Kino und Malerei

Filmreihe zum Festival "Kino der Kunst"

"Frida Kahlo - Es lebe das Leben" (1983) von Paul Leduc

Wegen der großen Nachfrage wiederholen wir den Film "Frida , naturaleza viva" (Frida Kahlo - Es lebe das Leben) von Paul Leduc in der "Open Scene" am Donnerstag, 16.2.17 um 19.00 Uhr. Die Einführung hält wieder Heinz Peter Schwerfel.

Kino und Malerei – Unerwiderte Liebe oder Verwandtschaft im Scheitern?

Der wegen seiner behutsamen Lichtsetzung zurecht ausgezeichnete Kameramann Eduardo Serra, ein diplomierter Kunstgeschichtler, dessen Arbeit auf den Spuren Vermeers in GIRL WITH A PEARL EARRING (2003) von Peter Webber unvergesslich bleibt, erklärte einmal, wie die Filmindustrie bis Ende der 1970er Jahre brauchte, um ausreichend starke Lampen zu entwickeln, die auch nur annähernd das diffuse Naturlicht der Sonne mithilfe einer einzigen Lichtquelle nachahmen konnten. Sinnbild für die Unterlegenheit der Technologie im Wettkampf mit der künstlerischen Vision? Oder schlicht Metapher für den prätentiösen Ehrgeiz des Kinos, Malerei nachzuäffen? »Kino verdirbt das Natürliche«, behauptet der spanische Regisseur Victor Erice, der dem Kino abspricht, Wirklichkeit abbilden zu können. Aber Malerei? Kann sie festhalten, was das menschliche Auge als natürlich registriert, zum Beispiel das Licht – wie die Impressionisten, allen voran Claude Monet – es versuchten? Erice tendiert zum Nein, und laut Eduardo Serra ist das Nachstellen von berühmten Gemälden durch Filmregisseure oft nichts weiter als Bluff, Unvermögen, ein prätentiöses Missverständnis. Ein hartes Urteil, hat sich doch das Kino in dramatischen Biopics wie Vincente Minnellis LUST FOR LIFE (1956) oder inszenierten Dokumentarfilmen wie Henri-Georges Clouzots LE MYSTÈRE PICASSO (1956) immer wieder aufrichtig am Geheimnis malerischer Schöpfung gerieben. Und ist trotzdem gescheitert.

Andere, weniger bekannte und geglücktere Beispiele sind experimentelle Annäherungen wie Straub/Huillets Cézanne-Filme (1990/2004). Ungezählt dagegen die missglückten Versuche, den romantischen Mythos des einsam malenden – und leidenden – heroischen Künstlers in mehr oder weniger konventionelle Erzählschablonen zu pressen, sprich künstlerische Rezepte durch das Private zu vertuschen, von Klaus-Maria Brandauer als finanzkrisengebeuteltem Rembrandt bis Anthony Hopkins als an den Frauen verzweifelndem Picasso. In all diesen Versuchen steht die Person des Künstlers, mehr oder weniger dramatisch inszeniert, im Vordergrund. Mal wird der Malakt vollständig ausgeblendet, wie in VAN GOGH (1991) von Maurice Pialat, mal in Zeitlupe ironisiert, etwa von Martin Scorsese in seinem virtuosen Beitrag zum Episodenfilm NEW YORK STORIES (1989). Doch fast alle diese Filme bleiben Versuche, Annäherungen, einseitige Liebeserklärungen – Malerei, diese umworbene Diva, sie bleibt ungerührt.

Obwohl nicht wenige berühmte Kinoregisseure ihr im Stillen frönen, nach Michelangelo Antonioni heute Peter Greenaway bis Jerzy Skolimowski oder Steven Soderbergh, von originären Malern wie Julian Schnabel ganz zu schweigen. Eine lange und intensive Annäherung also, mit einer aber nur bescheidenen künstlerischen Trefferquote: In diesem Kontext ist die Reihe »Kino und Malerei« anzusiedeln, die das Filmmuseum und Kino der Kunst Anfang des Jahres 2017 gemeinsam anbieten. Sehr persönlich eingeführt von Kunsthistorikern, Künstlern oder Filmemachern werden ganz unterschiedliche Bei-spiele gezeigt, wie Kino Malerei zu greifen und begreifen versucht. Von der fiktiven bis zur dokumentarischen Behandlung des Malakts, von originellen Varianten des Biopic bis zum analytischen Essay. Insgesamt wurden sieben filmische Beispiele ausgewählt, die teils legendär sind, wie Derek Jarmans CARAVAGGIO (1986), teils vom großen Publikum längst vergessene, wie die fiktive Biographie FRIDA, NATURALEZA VIVA (1983) von Paul Leduc.

 Weiter im Text von Heinz Peter Schwerfel und zum Programm der Filmreihe (11. Januar bis 22. Februar 2017)

"Caravaggio" (GB 1986) von Derek Jarman
"Im imaginären Museum - Studien zu Monet" (D 2014) von Klaus Wyborny

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