Woodfall Films

Look Back on Woodfall

SATURDAY NIGHT AND SUNDAY MORNING (1960) von Karel Reisz mit dem kürzlich verstorbenen Albert Finney in der Hauptrolle.

Hätte es Woodfall Film Productions nicht gegeben, so hätte man diese unabhängige Produktionsfirma erfinden müssen. Denn ohne sie wäre in England eine ganzen Schicht, die Arbeiterklasse, und eine ganze Region, der industrialisierte Norden, nicht in das allgemeine Bewusstsein gerückt worden. Die Ende der 1950er Jahre bis in die 1960er Jahre hinein entstandenen Filme der Woodfall Film Productions blicken auf die Schattenseite Englands. Zugegebenermaßen muss man sich etwas mehr bemühen als sonst und auf Umgangssprache, Dialekte und anderen Wortbedeutungen einlassen (z.B. sagt man dort zum »dinner« »tea«), wenn man Protagonisten folgen will, die bis auf wenige Ausnahmen Laiendarsteller aus der Region waren. Auch muss man bereit sein, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die im England der Nachkriegszeit von Tabus geprägt waren: Teenagerschwangerschaften, Abtreibung, Homosexualität, ein äußerst rüder Umgang zwischen Männern und Frauen (häusliche Gewalt inklusive), der unvermeidliche Alkoholkonsum, harte und stupide Arbeit in den Fabriken und Bergwerken, Armut und beengtes Wohnen, die Sehnsucht nach dem Aufstieg in die Mittelschicht und das Aufbegehren der Jugend gegen Autoritäten. Diese Lebenswirklichkeiten boten keinen erfolgversprechenden Unterhaltungsstoff für angenehme Kinoabende, und dennoch zählen Filme wie SATURDAY NIGHT AND SUNDAY MORNING (1960) von Karel Reisz, THE LONELINESS OF THE LONG DISTANCE RUNNER (1962) von Tony Richardson und KES (1969) von Ken Loach heute zu den großen Klassikern des britischen Kinos.

Die Gründer von Woodfall Film Productions waren 1958 der Londoner Bühnenautor John Osborne, der in Yorkshire geborene Regisseur Tony Richardson sowie der Kanadier Harry Saltzman, der die Firma jedoch nach drei gemeinsamen Produktionen verließ und ab 1962 James-Bond-Filme produzierte. Osborne wollte sein Bühnenstück »Look Back in Anger« mit der Hauptfigur Jimmy Porter als zornigem jungen Mann, der in desolaten Verhältnissen nicht nur verbal um sich schlägt, für die Leinwand adaptieren. Der schon bekannte Schauspieler Richard Burton spielte darin die Hauptrolle, auch die restliche Besetzung bestand nicht aus Laien. Dem Film merkt man die Herkunft von der Bühne zwar noch an – er ist wortlastig, von Burton noch in leichter Theatermanier gesprochen und spielt zu großen Teilen in sehr überschaubaren Räumen –, aber dem Film wohnt eine enorme Kraft inne, die lange nachwirkt. LOOK BACK IN ANGER markierte den Beginn des Genres kitchen sink drama, benannt nach dem Spülstein in der Küche, die meist den Lebensmittelpunkt und wichtigsten Ort der Wohnung darstellt. Osborne und andere junge Dramatiker, die der Arbeiterklasse entstammten und die zur selben Zeit soziale Entfremdung und Klassenkonflikte thematisierten, wurden die angry young men genannt.

Weiter im Text von Claudia Engelhardt und zum Programm der Filmreihe (12. März - 3. April 2019)

A TASTE OF HONEY (1961) von Tony Richardson mit Rita Tushingham
Tom Courteney in THE LONELINES OF THE LONG DISTANCE RUNNER (1962) von Tony Richardson
David Bradley als Billy Casper in KES (1969) von Ken Loach

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