Sammlung Angewandte Kunst

Die Putti der Mariensäule

1620 besiegte Herzog Maximilian von Bayern den protestantischen „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag. 1632 wurde München von den Truppen des Schwedenkönigs Gustav Adolph besetzt. Beide Ereignisse führten zu einem Gelübde des tiefreligiösen Kurfürsten Maximilian I. von Bayern (Kurfürst seit 1623). Er ließ deshalb auf dem heutigen Marienplatz eine Votivsäule errichten, auf der Maria als „Patrona Bavariae“ steht. Diese wurde am 7. November 1638 vom Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gebeck geweiht. Die Eckpositionen des Säulenaufbaus wurden 1641 mit vier sieghaften, mit antiken Panzern gerüsteten Putti besetzt – „Heldenputten“, wie die bewaffneten Engelskinder des Barock allgemein genannt werden. Sie kämpfen gegen die Hauptübel, denen die Menschen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges ausgesetzt waren: Hunger (Drache), Pest (Basilisk), Krieg (Löwe) und – aus katholischer Sicht – Ketzerei (Schlange). Die auf den Schilden zu lesenden Worte beziehen sich auf Maria: „Super Aspidem et Basiliscum [ambulabis] et [conculcabis] Leonem et Draconem“ (Über die Schlange und den Basilisken wirst Du gehen und den Löwen und den Drachen wirst Du zertreten; Psalm 91, Vers 13). In ihrer dynamisch bewegten Kampfesfreude stellen sie Hauptwerke der Bildkunst des deutschen Frühbarock dar.

Bedauerlicherweise sind keinerlei Zeugnisse über den entwerfenden Künstler überliefert. Es festigt sich jedoch die Meinung, dass es sich um den Augsburger Bildhauer Ferdinand Murmann handeln könnte, der 1634 in die Werkstatt Georg Petels (1601-1634) eingetreten ist. Gesichert ist der Name des Gießers, der kurfürstliche Stück- und Glockengießer Bernhard Ernst (um 1596-1682) aus München.

Ende des 20. Jahrhunderts wurden die vier „Heldenputten“ der Mariensäule durch moderne Kopien ersetzt. Die Originalfiguren gelangten ins Münchner Stadtmuseum.

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