noch nicht, und schon gar nicht waren Filme digital verfügbar, jederzeit und überall.
Einen Film zu realisieren ist für mich jedesmal ein Abenteuer, das Erkunden von etwas Neuem, und zwar sowohl inhaltlich als auch formal. Und es ist auch immer eine Auseinandersetzung mit Raum und Zeit. Mich interessieren vor allem Randgebiete, Themen, die nicht im Brennpunkt liegen, die nicht dem Zeitgeist entsprechen. Es interessiert mich mehr die Realität und das Dokumentarische, nicht so sehr die Sensation, das Dramatische. Film als Erforschung der Geschichte der Emotionen, Literatur als Inspiration für Filme, Frauengeschichten, die einen Platz einnehmen wollen in der Welt, den Blick schärfen, das Sichtbarmachen von Vergessenem, die Beschäftigung mit den historischen Ursprüngen unserer modernen weiblichen Identität ... vielleicht auch ein weiblicher Blick?“ 
(Dagmar Knöpfel, März 2021)

Filmmuseum München Online. Der Zugang ist kostenfrei. Nähere Informationen zu den Filmen erfahren Sie über unseren Newsletter, der wöchentlich verschickt wird.

Donnerstag, 01. April bis Montag, 05. April 2021
Brigitta | Deutschland 1994 | Regie + Drehbuch + Produktion + Schnitt: Dagmar Knöpfel; nach der Novelle von Adalbert Stifter | Kamera: Miklós Gurbän | Musik: Lajos Wohner, Tibor Thüringer | Besetzung: Éva Igó, Carl Achleitner, Tamás Jordán, Klaus Händl, Zoltán Gera | 78 Minuten

In der Mitte des 19. Jahrhunderts macht sich ein junger Maler auf den Weg, seinen Freund, den Major István Murai, in Ungarn zu besuchen. Dabei eröffnet sich ihm ein völlig neues Leben. Er ist gebannt von den Schönheiten der Natur, lässt sich Zeit für seinen Weg und erreicht erst nach Umwegen und mit Hilfe einer geheimnisvollen Reiterin das entlegene Landgut seines Freundes. Der Name der Reiterin: Brigitta. Der Major lebt scheinbar glücklich in seiner Einsamkeit. Doch mit der Zeit dringt sein Geheimnis nach außen, auf dessen Auflösung auch der Maler insistiert. Regisseurin Dagmar Knöpfel schuf ein Werk, das mit seinen starken Schwarz-Weiß-Bildern bis heute nichts von seiner enormen elegischen Kraft verloren hat. Der Film wurde ausschließlich an Originalschauplätzen in Ungarn gedreht.

„Bei BRIGITTA, der Verfilmung der gleichnamigen Erzählung von Adalbert Stifter, ging es darum einen Film zu schaffen, in dem die Natur, der natürliche Raum gleichsam als Hauptfigur agiert, gleichrangig mit den Menschen. So fiel meine Wahl auf Stifters Text. Die Natur als Hauptdarstellerin in einem Schwarzweiß-Film im altmodischen Normalformat gedreht – es sollte so aussehen, als könnte es sich um einen auf dem Dachboden gefundenen Film handeln – Schöpfer unbekannt. Experimente auch mit dem Ton: nur Originaltöne, Vogelstimmen und Zikaden, im Bild sichtbare Livemusik und – inspiriert vom Stummfilm – die Filmmusik. Der fertig geschnittene Film wurde einem ungarischen Freejazzmusiker stumm vorgespielt. Dieser improvisierte zu den Filmbildern live am Klavier. Im Sinne von à la recherche du temps perdu ... ging es mir auch um eine sinnlich/konkrete Rekonstruktion der Vergangenheit, nicht um den Kostümfilm, sondern um die Schöpfung einer zwar fiktiven Welt, zusammengefügt jedoch ausschließlich aus realen – gesuchten und gefundenen – Elementen der Vergangenheit. Und natürlich auch um eine ganz ungewöhnliche Frau – ein Puzzlestein im Entstehen der modernen Identität der Frau.“ (Dagmar Knöpfel)

Making Of | DE 1994 | Regie + Drehbuch: Dagmar Knöpfel | 11 min
Über die Dreharbeiten von BRIGITTA in Ungarn – in Farbe.

Donnerstag, 08. April bis Sonntag, 11. April 2021
Fließen | DE 1981 | Regie + Drehbuch + Kamera: Dagmar Knöpfel | 7 min
Ein Tag aus| DE 1982/1992 | Regie + Drehbuch: Dagmar Knöpfel |  24 min
Patt | DE 1983 | Regie + Drehbuch: Dagmar Knöpfel | Kamera: Klaus Stanjek | Besetzung: Barbara Petri, Ulrich Kurowski, Kai Arndt | 7 min
Ein Bett mit Passagieren | DE 1984 | Regie: Dagmar Knöpfel | Drehbuch: Daniel Venedey | Kamera: Lutz Konermann | Besetzung: Alya Krupp, Daniel Venedey, Rainer Steffen, Mahmud Aman, Martin Venedey | 24 min
Morgen | DE 1986 | Regie + Drehbuch: Dagmar Knöpfel | Kamera: Volker Maria Arend, Jarek Szoda : Besetzung: Ernst Dietz, Wolfgang Wolter, Helen De Lon, Harm-Behrends Janssen | 22 min


Donnerstag, 15. April bis Sonntag, 18. April 2021
Requiem für eine romantische Frau
DE 1998 | Regie + Drehbuch + Produktion: Dagmar Knöpfel | Deutschland 1998 | Regie+Drehbuch: Dagmar Knöpfel, nach einer Vorlage von Hans Magnus Enzensberger | Kamera: Igor Luther | Musik: Joschi Schumann | Besetzung: Janina Sachau, Sylvester Groth, Jeanette Hain, Felix von Manteuffel, Anian Zollner | 98 min
"Der Film entspringt der Zusammenarbeit mit Hans Magnus Enzensberger, der für den Film ein Treatment schrieb, basierend auf seinem gleichnamigen Briefroman. Die filmische Erforschung der modernen Liebe – das war schon der Ansatzpunkt Enzensbergers und sollte auch der meine werden. Die amour fou, das erste paradigmatische Liebespaar – ein Art Madame Bovary-Geschichte avant la lettre – das Urbild des Melodrams. War bei BRIGITTA die Dramaturgie die eines Puzzles, wählte ich für REQUIEM FÜR EINE ROMANTISCHE FRAU eine spiralförmige Erzählweise: Die Geschehnisse ähneln sich immer wieder und sind doch nicht gleich, da sie sich bereits auf einer neuen Spiralwendung befinden. Und auch hier die Konzentration auf das Dokumentarische: die Originaltexte der Briefe, Originalschauplätze in Deutschland – wir haben an Orten gedreht, die es erst galt zu finden, verborgene Ecken und Räume, vergessene Winkel und nie renovierte Innenräume. Originalkostüme recherchiert im „Journal des Modes“, dem Vogue-Modejournal des 19. Jahrhunderts, und Schnitte geschneidert nach originalen Vorlagen aus einem Kostümmuseum. Kerzenlicht, Feuer und Fackeln, entsprechend der Beleuchtung der historischen Zeit aber wurden auch eingesetzt als Ausdruck des inneren Feuers, der verzehrenden, zerstörerischen Begierde." (Dagmar Knöpfel)

Donnerstag, 29. April bis Sonntag, 2. Mai 2021
Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern | DE 2005 | Regie + Drehbuch: Dagmar Knöpfel | 112 min


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