Das Kaufhaus Uhlfelder

Das Münchner Stadtmuseum steht heute zum Teil auf dem Platz des ehemaligen Kaufhauses Uhlfelder. Dessen Namenszug in Leuchtschrift an der Längsseite des Museums soll an diese Vergangenheit erinnern.

Das Kaufhaus Heinrich Uhlfelder GmbH ging aus dem 1878 im Rosental 9 eröffneten Haushaltswaren- und Galanteriewarengeschäft hervor. Um 1930 war es über Rosental 12, 13, 14, 16 und Nieserstraße 1, 2 auf 7.000 qm mit ca. 1.000 Angestellten und Arbeitern zum zweitgrößten Münchner Kaufhaus nach Tietz/Hertie angewachsen. Die besondere Attraktion des für eher niedrige Einkommen angelegten Kaufhauses waren seine Rolltreppen.

Der jüdische Eigentümer Heinrich Uhlfelder (1853-1928) war 1924 für sein soziales Engagement zum Kommerzienrat ernannt worden. Das Kaufhaus führte er mit seinem Sohn Max, ebenfalls beteiligt war die Tochter Margarethe. Das Eigentum berührte auch Jakobsplatz 3; Uhlfelder war Aufsichtsratsvorsitzender der Orag-AG für Schneiderbedarf, bis heute am Oberanger 9 in Betrieb.

Die Nationalsozialisten bekämpften schon seit ihrer Gründung 1919/20 in München jüdische Einwohner und ihre Betriebe. Nach dem Machtwechsel im Januar 1933 nahm die Bedrohung immer stärker zu. Max Uhlfelder kam im März 1933 zusammen mit 280 Juden in so genannte "Schutzhaft". Beim antijüdischen Boykott im April 1933 zogen Demonstranten vor dem Kaufhaus auf.

Die Maßnahmen gegen Juden verschärften sich ab 1935 in zunehmend entrechtenden Gesetzen. München übernahm dabei eine Vorreiterrolle. In der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 wurde das Kaufhaus verwüstet, geplündert, in Brand gesetzt und blieb tagelang offen stehen, während Max Uhlfelder und sein Sohn mit ca. 1.000 weiteren Juden in Dachau inhaftiert waren, wo viele misshandelt und mehrere getötet wurden.

Im Januar 1939 gelang die Freilassung der Uhlfelders und mit Visa nach Indien deren Rettung. Dabei wurde ihnen ihr gesamtes Vermögen genommen. Selbst die Schäden für die Kaufhauszerstörung mussten sie zahlen.

Die nationalsozialistischen Machthaber "liquidierten" oder "arisierten" jüdisches Eigentum, d.h. sie entschädigten die Zwangsverkäufe mit Spottpreisen zu Gunsten nichtjüdischer neuer Eigentümer und enteigneten ihre Vermögen nach deren Flucht ins Ausland. An diesem Vorgang waren viele beteiligt: Die Münchner "Arisierungsstelle" – die "Vermögensverwertung München GmbH" unter dem Gauleiter Adolf Wagner – betrieb über die Industrie- und Handelskammer die Liquidation des Kaufhauses Uhlfelder, die vom zuständigen Reichswirtschaftsminister Hermann Göring genehmigt wurde. Dabei wurde sie von interessierten Einzelhändlern unterstützt und von Oberbürgermeister Karl Fiehler befürwortet. Das Warenlager, das an Einzelhändler ging, und die Grundstücke, die an die Löwenbrau AG als Ersatz für den zwangsverkauften Bürgerbräukeller gingen, wurden "arisiert". Während des Krieges wurde das Kaufhaus bei Luftangriffen im Jahr 1944 stark beschädigt.

In über 100 Wiedergutmachungsverfahren musste Max Uhlfelder, der 1953 nach München zurückgekehrt war, Entschädigungen erkämpfen – großenteils erfolgreich. 1954 wurden die Kaufhausgrundstücke an die Stadt verkauft. Nur das Haus Rosental 9 blieb in Familienbesitz.