leere Kinostuhlreihen aus rotem Stoff von hinten

Agnès Varda

Retrospektive Agnès Varda

Das französische Wort glaneur hat einen schönen Doppelsinn. Ursprünglich hieß es vor allem so etwas wie »Nachleser«: Menschen gingen auf Felder, die schon abgeerntet waren, und sahen nach, was liegengeblieben war. In der Regel waren da noch viele essbare Früchte zu finden. In einem weiteren Sinn kann man von einem glaneur oder einer glaneuse auch sprechen, wenn jemand sich Zeit nimmt für einen zweiten Blick, wenn jemand dort etwas sieht, wo andere nicht hinschauen, oder etwas übersehen haben. Agnès Varda hat dieses Wort für sich zu einem Ehrentitel gemacht.

2000 erschien ihr Film LES GLANEURS ET LA GLANEUSE (DIE SAMMLER UND DIE SAMMLERIN) – eine Dokumentation über Verschwendung und bessere Nutzung der Reichtümer der Natur. Sie war damals über 70 Jahre alt und hatte schon mehrere Karrieren hinter sich. Nun aber wurde sie erst so richtig entdeckt: Der Film, den sie mit einer kleinen Digitalkamera gedreht hatte, machte sie zu einer globalen Leitfigur. Sie erzählte von Nachhaltigkeit zu einem Zeitpunkt, als dieses Wort noch nicht in aller Munde war. Sie präsentierte sich als schrullige Person, als eine »Öko-Oma«, und war damit zugleich Avantgarde eines neuen Kinos, das mit wenig Aufwand persönliche, weltbewegende Themen ansprach. Als glaneuse, als Sammlerin hatte Varda eine besondere Vorliebe für seltsam gewachsene Kartoffeln. Und im Grunde präsentierte sie sich selbst auch als eine solche, mit ihrer souveränen Selbstironie: eine Ikone auf den zweiten Blick.

Sie machte noch vier weitere Filme nach DIE SAMMLER UND DIE SAMMLERIN, darunter eine Fortsetzung zwei Jahre später. 2019 starb Agnès Varda im Alter von 90 Jahren in Paris. Seither wächst ihr Ruhm kontinuierlich weiter, wichtiger aber vor allem: Seither werden ihre Filme neu gesehen, erfährt ihr riesiges Werk neue Wertschätzung. Varda wird nun endlich als die große französische Kinofigur gesehen, die sie immer schon war, die aber oft im Schatten der vielen großen Männer stand, an denen in ihrer Umgebung kein Mangel war: Alain Resnais, der ihr erster Mentor war; Jean-Luc Godard, den sie bei Dreharbeiten zu ihrem vorletzten Film VISAGES, VILLAGES (2017) in der Schweiz aufsuchen wollte, und der ihr nicht öffnete; François Truffaut, der schon ihren ersten Film LA POINTE COURTE (1954) als »ernsthaft und intelligent« beschrieb, ihre Bilder aber »zu stark komponiert« fand; und natürlich Jacques Demy, ihr Ehemann, der Regisseur großer Musicals, der es bei den Produzenten immer leichter hatte als sie selbst.

Weiter im Text von Bert Rebhandl und zum pdf der Filmreihe.

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Besuchsinformation

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Interimsausstellung “What the City. Perspektiven unserer Stadt” im historischen Zeughaus
Dienstag–Sonntag 11.00-19.00 Uhr
Eintritt frei

Filmmuseum – Vorstellungen
Dienstag / Mittwoch 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Freitag / Samstag 18.00 Uhr und 21.00 Uhr
Sonntag 17.00 Uhr

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U-Bahn Station Sendlinger Tor
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E-Mail filmmuseum(at)muenchen.de

Kinokasse Tel. +49-(0)89-233-724150

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