Pass The Gravy & Our Hospitality

Internationale Stummfilmtage
Live-Musik: Richard Siedhoff

Pass the Gravy & Our Hospitality

Pass the Gravy (Und ein stolzer Hahn dazu)
USA 1928 | Regie: Fred Guiol | Drehbuch: Leo McCarey | Kamera: George Stevens | Darsteller: Max Davidson, Spec O’Donnell, Martha Sleeper, Bert Sprotte, Gene Morgan | 23 min | Farbe:
 schwarzweiß | Zwischentitel: englisch | Musikbegleitung: Richard Siedhoff (Klavier)

Der deutschstämmige Komiker Max Davidson wurde in Hollywood zum Star jüdischer Komödien und einer eigenen Comedy-Serie im Hal-Roach-Studio, in der er unter anderem mit Stan Laurel und Oliver Hardy zusammenarbeitet. Mal ist Davidson Witwer, der eine reiche Witwe heiratet und vor ihr seinen missratenen Sohn zu verstecken sucht, mal versucht er aus einem Unfall seines Sohnes durch Versicherungsbetrug Kapital zu schlagen, mal versucht er den nicht-jüdischen Freund seiner Tochter zu vergraulen. Die Geschichten waren clever ausgetüftelt mit perfekt getimten Gags und einem Max Davidson, der vor allem durch seine Reaktionen auf das Geschehen um ihn herum reagierte. In PASS THE GRAVY versucht Davidson vergeblich, mit einem verhängnisvollen Festmahl einen Nachbarschaftsstreit beizulegen. Die Komödie wurde in den 1990er Jahren wiederentdeckt, das Filmmuseum München hat sie 2010 restauriert.

Hier ist eine der lustigsten Kurzfilmkomödien, die dieser Rezensent seit vielen Monaten in einem Kino gesehen hat. Sie basiert auf einer komischen Ausgangssituation, und ihre Gags passen so perfekt in den Ablauf der Dinge, dass die Geschichte keinen Moment lang durchhängt, sondern konsequent zum Höhepunkt aufbaut. Max Davidson ist der Star und wird unterstützt von exzellenten Mitwirkenden wie Martha Sleeper, Bert Sprotte, Gene Morgan und Spec O’Donnell. Miss Sleeper und Morgan steuern einige Tanzschritte und Gags bei, die zu den komischsten Momenten des Films zählen und wirkliche Kabinettstücke des Humors darstellen. Specs pantomimische Beschreibung, wie er versehentlich den preisgekrönten Zuchthahn des Nachbarn getötet hat, ist ein weiteres komödiantisches Highlight seiner insgesamt immer herausragenden Performances. Tatsächlich gelingt es dem Film, seine Komik unter allen Mitgliedern des Darstellerensembles so gleichmäßig aufzuteilen, dass alle gemeinsam zum vollständigen Erfolg des Gesamten beitragen.

(Chester J. Smith in Motion Picture News, 14. Januar 1928)

Our Hospitality (Bei mir – Niagara)
USA 1923| Regie: Buster Keaton, Jack C. Blystone | Drehbuch: Jean Havez, Clyde Bruckman, Joseph Mitchell | | Kamera: Gordon Jennings, Elgin Lessley | Darsteller: Buster Keaton, Natalie Talmadge, Joe Roberts, Ralph Bushman, Craig Ward| 75 min | Farbe: viragiert | Zwischentitel: Englisch | Musikbegleitung: Richard Siedhoff (Klavier)

Einer der schönsten und komischsten Filme von Buster Keaton ist eine liebenswerte Hommage an das alte Amerika und besticht durch eine historisch genaue Rekonstruktion von Landschaften, Kostümen und Bauten. Buster Keaton: „Ich benutzte die Geschichte einer Familienfehde in den Südstaaten und siedelte sie im Jahre 1831 an, um die erste damals gebaute Eisenbahn einsetzen zu können. Das war, als man noch einfach Postkutschen nahm und ihnen schienengeeignete Räder anmontierte. Außerdem hatte man so lächerlich aussehende Lokomotiven – eine hieß ‚Stephenson Rocket‘ und eine ‚De Witt Clinton‘. Die fuhren damals natürlich noch auf Schmalspurgleisen, und man war bei der Verlegung dieser Gleise noch nicht so pingelig. Wenn der Boden etwas ungerade war, kümmerte man sich nicht darum. Man legte sie über umgefallene Bäume oder Felsen. Dann zogen wir die Leute nach der damaligen Mode an. Das war schön, denn wir mochten die Kostüme. Wir kamen weg von den kurzen Hosen George Washingtons zum malerischen Kostüm à la Johnny Walker.“ Die neue Restaurierung von OUR HOSPITALITY durch Lobster Films greift auf das besterhaltene Filmmaterial zurück inklusive der damaligen Einfärbung des Films.

Einer der sehenswertesten, geglücktesten, liebeswürdigsten und einfallreichsten Filme, die je gedreht gedreht wurden. Damit ist viel Lobendes gesagt, aber das allgemeine Lob genügt nicht, denn die entzückende | Kleinarbeit dieses zur Zeit der ersten Eisenbahn in Amerika spielenden Films, die unzähligen drolligen Episoden, der nie aussetzende Humor, der selbst das grausige Thema der Blutrache in eine heitere | Groteske verwandelt – das ist das Wesentliche dieses fröhlichsten und | anmutigsten aller bisher importierten Amerikaner. Hauptdarsteller und Regisseur ist Buster Keaton. Wie er geht, läuft, springt, sitzt in allen Abenteuern, die ein Biedermeier in Wildwest erleben kann, von der romantischen Eisenbahnfahrt über den Knüppeldamm bis zum revolvergejagten Entsetzen und dem Schwung über den Sturz des Niagara, ist zum Entzücken beweglich-herzerquickend, | spielerisch-anregend. Weil man immer weiß: all diese grausig-aufregenden ­Geschehnisse sind nur spaßiges Spiel, dieser Bilderspaß ist nichts als eine rapide Folge verblüffender Einfälle und Tricks voll exzentrischer Lieblichkeit. Deshalb entschreitet man diesem filmischen | Meisterwerk wie einem Kohlensäurebad.

(Kurt Pinthus, Das Tage-Buch, 24.1.1925)

Eintrittspreise 6 € (5 € für MFZ-Mitglieder). Die Kasse öffnet jeweils 60 Minuten vor und schließt 30 Minuten nach Beginn der Vorstellung. Bei allen öffentlichen Veranstaltungen verbleibt ein Kartenkontingent für den freien Verkauf an der Abendkasse.


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Dienstag - Sonntag 20.00 Uhr
Bei Überlänge andere Uhrzeiten

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