19. Februar – 13. März 2016
Wilfried Hiller – Musik zu Bildern und Skulpturen

Am 15. März 2016 feiert der Münchner Komponist Wilfried Hiller seinen 75. Geburtstag. Aus diesem Anlass widmet ihm die Sammlung Musik des Münchner Stadtmuseums zwei Konzerte, die auf Wunsch des Jubilars zeitlich eine kleine Ausstellung von Bronzeskulpturen und Bildern von Antje Tesche-Mentzen einrahmen. An Audiostationen neben den Skulpturen werden die von ihnen inspirierten Kompositionen Hillers zu hören sein.

Wilfried Hiller wurde 1941 im schwäbischen Weißenhorn geboren. Nach einem Klavierstudium am Augsburger Konservatorium arbeitete er zunächst als Organist und Ballettrepetitor, bevor er an der Münchner Musikhochschule Komposition, Opernregie, Schlagzeug sowie Musiktheorie studierte. Ab 1967 war Hiller als Schlagzeuger u.a. an der Bayerischen Staatsoper und am Staatstheater am Gärtnerplatz engagiert. 1968 gründete er die Konzertreihe "musik unserer zeit", aus der 1981 die "Münchner Musiknächte" hervorgingen, zudem war er Musikredakteur beim Bayerischen Rundfunk, Dozent an der Münchner Musikhochschule und Kompositionslehrer am Münchner Richard-Strauss-Konservatorium. Künstlerisch arbeitete Hiller bis zu dessen Tod 1982 eng mit Carl Orff zusammen. Ab 1978 gaben ihm die gemeinsamen Musiktheater-Projekte mit Michael Ende wichtige künstlerische Impulse. Aus der Zusammenarbeit entstanden Stücke wie "Vier musikalische Fabeln", "Der Goggolori" (Uraufführung 1985 am Staatstheater am Gärtnerplatz), "Das Traumfresserchen" und "Der Rattenfänger". Zu Hillers weiteren Bühnenwerken zählen u. a. "Die Geschichte vom kleinen blauen Bergsee und dem alten Adler" (mit Herbert Asmodi), "Eduard auf dem Seil", "Pinocchio" (mit Rudolf Herfurtner), "Der Schimmelreiter" (mit Andreas K. W. Meyer), "Wolkenstein" (mit Felix Mitterer) sowie die Kirchenopern "Augustinus" und "Der Sohn des Zimmermanns" (mit Winfried Böhm).

Wilfried Hiller mit Klangschalen (Für sein Werk „Hoffnung“, eine szenische Kantate nach Antje Tesche-Mentzen für Violine, Schlagzeug, Harfe und gemischten Chor, Text von Winfried Böhm, Auftragswerk des Bayerischen Rundfunks) © Wilfried Hiller
Hannelore Gassner: Wilfried Hiller und Carl Orff in Diessen am Ammersee, 1980, © Hannelore Gassner
Antje Tesche-Mentzen: Schulamit, Skulptur nach einer Komposition von Wilfried Hiller, 2014 Bronze, 2,05 x 0,94 x 0,5 Meter, © Antje Tesche-Mentzen
Antje Tesche-Mentzen: Goggolori, 2013, Bronze, 59 x 50 x 30 cm, © Antje Tesche-Mentzen

Der mit zahlreichen Preisen und internationalen Stipendien ausgezeichnete Komponist war 2005–2008 Präsident des Bayerischen Musikrats, 2009–2012 künstlerischer Leiter der Internationalen Orgelwoche in Nürnberg und ist derzeit Vorsitzender der Carl-Orff-Stiftung und Präsident der deutschen Jean-Sibelius-Gesellschaft. Wilfried Hiller erhielt zahlreiche Auszeichnungen. In der Reihe "Komponisten in Bayern" des Schneider Verlags Tutzing ist der Band 56 (2014) Wilfried Hiller gewidmet. In den letzten Jahren entstanden u.a. für die Siemens-Musikstiftung 2011 "schaem-Aias" für japanischen Bunraku-Rezitator, für das Staatstheater am Gärtnerplatz 2013 "Der Flaschengeist" ein "Singspiel aus Ozeanien" und in Zusammenarbeit mit Hellmuth Matiasek 2015 die Bühnenmusik für die Oper "Der verlorene Sohn" für das Salzburger Landestheater.

Hiller ist auch durch die Zusammenarbeit mit Carl Orff von den antiken Mythen und der griechischen Mythologie geprägt. Mit den Bildern und Skulpturen zwischen den Musikinstrumenten aus aller Welt werden in der Sammlung Musik besondere Beziehungen geknüpft. Die Skulpturen von Antje Tesche-Mentzen lernte Hiller nach dem Tode seiner Frau, der Schauspielerin Elisabet Woska, im März 2013, kennen und schätzen. „Antike Mythen sind keine Modeerscheinung.“ sagt die in Kiel geborene Künstlerin, „was vor 2000 Jahren geschrieben wurde, geht uns auch heute noch an.“ Ihre Arbeit ist daher auch nie abstrakt und auch nicht konsequent abbildend, eher fragmentarisch und symbolhaft. Nach einer Hochbegabtenförderung der Stadt Kiel für Malerei, studierte Tesche-Mentzen in München Ballett und Gesang (Musikhochschule), machte eine Ausbildung in Keramik und eröffnete 1973 eigene Werkstätten in München und Venedig sowie 1990 in Hafendorf am Simssee. 1982 entstanden erste lebensgroße Skulpturen in Keramik und Bronze. Vielfach ausgezeichnet finden sich ihre Arbeiten in privaten und öffentlichen Sammlungen und sind bei Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen (Venedig, Brüssel, Florenz, New York, Marseille, Paris u.a.m.). Unter den ausgestellten Bronze-Skulpturen ist neben der "Lilith" auch der "Goggolori", "Schulamit", "Orpheus" oder die "Allegorie der Musik" zu sehen sowie einige Bilder wie "Bali-Impressionen" oder nach Gustav Mahlers "8. Symphonie".

„Musik ist eine sinnliche Kunst, vielleicht die sinnlichste überhaupt und so wie sie entsteht, muss sie auch den Hörer oder Zuschauer ergreifen.“ (Wilfried Hiller)

Eröffnungskonzert:
Hillers Interesse an den Kulturen der Welt wird hörbar beim Eröffnungskonzert
am 18. Februar 2016, um 19.30 Uhr,
bei der "Studie für japanische Trommeln" (Thomas Sporrer, Carl Amadeus Hiller) oder bei tradioneller Gamelan-Musik (Gamelanorchester des Münchner Stadtmuseums, Leitung Dr. András Varsányi). Seine Orientierung an der Antike spiegeln Kompositionen wie DAPHNE (Franziska Strohmayr, Violine und Diliana Tschervenkova, Kontrabaß) oder LIEBESLIED DES ORPHEUS FÜR EURYDIKE nach den METAMORPHOSEN des Ovid (Gudrun Haag, Harfe) wieder und an den Mythen mit GOGGOLORI, LILITH oder SCHULAMIT (Franziska Strohmayr, Violine). Ferner sind zu hören KLEINER WALZER, MONDSICHEL IN FRAUENHAND oder ORGHELUSE – TANZ AM RANDE DES ABGRUNDS aus den Klavier-Zyklen KOSMOS I und II (Amadeus Wiesensee, Klavier).

Jubiläumskonzert:
Das Konzert am Sonntag, den 13. März 2016, um 11.00 Uhr widmet sich besonders dem Kammermusikzyklus für Mitglieder des Orchesters des Staatstheaters am Gärtnerplatz mit DAS GROSSE LÄCHELN für Diskant-Zither (Harfe) und Streichquintett, EURYDIKE, WASSERSPIEGELUNGEN (Ann-Katrin Naidu, Mezzosopran und Anke Schwabe, Klavier), LILITH (Violine, Viola, Violoncello, Kontrabaß und Klavier). Bei den NACHTSCHATTENTÄNZEN IM SKULPTURENGARTEN für Diskant-Zither (Harfe) und Streichquintett wird das extra spielfertig eingerichtete "Totenkopf-Quartett" (sogenannte "stumme Geigen") der Sammlung Musik des Münchner Stadtmuseum erstmalig zu hören sein.

sfas