Underdox

Nostalgie und Utopie in Finnland

Jörn Donner: FUCK OFF! IMAGES FROM FINLAND (1971)

»Suolmalainen elokuva«, das Kino Finnlands, vor und jenseits der Kaurismäkischen Sozialdramen, steht im Fokus der 14. Ausgabe von Underdox. FUCK OFF! IMAGES FROM FINLAND nannte Jörn Donner 1971 sein im Stil des cinéma vérité gefasstes dokumentarisches Kaleidoskop vom Seelenzustand finnischer Jugendlicher. Herausgekommen ist ein offenherziger Mentalitäts-, Sitten- und auch Sexreport über die Träume und Wünsche der jungen Generation, die in einem stagnierenden Finnland vergeblich nach einer Zukunft sucht. Es ist die Zeit der großen Armut, die eine Auswanderungswelle ins moderne und fortschrittliche Schweden lostrat.

Gast des Länderschwerpunkts ist der 1965 in Helsinki geborene Dokumentar- und Experimentalfilmemacher Mika Taanila. Als visueller Künstler hat er sein Werk in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, darunter auf der documenta XIII, der Venedig Biennale 2017, im ZKM Karlsruhe, in Berlin, Shanghai und Rotterdam. Er kuratiert bei den Kurzfilmtagen Oberhausen Programme, die neue Ansätze für das Sehen im Kino inszenieren. Mit »Film without Film«, »Conditional Cinema« oder ganz einfach »Filmless« akzentuiert er das Kino als Apparatur und Dispositiv. 2016 schuf er den kameralosen Spielfilm TECTONIC PLATE, der mit Fotogrammen und Zwischentiteln des finnischen Dichters Harry Salmenniemi von einem Geschäftsreisenden erzählt, der in einem Hotel in der Nähe des Flughafens von Helsinki feststeckt. Es ergibt sich angesichts von Flugangst, Sicherheitskontrollen und durchflogenen Zeitzonen eine vom Jetlag genährte Paranoia, in der die Röntgenbilder des Handgepäcks, Seiten aus Sicherheitsbroschüren und herausgezoomte Wörter als körnige Partikel einer dissoziativen Panik hervortreten. In einer Film Lecture stellt Mika Taanila eine Auswahl seiner Kurzfilme vor, begleitet von einer Carte Blanche. Mit THE FUTURE IS NOT WHAT IT USED TO BE (2002) geht er zurück in die 1960er Jahre, in der Finnland neben der von Donner gezeigten gedrückten sozialen Stimmungslage ganz und gar euphorisch in Sachen Technologie war. Der Film porträtiert Erkki Kurenniemi, Atomphysiker und Pionier der elektronischen Musik, der mit Karlheinz Stockhausen und M.A. Numminen zusammenarbeitete. Nebenbei entwickelte er Roboter und erforschte bereits in den 1960er Jahren die Künstliche Intelligenz und das Potenzial virtueller Realität. Ein Film über den Traum, den Menschen mit der Maschine zu verschmelzen, den Taanila auch in den Titeln seiner Filme FUTURO (1998) und ROBOCUP99 (2000) anklingen lässt. Am Ende taucht die ZONE OF TOTAL ECLIPSE (2006) wieder in den auch für Kaurismäki bekannten dunklen finnischen Seelenzustand hinein.

Dunja Bialas

Donnerstag, 9. Oktober – Sonntag, 13. Oktober 2019 im Filmmuseum

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Filmmuseum München

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Vorführzeiten
Dienstag / Mittwoch / Freitag / Samstag / Sonntag 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Montag keine Vorstellung
Bei Überlänge gelten geänderte Vorführzeiten!

Eintrittspreise
Regulär 4 €
Mitglieder des MFZ 3 €
Aufschlag bei Überlänge oder Sonderveranstaltungen 1 € / 2 €

Rollstuhlfahrer / Hörgeschädigte
Das Kino im Untergeschoss ist über einen Aufzug für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die barrierefreie Toilette befindet sich im Untergeschoss neben dem Kinoeingang. Der Kinosaal ist mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet. Der Empfang ist auf den Plätzen am Anfang und am Ende der Sitzreihen am besten.

Programmheft
Das gedruckte Programmheft mit ausführlichen Angaben zu den Filmen ist im Filmmuseum erhältlich.

Sie können das Programmheft und den Spielplan auch herunterladen:
PDF Heft 37 (5. September 2019 - 26. Februar 2020)
PDF Heft 37  Kalenderübersicht

Alle Termine und Filmtexte für Kalender-Apps als webcal (stetig aktualisiert) oder als statischer iCal.
Anleitung bei Problemen mit Google Kalender

Jubiläumsbroschüre (Hg. MFZ 2013)
PDF 50 Jahre Filmmuseum

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