leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

Claude Sautet

Retrospektive Claude Sautet

Auf dem Pariser Cimetière du Montparnasse sind seit dem frühen 19. Jahrhundert viele berühmte Franzosen beerdigt worden. Die Liste reicht von Alfred Dreyfus über Jean-Paul Sartre bis zu Serge Gainsbourg. Den schönsten Spruch auf dem ganzen Friedhof hat aber vermutlich Claude Sautet auf seinem Grabstein stehen: »Garder le calme!!! Devant la Dissonance!!!«. Sechs Ausrufezeichen, als müsse er sich selbst im Tod noch daran erinnern, im Angesicht der Dissonanzen des Lebens die Ruhe zu bewahren.
Claude Sautet (1924-2000) war zu Lebzeiten kein Star in Frankreich. Zumindest nicht in der Dimension wie seine Regiekollegen von der Nouvelle Vague, wie Godard, Truffaut, Chabrol und die anderen. Diese Jungs kamen ihm wie eine jener geschlossenen Gruppen auf dem Schulhof vor, zu denen kein Außenstehender mehr dazustoßen kann, und zu der er erst spät Kontakt aufnahm. Sautets Filme machten manche Kritiker skeptisch. Die Cahiers du Cinéma druckten immer wieder hämische, ironische Verrisse seiner Filme, zu DIE DINGE DES LEBENS und EIN HERZ IM WINTER zum Beispiel. Man amüsierte sich über seine Protagonisten in der Dauer-Midlifecrisis, die so weit von der Gedankenwelt von 1968 und den Folgejahren entfernt schienen, die das restliche französische Kino fest im Griff hatte. Sautet war folglich kein Name, der besonders oft in kunstbeflissenen Filmgesprächen gefallen wäre.
Das hat sich im Lauf der Jahre – und besonders postum – radikal geändert. Viele seiner Filme sind besser gealtert als andere Klassiker des an Klassikern wahrlich nicht armen französischen Kinos der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Claude Sautet ist heute, ohne Frage, einer der wichtigsten, verehrtesten, am meisten zitierten europäischen Regisseure der Nachkriegszeit. Und das mit einem vergleichsweise schmalen Werk: Er inszenierte in über dreieinhalb Jahrzehnten vierzehn Filme. Die Suche nach einem Stoff, der es Wert war, dass er mehrere Jahre seines Lebens in ihn investierte, fiel ihm nie leicht, denn was er suchte, fühlte sich, wie so vieles im Leben, eher diffus an. »Ich mag«, sagte er, »eine gewisse Art von ungewissen Geschichten«.

Weiter im Text von David Steinitz und zum pdf der Filmreihe mit allen Titeln und Terminen.

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