Open Scene

Die Termine der „Open Scene“ am Donnerstag sind teilweise für aktuelle Sonderveranstaltungen reserviert. Das Programm wird spätestens etwa eine Woche vorher festgelegt und in den Schaukästen an der Kinokasse, über den Film-Newsletter, auf Facebook, auf Twitter, durch Ankündigungen in der Tagespresse und hier auf dieser Homepage bekannt gegeben.


Samurai-Filme: 2 x Seppuku (Harakiri) am Do 21.3. um 19.00 Uhr

Seppuku 切腹 (Harakiri) von Kobayashi Masaki

 

Die Ausstellung „Samurai – Pracht des japanischen Rittertums“ (bis Ende Juni in der Kunsthalle München) belegt die ungebrochene Faszination durch die Kultur der Samurai. Ein Element dieser Kultur, das im Kontext von Ehre und Gesichtsverlust besonderes Gewicht besaß, war seppuku, die rituelle Selbsttötung. In der nächsten „Open Scene“ am Donnerstag, 21.03.19 um 19.00 Uhr zeigen wir zwei Filme, die zu diesem Thema diametral entgegengesetzte Haltungen einnehmen: Seppuku (Harakiri, 1962) von Kobayashi Masaki und Yūkoku (Patriotism / The Rite of Love and Death, 1966) von Mishima Yukio.

Seppuku (Harakiri)
Japan 1962 | Regie: Kobayashi Masaki | Buch: Hashimoto Shinobu | Kamera: Miyajima Yoshio | Musik: Takemitsu Tōru | Darsteller: Nakadai Tatsuya, Ishihama Akira, Iwashita Shima, Tanba Tetsurō, Mishima Masao | 132 min | OmeU

Ein herrenloser Samurai bittet im Jahr 1630 um die Erlaubnis, auf dem Anwesen eines Adeligen in Würde seppuku zu vollziehen. Zuvor führte er drei rätselhafte Duelle, deren Bedeutung sich klärt, als er vor dem Akt dem versammelten Hofstaat (in einer Reihe von Rückblenden) erzählt, welche Ereignisse ihn her führten.
Die ersten Bilder des Films zeigen eine altarhaft als Fetisch präsentierte Samurairüstung. Kobayashis Film ist in einem rigiden, repressiven System angesiedelt, das sinnentleerte Traditionen zelebriert, die nur noch zum Schein aufrechterhalten werden und zur Unterdrückung des Individuums dienen. Die visuelle Strenge der Bildgestaltung, in der Bauten, Räume, Hof und Garten fast abstrakt wirken, kontrastieren zunächst mit der ausdrucksstarken Musik Takemitsus, bis die aufgestaute Energie in eine eruptive, explosive Choreografie mündet. Japanische Kritiker warfen Kobayashi vor, in der geheiligten Samuraitradition auch das Japan der Gegenwart anzugreifen. Das war keine Fehlinterpretation, stellt doch Kobayashis gesamtes Werk den Konflikt zwischen dem Individuum und der Gesellschaft ins Zentrum. Doch nachdem Seppuku den Spezialpreis der Jury in Cannes erhalten hatte, erregte er weltweit positives Aufsehen, und auch die heimischen Kritiker fanden zu einer Neubewertung.

Yūkoku (Patriotism / The Rite of Love and Death)
Japan 1966 | Regie: Dōmoto Masaki, Mishima Yukio | Buch: Mishima Yukio | Kamera: Watanabe Kimio | Darsteller: Mishima Yukio, Tsuruoka Yoshiko | 27 min | ohne Dialog, englische Zwischentitel

Februar 1936: Nach einem gescheiterten Putschversuch sollen die beteiligten Offiziere hingerichtet werden. Der Leutnant, der dies ausführen soll, nimmt sich stattdessen gemeinsam mit seiner Frau in einem eigentlich längst abgeschafften Ritual das Leben.
Mishima selber spielt diesen Leutnant in der Verfilmung seiner Kurzgeschichte, die er visuell eng ans Noh-Theater anlehnt und die seine einzige Filmregie darstellt. Statische Totalen, lange Großaufnahmen, keine Dialoge sondern Texttafeln (von Mishima in vier Sprachen verfasst), als Musik der Liebestod aus „Tristan und Isolde“. Sind der Anfang und das Ende des Films strikt reduziert und stilisiert, so ist die Darstellung des seppuku doch höchst realistisch und sehr blutig. Mishima: „Es ist ein sehr positiver, sehr stolzer Tod. Ich finde, er unterscheidet sich stark von der westlichen Sicht auf den Suizid als Niederlage. Durch seppuku kann man siegen.“ Vier Jahre später vollzog er selbst seppuku, nachdem er mit einer Handvoll Männern versucht hatte, einen Putsch auszulösen. Die gesamte Aktion hatte er ein Jahr im Voraus geplant – einschließlich des seppuku. Mishimas Witwe versuchte danach den Film vernichten zu lassen, doch 2005 wurde in seinem Nachlass eine versiegelte Kiste mit den Originalmaterialien gefunden.

Yūkoku 憂国 (Patriotism / The Rite of Love and Death) von Mishima Yukio

Preview: BILDBUCH von Jean-Luc Godard am Do 28.3.19 um 19.00 Uhr

(c): Grandfilm

In der nächsten „Open Scene“ am Donnerstag, 28.03.19 um 19.00 Uhr freuen wir uns, in Kooperation mit dem Nürnberger Verleih Grandfilm eine Preview des neuen Films von Jean-Luc Godard LE LIVRE D‘IMAGE (BILDBUCH) in der deutschen Fassung präsentieren zu können. Kameramann Fabrice Aragno ist zu Gast!

Le livre d´image (Bildbuch)
Schweiz 2018 | Regie + Buch: Jean-Luc Godard | Kamera: Fabrice Aragno | Schnitt: Jean-Luc Godard, Fabrice Aragno | 85 min | Deutsche Fassung

Jean-Luc Godard setzt mit seinem neuesten Film sein sich alle Freiheiten nehmendes Spätwerk fort. Der Film ist ein rauschhafter Gedankenfluss, eine assoziative Collage in fünf Kapiteln: Die Sehnsucht nach Freiheit / Die Abgründe der Menschheit / Die Schönheit des Kinos / Zeit und Geschichte / gedehnt und verdichtet.

Godard erfindet das Kino, dessen Ende er schon in den 1960er Jahren prophezeit hat, noch einmal neu. Die digitale Technik nutzt er, um ein irritierendes Werk zu schaffen, das aus der Geschichte des Films und der Gegenwart der Welt heraus entstanden ist. „Die erste Überraschung lautet, wie gegenwärtig dieser Film des 87-Jährigen ist. Voll Zorn darüber, dass die Menschheit Trost in falschen Heilsversprechungen sucht und davorsteht, die Demokratie an die 'Idioten an der Macht' zu verraten.“ (Dominik Kamalzadeh, Der Standard)

Jean-Luc Godard hat BILDBUCH als deutsche Fassung synchronisiert und persönlich auf deutsch eingesprochen! Damit ist der große Filmautor erstmals auf deutsch im Kino zu hören.

Nach dem Film gibt es ein Publikumsgespräch mit dem Kameramann Fabrice Aragno.

Eine Kooperation mit dem Verleih Grandfilm 

 

 

sfas