Open Scene

Die Termine der „Open Scene“ am Donnerstag sind teilweise für aktuelle Sonderveranstaltungen reserviert. Das Programm wird spätestens etwa eine Woche vorher festgelegt und in den Schaukästen an der Kinokasse, über den Film-Newsletter, auf Facebook, auf Twitter, durch Ankündigungen in der Tagespresse und hier auf dieser Homepage bekannt gegeben.


In Erinnerung an Hannelore Elsner: DIE UNBERÜHRBARE von Oskar Roehler am Do 23.5.19 um 19.00 Uhr

(c): Distant Dreams

Am 21. April 2019 ist Hannelore Elsner mit 76 Jahren verstorben. In Erinnerung an eine großartige Schauspielerin zeigen wir am Donnerstag, 23. Mai 2019 um 19.00 Uhr in der „Open Scene“ einen ihrer größten Erfolge als Charakterdarstellerin, das Drama DIE UNBERÜHRBARE (2000) von Oskar Roehler, in dem sie die Schriftstellerin Gisela Elsner auf überragende Weise verkörpert.

Die Unberührbare
Deutschland 2000 | Buch + Regie: Oskar Roehler | Kamera: Hagen Bogdanski | Darsteller: Hannelore Elsner, Vadim Glowna, Tonio Arango, Michael Gwisdek,·Bernd Stempel | 110 min

Herbst 1989, die letzten Monate der Schriftstellerin Gisela Elsner, die im Film Hanna Flanders heißt. Sie ist die Mutter des Regisseurs Oskar Roehler, der ihre tragische Vita ohne Rückblenden und in Schwarz-Weiß-Bildern erzählt. Hannas große Zeit ist vorbei, und so versucht die in München lebende linke Schriftstellerin, ihre Lebenskrise mit dickem Make-up, Kettenrauchen, Alkohol und Medikamenten zuzudecken. Möglichst bleich, mit schwarzen Balken um die Augen und mit einer ausladenden schwarzen Perücke will sie unnahbar wirken – und ihrem Leben ein Ende setzen. „Es macht mich krank, wie sich die Einheitsmenschen hier breit machen“, sagt sie einer Journalistin, die sie zu ihrer Einschätzung des Mauerfalls befragt. Die Realität hat die Illusion des „real existierenden Sozialismus“ eingeholt. Hanna beschließt von München nach Berlin überzusiedeln um an ihre Vergangenheit anzuknüpfen, doch auch bei ihren alten Freunden stößt sie auf Mauern.

„Oskar Roehler inszeniert ein Stationendrama der fortschreitenden Auflösung, voll beschämender Begegnungen, eine Rundreise in die Sackgasse. Er rückt sehr dicht heran an seine Hauptfigur und hält zugleich respektvoll Abstand. (…) Unter Roehlers Regie spielt Hannelore Elsner die Rolle ihres Lebens. Ihr Gesicht spiegelt beständig den inneren Widerstreit zwischen Selbstaufgabe und Selbstbeherrschung, ihre Stimme tänzelt schneidend über dem Nichts, messerscharf und zerbrechlich zugleich. Jede schroffe Geste ist von Haltlosigkeit umrahmt, in jedem Zusammenbruch flackert noch ein Überlebenswille. Wie schade, dass Hannelore Elsner nach dieser herausragenden Leistung wieder gezwungen sein wird, zurückzuschrumpfen auf Fernsehformat.“ (Merten Worthmann / Die Zeit, 19.4.2000)

Hannelore Elsner erhielt für ihre Darstellung im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis sowie den Bayerischen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin.

(c): Distant Dreams
(c): gm films

UNDERDOX-Halbzeit präsentiert in der nächsten „Open Scene" am Donnerstag, 30. Mai 2019 um 19.00 Uhr im Filmmuseum den Dokumentarfilm HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT von Thomas Heise, einen Erinnerungssog aus Worten, Filmaufzeichnungen und Fotos, komponiert aus den Zeugnissen von vier Generationen. Thomas Heise, Sohn des Philosophen Wolfgang Heise, erzählt darin von der Liebe, den politischen Idealen und Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Thomas Heise ist zu Gast!

Heimat ist ein Raum aus Zeit
Deutschland 2019 | Regie + Buch + Sprecher: Thomas Heise | Kamera: Stefan Neuberger | 218 min

„Anhand von Dokumenten aus seinem persönlichen Archiv – Briefe, Fotografien, Schulaufsätze, Tagebucheinträge –, von ihm selbst aus dem Off vorgetragen und im Bild zu sehen, zeichnet Thomas Heise die Geschichte seiner Familie über vier Generationen zwischen Wien, Dresden und (Ost-)Berlin nach. Hinzu kommen aktuelle schwarzweiße Aufnahmen der in den Korrespondenzen erwähnten Orte und Landschaften, denen die Zeichen verschiedener Zeiten anzusehen sind: das Arbeitslager in Zerbst, ehemalige NVA-Kasernen, ein Lehrsaal an der Universität, Reihenhäuser in Mainz. Außerdem Erdverwerfungen, Risse im Asphalt, Haufen und immer wieder Bahnhöfe, Züge und Gleise. Erste Lieben, Väter, Mütter, Söhne und Brüder, die Deportation der Wiener Juden, Kriegstote in Dresden, Kunst und Literatur, DDR-Sozialismus und anständig bleiben – anhand von Fragmenten aus einem Speicher persönlicher Erfahrungen, sorgfältig ausgewählt und mit Lücken zusammengesetzt, erzählt Thomas Heise nicht weniger als die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert.“ (Berlinale/Forum)

HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT gewann auf der Berlinale 2019 den Caligari-Filmpreis für den besten Film des Forums und die „Goldene Sesterze“ auf dem Dokumentarfilmfestival in Nyon.

Thomas Heise, geboren 1955 in Berlin (DDR), studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam, arbeitet seit 1983 freiberuflich als Autor und Regisseur am Theater, im Hörspiel- und Dokumentarfilmbereich und ist seit 2018 Direktor der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste in Berlin.

 

 

 

 

 

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