Western & Revolution

Für ein paar Dollar mehr

"Spiel mir das Lied vom Tod" (Italien 1968) von Sergio Leone

Mit den Jahren wurde unter Filmkennern die Beziehung von Cinephilie und den Ereignissen vom Pariser Mai 68 mystifiziert. Nicht nur waren die protestierenden Studenten anscheinend alle kinoverrückt, sondern es wird eine kausale Linie gezogen: Die Absetzung Henri Langlois’ als Leiter der Cinémathèque française im Februar 1968 und die Proteste, die zu seiner Wiedereinsetzung geführt haben, werden zum Beispiel in Bernardo Bertoluccis Film THE DREAMERS (2003) zum Vorspiel der Maiunruhen. Entsprechend nimmt die Cinémathèque in der Geschichte eine bedeutende Position ein. Dagegen werden Kinos, in denen die Filme liefen, die die Studenten mit weitaus größerem Enthusiasmus guckten als die Filme der Nouvelle Vague, viel weniger beachtet. Dies betrifft insbesondere dle Italo-Western. Begeistert von der Ästhetik der Filme und fasziniert von ungeschönt zelebrierter Gewalt gehörten französische Studenten zu den eifrigsten Enthusiasten des Mitte der 1960er Jahre aufblühenden Genres: Als Sergio Leones C’ERA UNA VOLTA IL WEST (1968) 1969 in die Pariser Kinos kam, war er beim studentischen Publikum ein Riesenerfolg. Insofern sind Italo-Western Teil der filmischen Geschichte des Mai 68 und nicht bloß eine Fußnote: Wie wir sehen werden, beschäftigten sich viele dieser Filme mit genau denselben Themen wie die offensichtlicher radikalen französischen Autorenfilme, die traditionellerweise mit den Unruhen in Verbindung gebracht werden.

Es war einmal in Italien

Es mag ein Klischee sein, den Western als amerikanischen Mythos zu bezeichnen. Nichtsdestotrotz ist es wahr: Der traditionelle Hollywood-Western handelt von der Besiedlung und Unterwerfung des Landes, der Errichtung von Recht und Ordnung – ausgehend von der Prämisse, dass dies ein rechtschaffenes Unterfangen war. Frühe europäische Western haben seit Anbeginn diese Sichtweise übernommen. Erst der Italo-Western stellte sie – absichtlich oder unbewusst – in Frage. Zwar liefern auch diese Western eine Vision von Amerika, doch war diese nun ambivalent und brüchig. Gerade in den europäischen Ländern, die unter US-amerikanischer Besatzung gestanden hatten, wurde das amerikanische Selbstbildnis kritisch hinterfragt.

Sergio Leone lernte Amerikaner kennen, als sie Rom befreiten, und es war für ihn eine Art Schock. Seine Vorstellungen von Amerika waren vom Kino geprägt, doch die Amerikaner, die er traf, entsprachen nicht den edlen Cowboys aus den Filmen: »Es waren ganz gewöhnliche Soldaten ... auf Vergnügen und irdische Güter aus ... sie haben unseren Frauen nachgestellt und ihre Zigaretten auf dem Schwarzmarkt verkauft.« Doch diese Erfahrungen waren nicht die einzige Inspiration, die Leones Denken formte, als er seine ersten Western drehte. Vergessen wir nicht, wie stark er für PER UN PUGNO DI DOLLARI (1964) auf Akira Kurosawas YOJIMBO (1961) zurückgriff. Ein Gutteil des vielgelobten »Zynismus«, den zeitgenössiche Kritiker in Leones Film ausmachten, basiert auf Kurosawas ironischer Darstellung des Samuraikodex.

Weiter im Text von James Oliver und zum Programm der Filmreihe (23. März bis 29. April 2018). 

"Weekend" (Frankreich 1967) von Jean-Luc Godard

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