Filme

Münchner Filmmuseum Veranstaltung

Samstag, 19. Januar 2019, 18:30 Uhr

FilmWeltWirtschaft

Experimente

 

In unserer disruptiven Zeit scheint nichts mehr wie zuvor, alte Werte verfallen, extremes Gedankengut gilt inzwischen als normal, Kurznachrichten diktieren das Weltgeschehen. Wie einzelne Menschen, Gemeinden oder auch ganze Länder mit dem schnellen Wandel umgehen, wirkt häufig zufällig und eher emotional gesteuert als rational durchdacht. Auch zwingen Veränderungen ob des Neuen manchmal zu (unfreiwilligen) Experimenten. Nicht nur Dokumentarfilme, sondern auch Spielfilme greifen diese Themen auf, wie das spanische Debüt LA MANO INVISIBLE (DIE UNSICHTBARE HAND) von David Macián aus dem Jahr 2016, der als fast schon zynischer Kommentar zu unserer Wirtschaftswelt gelesen werden kann. Es zeigt ein Projekt der besonderen Art, das sich erst nach und nach entlarvt. Für ein Experiment auf der Bühne zum Thema Arbeit werden Menschen gecastet, die ihren Beruf vor Publikum ausüben sollen, darunter ein Metzger, ein Maurer, eine Näherin und eine Callcenter-Telefonistin. Langsam und stetig erhöht sich der Leistungsdruck auf die DarstellerInnen; ihre Reaktionen und Interaktionen sowie die Testergebnisse werden vom Auftraggeber genau aufgezeichnet. Damit stellt es eine Steilvorlage für populistisches Handeln, denn das Publikum, das immer fordernder wird, will immer das Spektakuläre. Auch die kleine Gemeinde Mals in Südtirol hat Neues gewagt, auch wenn es ihr im Prinzip nur darum ging, das Alte zu bewahren. Sie hat beschlossen, dass zumindest ihr Dorf von der sie immer stärker umzingelnden Apfelplantagen-Monokultur, über die der Wind die meterhoch gespritzten Pestizide durch das ganze Tal weht, verschont bleiben soll. Sie verweigern sich dem Gift und stimmen in einem Volksentscheid mehrheitlich für eine menschen- und naturgerechte biologische Landwirtschaft in ihrer Gemeinde. Doch mit dem scharfen Gegenwind von Politik, Verbänden und Industrielobbyisten haben sie nicht gerechnet. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu drastischeren Maßnahmen zu greifen, um ihr demokratisch legitimiertes Ziel auch durchsetzen zu können. Alexander Schiebels Dokumentarfilm DAS WUNDER VON MALS erzählt dies trotz des ernsten Themas sehr humorvoll. Gehen oder bleiben? Stadt gegen Land, Alt gegen Jung, Nationalisten gegen Migranten. »Das Volk« gegen »die Elite«. Hinter all diesen Definitionen stehen aber Individuen, deren Wahlentscheidung von den großen Themen unserer Zeit bestimmt war: Migration, untergehende Imperien, Arbeit und ihre abnehmende Relevanz in einer immer weiter automatisierten Welt. BREXITANNIA (2017) von Timothy George Kelly ist das schwarz-weiße Porträt einer Demokratie in all ihrem hässlichen Glanz und zeigt, wie Menschen auf ihren Verlust an Gestaltungsmacht in einer sich verändernden Welt reagieren. Das Programm findet zum ersten Mal in Kooperation mit dem DOK.fest München statt und wird durch Kurzfilme ergänzt; zu jedem Film gibt es eine Diskussion mit Gästen.

News 23/06/2016 (Zeit der Unruhe)
Deutschland 2017 | Regie + Buch: Elsa Rosengren | 9 min | Engl.OmU
In England dreht sich alles um den Brexit, in den USA um den Präsidentschaftswahlkampf. Dazu vermischte Nachrichten. Das alles ist in eine ungewöhnliche Sendung verpackt, die ursprünglich im schwedischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Brexitannia
Großbritannien 2017 | Regie + Buch + Kamera: Timothy George Kelly | Mit: Federico Campagna, Noam Chomsky, Heidi Mirza | 80 min | OmeU

Im Juni 2016 stimmte Großbritannien für den Austritt aus der EU, doch die Folgen dieser Entscheidung zeigen sich erst jetzt. Kellys streng kompilierter Film wirft durch die direkt in die Kamera gesprochenen Statements ein schonungsloses Bild auf ein Land, das zutiefst gespalten ist und verdeutlicht die Folgen des Populismus, der derzeit die europäischen Demokratien erschüttert. Zu Wort kommen Menschen aller Schichten, aller Hintergründe und Einstellungen. Ihre Wahlentscheidung war von den großen Themen unserer Zeit wie Migration, Arbeit und das bröckelnde Selbstbild des Landes geprägt. Dieses schwarz-weiße Porträt einer Demokratie in ihrer Zerrissenheit zeigt, wie Menschen auf den Verlust an Gestaltungsmacht in der Welt reagieren.

Anschließend: Diskussion mit Stephan Lessenich (Institut für Soziologie der LMU)

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Filmmuseum München

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Vorführzeiten
Dienstag / Mittwoch / Freitag / Samstag / Sonntag 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Montag keine Vorstellung
Bei Überlänge gelten geänderte Vorführzeiten!

Eintrittspreise
Regulär 4 €
Mitglieder des MFZ 3 €
Aufschlag bei Überlänge oder Sonderveranstaltungen 1 € / 2 €

Rollstuhlfahrer / Hörgeschädigte
Das Kino im Untergeschoss ist über einen Aufzug für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die Behindertentoilette befindet sich im Untergeschoss neben dem Kinoeingang. Der Kinosaal ist mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet.

Programmheft
Das gedruckte Programmheft mit ausführlichen Angaben zu den Filmen ist im Filmmuseum erhältlich.

Sie können das Programmheft und den Spielplan auch herunterladen:
PDF Heft 35 (6. September 2018 - 27. Februar 2019)
PDF Heft 35 Kalenderübersicht
Alle Termine und Filmtexte für Kalender-Apps als webcal (stetig aktualisiert) oder als statischer iCal.
Anleitung bei Problemen mit Google Kalender

Jubiläumsbroschüre (Hg. MFZ 2013)
PDF 50 Jahre Filmmuseum

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Fabian Schauren, E-Mail