Aki Kaurismäki

Die Retrospektive

»Die Kunst ist so wie das Gebet eine ins Dunkle ausgestreckte Hand«, sagte Frank Kafka nach Gustav Janouch. Aki Kaurismäkis ausgestreckte Hand ist seit den 1980er Jahren weltweit gerne angenommen worden, von Tokio bis Buenos Aires. Der Name Kaurismäki wurde zu einem Markenzeichen. »Die Welt des Aki Kaurismäki« ist zwar in Finnland entstanden, findet sich aber auch in London, Paris, und Le Havre wieder. Die Grundlage der Vision von Kaurismäki ist sein soziales Gewissen. In Zeiten, in denen der Lebensstandard nach der offiziellen Statistik enorm gewachsen ist, sieht Aki Kaurismäki die Schattenseiten des Wohlstands: Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Einsamkeit. Wie bei Dostoevskij sind Kaurismäkis Helden Außenseiter der Gesellschaft, Antihelden. Sie sind Verlierer, Marginalisierte, Flüchtlinge, Ausgestoßene, Erniedrigte, Menschen, die unerwünscht sind.

Kaurismäkis filmische Mittel orientieren sich an Robert Bresson, Jean-Pierre Melville, und Yasujirō Ozu – sie werden bestimmt von einer klaren Bildsprache, dem reduzierten Spiel der Darsteller und einem präzisen Schnitt. Kaurismäkis eigenwilliger Sinn für Humor verbindet ihn zudem mit Luis Buñuel, Charles Chaplin und Buster Keaton. Typisch für Aki Kaurismäki ist sein psychologischer Anti-Realismus, der Mangel an äußeren Emotionen. Da spürt man eine Verwandtschaft mit der Tradition des japanischen Theaters.

Das Bewusstsein vom Ende der Kunst ist ein Grundgefühl in Kaurismäkis Kino. »Es gibt ein Kino vor und nach Godard«, sagte Richard Roud; Aki Kaurismäkis Filme sind dem postmodernen Kino zuzurechnen. Die Komplexität von Jean-Luc Godards Metakino in Kaurismäkis frühen Produktionen weicht später einer nur scheinbaren Einfachheit, die mit nicht minder komplexen, subtileren Verfremdungseffekten arbeitet. Die Farben sind stilisiert wie bei Ozu und Kurosawa, die steifen Dialoge parodieren gewisse Traditionen im finnischen Kino (Toivo Särkkä, Teuvo Tulio, Jörn Donner).

Erst in seinen neuesten Filmen stattet Kaurismäki seine Figuren mit größerer psychologische Tiefe aus. Nie sind die Gesichter seiner Protagonisten intensiver und unvergesslicher gewesen als in LE HAVRE und DIE ANDERE SEITE DER HOFFNUNG. Der Filmkritiker Hans Sundström schrieb in einer Rezension: »Das Kaurismäkiland ist ein Universum, dessen Eigenart sich im richtigen Schnittpunkt zwischen Nähe und Entfernung zur Wirklichkeit befindet«.

Weiter im Text von Antti Alanen und zum Programm-pdf der Filmreihe (7. Januar bis 26. Februar 2020)

 


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